Angst vor großen Projekten? Nicht mit mir!

Auf einer gehäkelten Decke liegt ein schwarzweißer Kater und schaut aufmerksam nach links. Die Decke besteht aus mehrfahrbig-bunten Kreisen, die mit schwarzem Garn warbenartig verbunden sind. Die Farben reichen von cyanblau über grün, gelb, orange bis rot.
Kurt findet, die Decke steht ihm gut.

Manchmal unterhalte ich mich mit Leuten übers Schreiben, und die erzählen mir: „Ich würde ja so gerne einen Roman schreiben, aber das ist so ein riesiges Projekt! Das krieg ich ja nie fertig!“ Und zum einen verstehe ich das, zum anderen … du musst dir einfach kleinere Stücke abbeißen.

Seit einer Weile schon wollte ich mal eine Decke häkeln. Nur um zu gucken, ob ich das kann. Aber so eine Decke ist ja groß, und ich weiß, wie lange ich schon für die Schultertücher brauche. Bestimmt schaffe ich das nie, so ein großes Projekt!

Glücklicherweise hatte die Garnmanufaktur letztes Jahr das perfekte Set für mich – eine Anleitung mitsamt Garn für eine Temperaturdecke. Temperaturdecken (oder Schals, oder …) funktionieren immer nach dem gleichen Prinzip: Für jeden Tag wird ein Abschnitt gestrickt oder gehäkelt, und die Farbe sucht man nach dem Wetter des jeweiligen Tages aus. Dieses Projekt gefiel mir besonders, weil jede Kachel drei Informationen enthält: Wenn es an dem Tag geregnet hat, ist das Zentrum der Kachel schwarz. Die innere Farbe steht für die Mindesttemperatur, die äußere für die Höchsttemperatur – und verbunden wird alles wieder wabenartig mit schwarzem Garn. Und das Schöne – du hast es erraten – man macht jeden Tag nur eine Kachel. Das hat am Anfang bei mir etwa eine halbe Stunde gedauert, die letzte Kachel heute morgen habe ich in 15 Minuten gehäkelt.

(Meine Decke geht von einer Wintersonnenwende zur nächsten, mit schwarzen Kacheln für den Neumond und Kacheln mit silbernem Rand – mit Hilfe von Beilaufgarn – für Vollmondtage, deswegen ist sie heute morgen fertig geworden.)

Rein theoretisch musste ich mich also nur jeden Tag für etwa eine halbe Stunde hinsetzen und die Kachel für den Vortag machen. Klingt völlig realistisch, oder? Also habe ich das Set gekauft und mich drangesetzt. Und natürlich lief es NICHT immer so schön regelmäßig. Manchmal war ich Abends zu müde, um mit mehreren Farben zu häkeln. Manchmal hatte ich keine Zeit. Manchmal musste ein anderes Projekt fertig werden – oder ich war auf Reisen, da nimmt man lieber nur ein Knäuel mit statt einer Box voller Garn.

Karton mit mehreren kleinen Garnknäueln in unterschiedlichen Stadien des Verbrauchs. Von oben links (blau) bis unten rechts (rot-pink) insgesamt 13 Knäuel. Unten links in der Box außerdem zwei Spulen mit Beilaufgarn, eines davon silberfarben, eine Bastelschere und eine schlichte Häkelnadel. Schwarzer Faden ragt zwischen den anderen Knäueln hervor.
Die Reste vom Feste. Reicht wahrscheinlich für drei weitere Tücher.

Und zu guter Letzt – als es im Sommer so warm war, dass die Temperaturtabelle der Garnmanufaktur nicht mehr ausreichte, um das Wetter abzubilden, und ich kupferfarbenes Beilaufgarn für die beiden heißesten Tage hinzugenommen habe, hatte ich längere Zeit einfach keine Lust, dann auch noch schwitzend unter so einem halbfertigen Ding zu sitzen. Also habe ich mir nur fleißig Notizen zu Niederschlag und Temperatur gemacht (dieser Homepage sei Dank!) und mich, als es wieder kühler wurde, ans Werk gemacht, um wieder aufzuholen. War auch gar nicht schlimm, als ich zeitweise 40(!!) Kacheln zurück lag. Ich wusste allerdings, dass ich am 21.12. die letzte Kachel häkeln wollte.

Das habe ich heute morgen auch gemacht. Also ein Jahr lang jeden Tag im Schnitt 25 Minuten Arbeit, und am Ende hat man eine Decke.

Genau das gleiche kannst du mit einem Roman machen. Sagen wir, der soll etwa 80.000 Wörter lang werden. „Carrie“ von Stephen King hat im Original etwa 62.000 Wörter, mit 80.000 bist du also schon wirklich gut dabei. Wenn du das innerhalb eines Jahres schreiben wolltest und würdest dich dafür jeden Tag dransetzen, wie viele Wörter wären das pro Tag?

Ich hab’s für dich ausgerechnet: Etwa 220.

220 Wörter – dieser Blogpost ist schon länger! Das ist etwa eine Normseite. Die schafft man ganz fix! Am besten machst du dich also direkt heute ans Werk. Und wenn du mal an einem Tag nichts schreibst, ist das nicht wild – du kannst aufholen, und an anderen Tagen schreibst du dafür bestimmt mehr, wenn du einmal im Fluss bist. Beiß dir von dem Mammutprojekt „Roman“ also einfach jeden Tag 220 Wörter ab und schau, dass du die fertig kriegst.

(Natürlich ist es gut, wenn man für solche Projekte einen Plan hat. Das muss kein Plot sein, wenn du lieber drauflos schreibst, aber ein Plan wäre gut.)

Und wenn du das durchziehst, hast du am Ende des Jahres eine wunderbare Wortdecke, in die du deine Leser einwickeln kannst.

Aufsicht von oben auf die Decke. An den Rändern erkennt man, dass sie aus Sechsecken besteht, und dass die Farben grob diagonal verteilt sind. Auf der Decke liegt der schwarzweiße Kater und fühlt sich sehr wohl. Am Rand des Bildes herrscht Chaos.
Fertiger Roman (Symbolbild).

Dies ist ein anständiges Miezhaus!

Und das ist gelogen. Neben mir räkelt Kurt sich schamlos und präsentiert mir sein flauschiges Bäuchlein. Mara sitzt am anderen Ende des Sofas und chillt. Sie hatte einen anstrengenden Tag mit vielen Zoomies.

(„Zoomies“ nennt man es, wenn Katzen wie von der Tarantel gestochen durch die Wohnung rasen und mit weit aufgerissenen Augen auf Geister starren, die wir Menschen nicht sehen. Oder wenigstens nehme ich an, dass sie Geister sehen. Ich seh ja nichts.)

Mara ist seit zwei Wochen bei uns und hat sich gut eingelebt. Manchmal spielt sie sogar schon mit Kurt. Auf jeden Fall fressen sie gemeinsam und teilen sich auch den Kratzbaum, weil man von dort aus so gut auf die Birke mit den Elstern sehen kann.

Der Mann ist in Sorge, wie sie auf den Weihnachtsbaum reagieren wird. Schließlich ist das Internet voll von Videos von Bäumen, die mit Lametta und Kätzchen behangen sind. Ich finde diese Dekoration ganz annehmbar, muss ich gestehen. Und Mara ist durchaus eine Kletterratte – und sportlich, sie schafft aus dem Stand einen Salto in zwei Metern Höhe. Für eine Katze mit einem ehemals gebrochenen Bein eine reife Leistung.

Das wäre der Punkt, an dem ich euch mit Katzenbildern bombardiere. Aber ich denke mir, davon gibt es im Internet schon genug.

Scherz!

Bitte sehr …

Das Altenheim „Zum Grumpeligen Kater“

Ein weißer Kater mit roten Zeichnungen an Kopf und Schwanz, ziemlich zerzaust und hager, liegt in einer improvisierten Höhle aus verschiedenen Stoffen und Decken, die in einem Metallregal eingerichtet ist. Er wirkt mittelmäßig zufrieden. Hinten rechts in der Ecke ist eine Lücke in der Höhle, durch die man grüne Landschaft sieht.
„Und wo bleibt mein zweites Frühstück???“

So ist das also mit einem Kater, der seinen Lebensabend genießt. Draußen wird es kälter und endlich wieder nass. Am liebsten hätte ich ihn jetzt in der Wohnung, wo es wenigstens windstill und doch schon ein wenig wärmer als auf dem Balkon ist. Aber davon will Greebo nichts wissen. Er hat seit dem Frühjahr auf dem Balkon gewohnt, und das ändert er auf den letzten Metern auch nicht mehr.

Sein Lieblingsplatz ist das Regal, das hinter der Balkonbrüstung unter dem Kasten mit den Tomaten steht. Natürlich regnet es da drauf. Das ist mein persönliches Versagen, wenn ich seinen Blick in den vergangenen Tagen richtig interpretiert habe. Flauschedecke nass, Kater nass – Himmeldonnerwetter, dann leg dich doch einfach auf die andere Decke auf dem gepolsterten Stuhl?

Nein, das geht natürlich nicht.

Also haben wir improvisiert.

Die wasserdichte Laufjacke verwende ich doch sowieso nicht, ich bin Schönwetterläuferin. Die hängt an der Rückseite über das Regal und hält Wind und Regen ab. Oben drauf ein paar stabile Stücke Karton, um die Jacke zu beschweren und noch mehr Regen abzuhalten. Ein Sichtfenster in den Gemeinschaftsgarten darf natürlich nicht fehlen. Eine trockene Katzendecke, dazu ein ultrawarmer Schal zum Einkuscheln und ein Deckchen aus hundert Prozent Wolle, dass ich sowieso nur für ihn gehäkelt hatte. Greebo liebt den Geruch von Wolle, musst du wissen. Auf der linken Seite hält ein Handtuch mehr Wind und Regen ab.

Joah, so lässt es sich leben. Wenn nur die Snacklieferanten nicht so verdammt unzuverlässig wären!!!

Autorin auf der stillen Treppe

Genau da befinde ich mich gerade – und ich habe mich selbst dorthin geschickt. ^^

Eigentlich ist heute nämlich höchste Zeit, das nächste Kapitel für meinen Patreon-Kanal einzulesen. Allerdings findet das in meinem Büro statt. Und das ist aktuell auch das Krankenzimmer für den überaus schlechtgelaunten Altkater, der dank Halskrause nach einer Operation nicht unter das Gästebett passt und sich nicht kratzen oder putzen kann und die Halskrause generell doof findet.

Inzwischen hat er gut raus, wie er sein Missfallen ausdrücken kann.

Beispielsweise macht er mit der Halskrause extra viel Krach.

Er kann generell gut mit dem Ding manövrieren, aber wenn er etwa Futter möchte oder unzufrieden ist, knallt er sie absichtlich gegen Türen und Möbel, schubbert sie laut über Kanten und Stoffe und lässt uns schon an seiner Gefühlswelt teilhaben.

Vielleicht könnt ihr euch also denken, weswegen ich vorhin im Verlauf einer halben Stunde nur fünf Minuten brauchbares Material aufnehmen konnte. Nachdem ich den Kater wiederholt geschimpft und er mich wiederholt angemaunzt hatte, habe ich mich für eine Stunde auf die stille Treppe gesetzt. Das sollte uns beiden Zeit geben, uns ein wenig abzuregen, und jetzt versuchen wir es einfach noch einmal. Ihr seht ja gleich, ob es einen neuen Patreon-Link gibt, dann wisst ihr auch, wie das funktioniert hat.

Der Tierarzt. Das Update.

Vielleicht erinnert ihr euch, der alte Flauschepo (also der Kater!) war beim Tierarzt.

Weißblaue Katzentransportkiste mit weißer Gittertür. Hinter der Tür: Auf einem sandfarbenen Kissen hockt ein weißer Kater mit wenigen roten Abzeichen und schaut durch die Tür.
Vor dem Tierarzt.

Wie der Tierarzt nach kurzer Untersuchung bestätigte (so ähnlich hatte ich das schon vermutet), gab es zwei Möglichkeiten:

Entweder der Kater hat irgendwo eine Entzündung, die in der Untersuchung nicht sichtbar war, dadurch schwillt der Lymphknoten an.

Oder es ist ein Tumor.

Sicherheit, meinte der Tierarzt, würde eine Nadelbiopsie geben. Allerdings sei die an genau der Stelle schwierig, weil da sowohl Nerven als auch große Blutgefäße verlaufen. Und ohne wichtigen Grund sedieren wolle er so einen alten Kater (der Flauschepo ist 13 Jahre alt) auch nicht. Also schlug er vor, symptomatisch für eine Entzündung zu behandeln und zu schauen, ob die Schwellung davon weg geht. Es gab noch eine Spritze für den Kater und ein Tütchen Tabletten, dann waren wir entlassen.

Weißblaue Katzentransportkiste mit weißer Gittertür, auf sandfarbenem Kissen ein weißer Kater mit wenigen roten Markierungen, der deem Betrachter beleidigt den Rücken zuwendet.
Nach dem Tierarzt.

Jetzt muss der arme alte Greebo also vor dem eigentlichen Futter immer so eine Leckerchen-Paste mit kleingebröselten Tabletten fressen. Er leidet sehr. Aber es sieht ganz so aus, als ob die Behandlung Erfolg zeigt, also werde ich mich nicht beschweren.