Wunder der Technik

Gestern war so ein Tag.

Du weißt schon, was ich meine. So einer.

Also.

Ich hatte Pläne. Koch- und Backpläne. Und die fingen nach einem gemütlichen Frühstück auch ganz normal an. Zuerst war der Geburtstagskuchen für den Mann dran. Der hatte sich einen Dubai Chocolate Cheesecake gewünscht, und ich liefere ja gern. Also Geschirrspüler angeschmissen, Boden gemacht, Creme gemacht, Ganache gemacht, alles zusammengebastelt und (gut abgedeckt!) auf den Balkon zum Durchziehen geparkt.

Als nächstes war ein Kürbiscurry dran. Das schleppe ich morgen mit ins Büro als Mittagessen für die Kollegin und mich, wenn wir schon an Heiligabend arbeiten müssen. Curry braucht nicht so viel Geschirr, aber mit den Schüsseln vom Kuchen, den Messern und Tellern und dem Kochtopf war die Küche schon ziemlich voll. Glücklicherweise war der Geschirrspüler schon durch.

Nur irgendwie blöd – der hatte nicht abgepumpt. Also erst einmal den Schlauch gelöst und die Maschine in den Eimer abpumpen lassen. Sieb saubergemacht, alles ausgeräumt, Kurzspülgang mit klarem Wasser gestartet. Manchmal behebt so etwas das Problem ja schon.

Meine größte Angst in solchen Momenten? Dass ich Döspaddel das Wasser anschließend mit Schwung in die Spüle schütte. Konnte mich glücklicherweise gerade noch zurückhalten.

Ärgerlicherweise wollte der Geschirrspüler nach dem Kurzspülgang immer noch nicht abpumpen, und eine kurze Überprüfung ergab: Abflussrohr verstopft. Inzwischen hatte das treue Ding auch eine nicht unerhebliche Menge Wasser in die Küche gepumpt, weniger schön. Der Mann, gerade erst aufgestanden, wurde als Fehlerbehebungsassistent rekrutiert.

Parallel habe ich mit Pömpel und heißem Wasser die Verstopfung attackiert. Eine gut ausgerüstete Hausfrau ist nicht aufzuhalten. Unter der schieren Macht meiner Sturheit gab, was auch immer in dem Rohr wohnte, schließlich auf. Zur Sicherheit hab ich erst einmal kochendes Wasser nachgeschüttet – zweimal, dreimal. Und dann, als ich gerade mit Essig nachlegte, wurde es plötzlich duster.

Erster Gedanke: „Da ist wohl Essig an den Strom gekommen.“ Ist natürlich Blödsinn, aber erzähl das mal meinem Gehirn.

An der Sicherung für die Küche hängen übrigens noch Balkon, Wohnzimmer, das Zimmer vom Mann, der halbe Flur, mein Büro und eine Steckdose im Schlafzimmer. (Wofür die anderen zehn Sicherungen da sind, kann ich nicht genau sagen. Die teilen sich Herd, Bad, Klo und das restliche Schlafzimmer.) Also viele mögliche Fehlerquellen.

Mann: „Das kommt daher, dass du gleichzeitig den Wasserkocher und den Geschirrspüler hast laufen lassen.“

Die laufen zwar oft parallel, aber … möglich? Sicherheitshalber alles mögliche in der Küche ausgesteckt, dabei auch den Geschirrspüler verrückt und festgestellt, wie unglaublich eklig das da drunter ist. Im Ernst, mach das nicht. aufgewischt. Steckdose überprüft – alles trocken.

Der Mann war der Meinung, man müsse die Sicherung nur mal abkühlen lassen, dann gehe das schon wieder. Aber nach dem Aufwischen war die immer noch nicht kooperativ. Also nacheinander alle Stecker in allen betroffenen Zimmern rausgezogen. Und der Mann am Möpern, denn das liege todsicher an meiner Wasserkocher-Geschirrspüler-Orgie, also alles sinnlos.

Willst du wissen, wo das Problem schließlich gefunden ward?

Im Zimmer des Mannes. Dort gibt es nämlich nur drei Steckdosen, und eine der vier Mehrfachsteckdosen, die an die hinterste Steckdose in Reihe gehängt sind, um insgesamt etwa 20 Geräte mit Strom zu versorgen (ich wünschte, ich dächte mir das aus!), muss wohl an Altersschwäche gestorben sein.

Oder, wie der Mann als nächstes erklärt hat: Die wurde durch das gleichzeitige Betreiben von Wasserkocher und Geschirrspüler in der Küche irreparabel beschädigt.

Gut, ich hab jetzt kein Physik studiert, also … möglich? Keine Ahnung. Der Fehler war gefunden, alles konnte wieder eingestöpselt und in Betrieb genommen und reprogrammiert werden. Mit zwei Stunden Verspätung zog der Mann sich also ins Wohnzimmer zurück, um in Ruhe wach zu werden, während ich in der Küche meinen Rachefeldzug gegen ein bestimmtes Keksrezept fortsetzen konnte. Davon erzähle ich demnächst mehr.

Staubfreie Ablenkung

Schon seit einer Weile wussten wir, dass der Altkater im Urlaub zum Tierarzt geht. Der Knubbel, den er seit Frühling rechts am Hals hatte, wurde einfach nicht kleiner, und dann sollte man auf so etwas draufgucken. Eine erste Biopsie vor ein paar Monaten war nicht eindeutig gewesen, seitdem hatte er entzündungshemmende Behandlung und ein Mittel gegen Arthrose bekommen. Die Arthrose ist besser, aber der Knubbel war immer noch da.

Als ich dann gestern morgen zum Tierarzt kam, maß der ein wenig, guckte ein wenig mehr und räusperte sich. Der Knubbel sei so groß, dass er über kurz oder lang sowieso Probleme machen werde – unabhängig von Biopsie-Ergebnissen. Ob wir den Knubbel nicht direkt entfernen lassen wollten? Dann könne man auch eine umfassendere Histologie-Aufarbeitung machen.

Vor dem ersten Kaffee bin ich jetzt nicht so wirklich entscheidungsfreudig, aber das klang sinnvoll, und da der Mann noch zuhause friedlich schlief, musste ich auch mit niemandem Rücksprache halten. Also ließ ich einen sichtlich verstimmten Kater, der eh schon seit mehr als zwölf Stunden nichts gefressen hatte, in der Obhut des Tierarztes und begann, mich ein wenig abzulenken.

Da waren doch noch vier Dinge auf der Einkaufsliste. Wenn ich also schon in der Stadt war … und das Auto könnte dringend mal wieder gewaschen werden. Als es dann gewaschen und trocken wieder zuhause auf dem Parkplatz stand, konnte ich es endlich so verschandeln, wie ich es seit Wochen geplant hatte. Dann wurden einige Pflanzen umgepflanzt, denen es in der Zwischenzeit ein wenig eng um die Taille geworden war. Als Konsequenz hieraus musste natürlich der Balkon gefegt werden, denn irgendwer hatte mit Blumenerde gesaut. Danach wusch ich die Küchenfronten ab, erledigte den üblichen Spül und eine Lade Wäsche, fegte (der Mann schlief schließlich immer noch) und hatte mich gerade beinahe davon überzeugt, das Sofa tiefen-einzuschäumen, als der erlösende Anruf kam.

Fünfzehn Minuten später und ziemlich genau drei Stunden, nachdem ich den armen alten Kater abgegeben hatte, konnte ich ihn wieder mit nach Hause nehmen. Die Operation war gut verlaufen, er sabberte noch und war ziemlich unsicher auf den Pfoten. Schmerzmittel, Halskrause für den Notfall, Instruktionen zu Futter und Wasser.

Zuhause war der Kater ein wenig desorientiert. Das könnte daran gelegen haben, dass er noch betäubt war und ich die Zugänge zu seinen staubigen, vollgehaarten Lieblings-Liegeplätzen sorgfältig verstopft hatte. Oder daran, dass diese Wohnung seit Monaten nicht so ordentlich war. Im Ernst, ich hätt mich auch fast nicht zurechtgefunden.

Weißer Kater mit wenig Rot im Fell sitzt auf einem Lager aus Decken und Handtüchern. Rechts am Hals, unter dem Kiefergelenk, hat er eine größere rasierte Fläche, auf der man Desinfektionsmittel und Wundsekret sieht. Er guckt nicht erfreut.
Einige Stunden nach der Narkose. Der Blick sagt es schon: „Ihr werdet alle sterben!“

Erinnert er euch nicht auch an etwas, das man in „Friedhof der Kuscheltiere“ hätte sehen können? Aber ich schwör, er ist ganz lieb. Heute hatte er schon seine Dosis Schmerzmittel, die auch abschwellend wirken, und morgen geht es zur Wundkontrolle. Er hat sich sogar einen Tunnel unter das Gästebett gegraben, also lasse ich ihn da und hoffe, dass er sich nicht völlig einsaut. Das ist einer der wenigen Orte, die meiner Ablenkungs-Putzwut gestern nicht zum Opfer gefallen sind.

Zwischen dieser Aktion, einer noch laufenden Wurzelbehandlung bei mir und einer anstehenden Wurzelbehandlung beim Mann ist das nicht unbedingt der Traumurlaub. Aber ich nehme, was ich kriegen kann. Und das Wichtigste ist doch, dass es dem kleinen Flauschepo bald wieder besser geht.

So ein Tag ist das also

Es gibt ja so Tage. Kennt ihr auch, nicht wahr? So einer isset.

Richard hat heute frei. Ich schleiche also morgens im Halbdunkel in den Schrank und greife mir meine Sachen für’s Büro. Alles natürlich professionell und konservativ, schließlich sind wir wichtig. Schnell angezogen, die Katzen versorgt und gefrühstückt, dann aus dem Haus und noch schnell ein paar der besten Erdbeeren aus ganz Bonn holen. Die Andrea will nämlich backen und hat mich versklavt.

Im Büro, nach dem Kaffee, in Denkerpose aus dem Porzellanthron sitzend, schaue ich dann so nach unten – verflixt, habe ich etwa meine violett karierte Unterwäsche auf links angezogen? Meh. Kann ja mal passieren. So etwas stört allerdings mein zwanghaftes Hirn, also schnell Hose aus, alles in die richtigen Bahnen gelenkt und zurück in die Hose schlüpfen.

Aber was ist das?

Ist das etwa… ?

Och nööö.

Die rückseitige Naht meiner guten (weil einzigen) Bürohose ist offenbar dem Weltwunder „Diandras Hintern“ nicht gewachsen und hat den Rückzug angetreten.

Tja, jetzt bin ich der Gnade der Kolleginnen ausgeliefert, damit ich nicht persönlich Arbeit beim Chef abholen muss. Noch ist zwar nichts zu sehen (von meiner Unterwäsche – Arbeit haben wir genug), aber ich kann einfach nicht riskieren, dass der Chef dieses Wunders ansichtig wird und sich sofort unsterblich verliebt. Dieser Hintern war schließlich teuer und ist nur mit den besten Dingen gefüllt.

Außerdem – warum ausgerechnet am Violette-Unterwäsche-Tag? Hätt ich nicht heute morgen wenigstens zu schwarz greifen können? Echt ey, da helfen weder Kaffee noch Erdbeeren. Immerhin trage ich so zur Erheiterung der übersetzenden Kolleginnen bei, die haben das bitter nötig.

Bin ja gespannt, was als nächstes kommt…

Wie wir auszogen, einen Staubsauger zu kaufen

Freitag abend wollte ich noch schnell staubsaugen, ehe Richard nach Hause kommt. Schließlich haben wir große rote plüschige Möbel und fast genau so große plüschige weiße Katzen. Da empfiehlt sich sowas.

Auf jeden Fall saugte ich so Staub vor mich hin, als es plötzlich einen Knall gab. Eine Duftwolke mit dem Aroma nageschmorter Elektronik stieg auf, und der Staubsauger ging aus.

Ich stutzte.

Dann stutzte ich noch etwas mehr. Prüfte die Sicherungen, die Steckdose – alles okay. Das einzige, was nicht okay war, war der Staubsauger.

Also blieben unsere Möbel haarig. Und wir überlegten, am nächsten Morgen einen neuen Staubsauger zu kaufen.

Mein natürlicher Instinkt trieb mich zu einem Elektronik-Händler. Nach einer halben Stunde gründlicher Suche – in der wir über die Vor- und Nachteile diverser Fernseher und Navigationsgeräte diskutierten – fanden wir auch schließlich die Haushaltswarenabteilung.

Standmixer, Toaster und Radiowecker.

Keine Staubsauger.

Notgedrungen fuhren wir also die paar Meter weiter zu einem großen Bastelladen/Gartencenter/Wohn- und Wohlfühlladen, mit der Überlegung, dass die uns ja auch vielleicht helfen könnten.

Und das Unglück nahm seinen Lauf.

Während wir durch die Reihen schlichen und überlegten, wo zwischen Tiernahrung, Gartenmöbeln und der Bastelecke man wohl am ehesten nach Staubsaugern schauen könnte, fiel Richard ein, dass er sich ja schon lange eine hölzerne Verpackung für die Tastatur zu seinem iPad bauen wolle. und wo wir schonmal da wären…

Also taperten wir los Richtung Holz. Fanden dünne Sperrholzplatten und Kanthölzer, wie gewünscht. Zuschnitt sei kein Problem, wurde uns versichert, dauere nur eine halbe Stunde.

Ist ja kein Ding, dachten wir. Gehen wir solange in die Gartenabteilung.

Langer Geschichte kurzer Sinn: Jetzt sind wir die stolzen (und planlosen) Besitzer eines Johannisbeerbaumes und einer Blaubeere, und haben genügend Hängevorrichtungen, um unseren Balkon endgültig in einen Dschungel zu verwandeln. Kostenpunkt: Fünfundsiebzig Euro.

Staubsauger hat der Laden übrigens nicht. ^^

Mehr Aufregung

… ist nicht gut fürs Herz. Lässt sich aber leider manchmal offenbar nicht vermeiden.

Zu all den Katastrophen, die uns in letzter Zeit untergekommen sind – verbranntes Bein (meins), kaputtes Auto (unsers), kaputter Kleiderschrank (seins), kaputtes iPad (seins) – ist gestern auch noch Richards Kamera den Weg alles Irdischen gegangen. Man hat fast den Eindruck, alles, was er benutzt, geht kaputt.

Ich überlege, für ein paar Tage ins Wohnzimmer zu ziehen. Nur zur Sicherheit. ^^