
Ich kann alles schaffen. Manchmal muss ich allerdings erst pathetisch sein.
Schon eine Weile wusste ich, dass eines von drei Bremslichtern an unserem Auto den Geist aufgegeben hatte. Und ich konnte mich nicht so recht überwinden, das Leuchtmittel auszuwechseln. Ehrlich gesagt – ich gebe dem Autohersteller die Schuld. Wir haben den Wagen nämlich schon seit mehr als zwölf Jahren, und hintenrum war noch nie ein Licht kaputt. Frontscheinwerfer, da habe ich schon eine Menge Leuchtmittel ausgetauscht. Hinten? Alles paletti. Seh ich ja nie!
Neulich wollte ich mich dann aufraffen. Und bat den Mann, erst einmal genau zu bestimmen, welches der Bremslichter defekt sei, denn ich kann ja schlecht bremsen und zum Gucken aussteigen.
Seine etwas bedröppelte Antwort: „Die unteren sind beide defekt, da leuchtet nix.“
Ja, Mist. Wird also wirklich Zeit. Denn WENN ich einmal bremse, soll die Welt das auch mitbekommen. Sonst knautscht das so unschön.
Gut. Ich also erst einmal umständlich die passenden Leuchtmittel herausgesucht und bestellt. Die kamen nicht. Oder sie kamen dann doch, lagen aber vor der Kellertür, wo ich nie hingucke. Zum Glück lagen sie wenigstens trocken und waren auch noch nicht geklaut, als ich sie am Sonntag Abend dann doch fand, eher so aus Zufall.
Dann – wie komm ich wohl an die Bremslichter ran? Geguckt, keine Klappe oder so gefunden. Das Internet konsultiert: Ah, da sind Schrauben, die schraubt man auf. Werkzeug brauch ich also auch. Zum Glück habe ich direkt mehrere Werkzeugkoffer, die ich regelmäßig verlege.
Gestern war es dann endlich so weit. Morgens auf dem Weg zur Arbeit Werkzeugkoffer und Leuchtmittel eingesteckt und im Kofferraum verstaut, damit ich das nach der Arbeit im Hellen direkt erledigen kann. Wenn ich nämlich zwischendurch erst hochgehe, dann sind da die Katzen und das Sofa, das wird kompliziert.
Zuhause auf dem Parkplatz nachmittags noch in Büro-Klamotten (nicht nach oben gehen, du erinnerst dich) – Stiefel, langer Rock, selbstgehäkelte Bandana auf dem Kopf – also das Werkzeug ausgepackt und die Schrauben rausgedreht. Aber die Scheinwerfer wollten sich nicht direkt bewegen. Ich also geflucht und probiert und gedrückt und geschoben und mehr geflucht. Die Nachbarn kennen jetzt ein paar neue Ausdrücke! Mit ein wenig Hebelwirkung kamen die Teile schlussendlich wirklich los, und der Rest ging genau so einfach wie bei den Frontscheinwerfern – Fassung aufdrehen, Leuchtmittel rauspulen, neues Leuchtmittel reinfriemeln und den ganzen Käse in rückwärts.
Bei der Gelegenheit habe ich auch direkt die eine Kennzeichenleuchte neu bestückt, die war nämlich auch ausgefallen. Nach zwölf Jahren schon, kannst du dir das vorstellen??? Das ging ganz einfach mit so Klemmfix-Laschen-Dingsies, dafür war das Leuchtmittel winzig.
Anschließend war mir das Drama ein wenig peinlich. Man gebe mir einen Schraubendreher und eine ausreichende Menge Kraftausdrücke, dann bin ich unaufhaltbar! Muss nur erst fertigjammern.