Blick über die Schulter, Tag 28 – ES IST VOLLBRACHT!!!

Über einer glatten, spiegelnden Wasserfläche bei Nacht explodiert Feuerwerk. Einige Boote liegen im Wasser. Der Himmel ist klar.
Foto von Ray Hennessy, gefunden auf Unsplash

Das Foto ist mehr als passend. Zwei Tage später, als ich gehofft hatte, ist „Rhein in Flammen“ fertig, und es zählt in genau diesem Moment 20.613 Wörter – eins schöner als das andere. ^^ Ich habe noch einige Details eingefügt, die die Geschichte hoffentlich lebendiger wirken lassen, ein paar Tippfehler ausgemerzt und hoffentlich meine Ahnen nicht mit dem Buchsatz beleidigt. Hach, man kann halt nicht alles können.

Den Erfolg werde ich heute Abend mit Eis und einem Bier feiern. Dann gibt es einen halben Tag Pause, und dann mache ich mit der nächsten Geschichte weiter. Sie trägt den Titel „Erdbeerblut“.

Bin ich mit der Geschichte zufrieden? Sicher. Hätte ich mit etwas Zeit und Unterstützung mehr rausholen können? Definitiv. Aber ich bin der Meinung, „ziemlich genial und abgeschlossen“ ist besser als „Meisterwerk, das aufgrund winzigster Restfehler nie veröffentlicht wird“. Oder, wie Neil Gaiman irgendwann mal sagte: „You will learn more from a glorious failure than you ever will from something that you never finished.“ (Deutsch: „Von einem grandiosen Misserfolg lernst du mehr als von etwas, das du nie beendest.„)

In dem Sinne lehne ich mich mal weit aus dem Fenster und wünsche euch ein abenteuerliches Lesevergnügen mit Niklas und Jenna bei „Rhein in Flammen“. Es kann sich nur noch um Tage handeln, bis das Buch im Handel erscheint. Bis zum nächsten Buch! ^^

Blick über die Schulter, Tag 26

(Wollt ihr wissen, woran ich arbeite? Zwölf Kurzromane in zwölf Monaten, und im dritten Monat lasse ich euch über die Schulter gucken. Die Details findet ihr hier. Und wenn ihr den Anfang der Beitragsreihe verpasst habt, geht einfach hierhin und klickt euch dann durch.)

Es gibt nicht viel zu berichten, ich komme voran. Manchmal sehe ich meine eigenen Notizen auf dem Manuskript und denke mir: „Sehr hilfreich, Vergangenheits-Diandra, warum hast du nicht gleich Hieroglyphen benutzt?“ Aber mit ein wenig Denkschmalz kann ich dann doch nachvollziehen, was ich ursprünglich mal gedacht haben muss. Meistens. Und falls nicht – niemand wird es je erfahren!

Ich überlege, ob ich der Schaustellertochter Jenna das Flatterhafte lasse, das sie an den Tag legt. Es ist ein wenig lästig, aber es macht sie auch sehr, sehr liebenswert. Ein wenig wie in Kirschwasser getränktes Quecksilber. Wankelmütige Teenager eben. Ach, doch, das bleibt. Glaube ich. Vielleicht mache ich sie minimal ausgeglichener.

Die Hälfte der Kapitel ist überarbeitet. Zwischenstand: 17551 Wörter.

Parallel sammle ich übrigens schon Ideen und Details für Band 4, schließlich hört die Arbeit hier im Haus nie auf. ^^

Blick über die Schulter, Tag 25

(Falls ihr euch fragt, worum es geht, könnt ihr den ersten Beitrag hier finden und euch von da aus durchklicken.)

Heute gibt es das Cover für euch! Ich finde, Giusy hat sich mal wieder selbst übertroffen. Was meint ihr?

Coverbild "Rhein in Flammen" von Diandra Linnemann.
Tadaaaa!!!

Die Überarbeitung hat – völlig leichtfertig – geruht, weil ich mir an diesem Wochenende in erster Linie Fachbeiträge zum Thema Buchmarketing angeschaut habe. Dabei brauche ich doch erst ein Buch, das mich „marketen“ kann! Aber ich fühle mich der Aufgabe durchaus noch gewachsen. Ich habe mein durchmarkiertes und beschmiertes Manuskript und darüber hinaus noch eine Liste mit Dingen, auf die ich in dieser Geschichte generell achten sollte. Ich rede mir ein, dass damit der schwierige Teil bereits erledigt sei. ^^

(Alles über die bereits erschienen „Gruftgeflüster“-Bände erfahrt ihr übrigens hier.)

Blick über die Schulter, Tag 22

Großaufnahme eines Manuskriptausdrucks, handschriftlich ist eingefügt: "Mehr Drama!"
Detaillierte Notizen sind sehr wichtig.

Was, meintet ihr etwa, ich hätte euch vergessen? Mitnichten! Oder mitneffen, falls euch das lieber ist. (Man reiche mir den Kaffee, vielleicht wird es dann besser.)

Es ist nur so, dass in den letzten Tagen nicht viel Aufregendes passiert ist. Das Wochenende habe ich mir freigenommen – also „frei“, ich habe ungefähr eine halbe Million anderer dringender Aufgaben erledigt – und danach habe ich den ersten Entwurf ausgedruckt und auf Papier gelesen, mit einem Stift in der Hand. Dafür habe ich meine „Grummelige alte Frau hat keine Zeit für diesen Scheiß“-Attitüde aufgesetzt, denn die ist für Überarbeitungen grandios! Das Ergebnis sind unzählige mehr oder weniger detaillierte Anmerkungen, die ich bis Anfang nächster Woche eingearbeitet haben möchte. Einige Dinge lassen sich einfach ändern, andere erfordern mehr Zerren. Und vor allem ist jetzt wichtig, dass ich mir Zeit lasse, denn davon habe ich nicht mehr viel. Das bedeutet, beim Überarbeiten muss jeder Handgriff sitzen.

Ein Ding, um das ich mir glücklicherweise wenig Sorgen machen muss, sind Rechtschreib- und Tippfehler. Klar gibt es ab und zu so Teufelchen wie den da im Bild, aber übers Manuskript verteilt habe ich bis jetzt vielleicht sechs gefunden. Ein paar kommen beim Überarbeiten garantiert noch hinzu, aber jetzt lohnt es sich wirklich, dass ich durch Bürojob und Schreiben sehr ordentlich tippen geübt habe. (Allen Regeln der Kunst folgend müsste jetzt ein Tippfehler kommen. Wartet, ich mache schnell welche. Flergleblah. Kurztüte.) Je besser der erste Entwurf ist, auch vom schnöden Handwerklichen her, desto mehr kann man sich beim Überarbeiten auf die Geschichte konzentrieren. Wird das Endergebnis fehlerfrei? Wahrscheinlich nicht. Aber fehlerarm höchstwahrhoffentlich, und das ohne Fremdkorrektorat.

Und ich habe noch eine gute Nachricht: Meine Coverfee konnte ihre Technik retten, und ich habe das dritte Cover bereits in der Tasche. Die Tage zeige ich es euch, ich bin schon wieder sehr verliebt. Dann gibt es auch den endgültigen Klappentext – wobei, ich glaube nicht, dass sich da etwas geändert hat. Werde noch ein letztes Mal drüberschauen, nur zur Sicherheit.

Stand: Müde, aber optimistisch.

Blick über die Schulter, Tag 15

Sie nimmt Anlauf, sie senkt den Kopf, die Arme pumpen, die Beine rotieren, und da reißt sie sie – die Prokrastiationshürde!!!

Das war die vorlaute Stimme aus dem Off, die alles weiß und alles weitertratscht. Bis Sonntag Abend habe ich noch Zeit, um den ersten Entwurf fertigzukriegen, wenn ich im Plan bleiben will. Vor mir liegen knapp vier Kapitel, quasi Showdown und Nachbeben. Ich hatte eine Erkenntnis darüber, was ich in den ersten drei Vierteln hinzufügen muss – das ist üblich, ich mache mir keine großen Sorgen (zumal es nur Kleinigkeiten sind, um die Geschichte abzurunden und ihr ein Thema zu geben) – und heute habe ich mal wirklich keinen Schwung. Nach der Arbeit musste ich erst fix einkaufen und habe bei der Gelegenheit direkt meinen wöchentlichen C-Test gemacht, schließlich sitzen wir zu dritt in einem Büro. Eigentlich bin ich ein Frühschreiber, späte Sessions fallen mir schwerer. Aber anders passt es nun einmal nicht in den Tagesablauf. Na ja, um nicht untätig zu prokrastinieren, habe ich bereits das Abendessen vorbereitet und die Wäsche erledigt. Die Kater sind aufgeschmust und unter Protest an einen ruhigeren Fleck verzogen. Mir bleibt nicht mehr viel zu tun, als euch auf dem Laufenden zu halten … und, nun ja, tatsächlich zu schreiben. ^^

(Ich könnte noch das eine beschädigte Buch zurückschicken, das liegt im Flur parat … aber nein, das hat Zeit bis nächste Woche. Das hier hingegen … tsjakka! *Peitschenknallen*)

Schön ist so ein erster Entwurf ja noch nicht. Ich rechne mit 16.000-17.000 Wörtern. Ja, bei mir werden Geschichten beim Überarbeiten meistens länger, weil ich Atmosphäre und Details hinzufüge. Der erste Entwurf ist eigentlich das Mittelding zwischen dem Plotgerüst und der fertigen Geschichte. Sowas wie das „Crumb Coating“ beim Torten-Backen … eine Lage Creme, um das Innenleben zu verkleiden, auf die die „hübsche“ Lage aufgetragen wird. Und wenn das Crumb Coating nicht fertig ist, kann man auch nicht mit dem Dekorieren anfangen. SEUFZ.

Letzter Satz: „Es schüttelte ihn.“

Endstand: 13.382 Wörter

Blick über die Schulter, Tag 14

Auch der heutige Tag ist vollgepackt mit Terminen. Mal im Vertrauen, eigentlich hatte ich mir so eine Pandemie etwas … geruhsamer vorgestellt. Aber gleich finden Arsch an Arsch zwei digitale Treffen statt, die ich nur ungern verpassen möchte. Also gibt es vorgekochtes Essen, die Katzen werden vom Mann versorgt und die Schreibzeit ist begrenzt.

In solchen Momenten bin ich sehr dankbar für meinen Plot. Ich weiß immer grob, was als nächstes kommt, und bei der angepeilten Länge der Geschichte ist alles auch noch einigermaßen übersichtlich. Heute konnte ich eine elementare Szene abschließen und werde mich gleich noch kurz auf den Übergang zum Finale stürzen, ehe ich sozial sein kann.

Die letzte Szene war recht dialoglastig, das fällt mir normalerweise schwer. Aber Niklas, mein Protagonist, ist ein kluger Junge und lässt sich nicht so leicht aus der Fassung bringen. Dialoge zeigen oft sehr gut, wie jemand tatsächlich ist – Wortwahl, Kommuikationsstrategie, Konfliktbewältigungsverhalten sind wichtige Indikatoren für die Persönlichkeit. Wenn ich eine in sich funktionierende Figur geschaffen habe, ergeben Dialoge sich oft von selbst. Ist meistens leider nicht der Fall, aber heute schon. Beim Überarbeiten kann ich testen, ob die Dialoge und das Innenleben von Niklas auch zueinander passen. Sonst muss ich eines von beidem anpassen. In diesem Fall, denke ich, werden meistens die Dialoge gewinnen.

Letzter Satz: „Niklas schnappte sich die Giraffe und rannte los.“

Endstand: 12.470

Blick über die Schulter, Tag 13

Sie schwächelt! Habt ihr’s nicht geahnt? Welche andere Erklärung gäbe es für die unverzeihliche Lücke?

Ganz einfach – ich habe euch vergessen. Gestern war nämlich die große Sperrmüllaktion Numero Uno des Jahres (mindestens eine kommt noch, wenn wir die nächsten Umbauten in Angriff nehmen), und nach drei Stunden war ich einfach zu matschig, um euch noch an meinen Babyschritten auf dem Weg zum Erfolg teilhaben zu lassen.

Dafür habe ich heute ein kurzes Update für euch. Wirklich, ganz kurz. Schmucklos.

Endsatz des Tages: „Die wild durcheinanderwirbelnden Lichter und die Geräuschkulisse, die sich anhörte, als ob ein paar betrunkene Kobolde in einer Besteckschublade miteinander kopulierten, verstärkten seine Orientierungslosigkeit.“

Stand: 11.012 Wörter

Blick über die Schulter, Tag 11

Auf einem grauen Sofa, halb unter einer hellblauen Decke, liegt ein weißer Kater mit schwarzen Marken und räkelt sich genüsslich.
Kurt ist ein sehr motivierender Schreibkater.

Sonntage sind für Tonaufnahmen, aber dieser Sonntag ist auch fürs Schreiben. Um ein wenig Wochenend-Gefühl zu ermogeln, habe ich mich mit Kaffee und zwei Katern ins Wohnzimmer verzogen, und auf dem Fernseher laufen Marvel-Filme. Manchmal hilft es, mein „Nörgelhirn“ mit bunter Unterhaltung abzulenken. Ich muss nur darauf achten, dass die Unterhaltung nicht in der gleichen Sprache abläuft wie das Schreiben, sonst gibt es merkwürdige Überschneidungen. Die Kater interessieren sich weniger für die Unterhaltung – oder meinen Rechner – sondern mehr für Streicheleinheiten und Futterrationen. So haben alle etwas, worauf sie sich freuen können.

Über Nacht hat mein Gehirn einige Kleinigkeiten im letzten Kapitel, das ich gestern Abend geschrieben habe, aussortiert, und ich habe die ersten zwei Stunden des Schreibtages mit Korrekturen verbracht. Je besser der erste Entwurf ist, desto einfacher gehen später die „echten“ Überarbeitungen vonstatten.

Mein größtes Problem gerade ist, dass die Geschichte sich noch nicht gruselig genug liest – sie ist eher abenteuerlich als gruselig, und für ein „Gruftgeflüster“ reicht das natürlich nicht. Im Moment ist es nur ein „Geflüster“. Das, so hoffe ich, lässt sich mit ein paar einfachen sprachlichen Kniffen beheben. Es ist überraschend, wie leicht sich die Stimmung eines Textes ändern lässt, wenn man nur auf Wortebene arbeitet.

Aber das ist ein Problem für einen anderen Tag. Es wird Zeit, dass ich mich der Hörbuchaufnahme widme.

Endstand: 9.191 Wörter

Blick über die Schulter, Tag 10

Großaufnahme einer Keksdose aus Metall, ausgelegt mit einem Stück Küchenrolle. Darauf ein Berg Haferflockenkekse.
Jemand Lust auf Kekse? ^^

Ich würde niemals sinnlos prokrastinieren! Irgendwer muss schließlich Kekse backen, nicht wahr?

Gerade ist Halbzeit, und ich bin mit meinem Fortschritt einigermaßen zufrieden. Wenn ich einen entspannten Tag daheim habe, lasse ich den Rechner oft aufgebaut und setze mich immer mal wieder hin, um zu schreiben, bis mir nichts mehr einfällt, und dann mache ich etwas anderes.

Der Tierarztbesuch heute morgen war wenig aufregend, dem Kater geht es gut, der Haushalt kann noch einen Moment warten. Nur dieses Backbedürfnis musste dringend befriedigt werden. Später ist noch mindestens eine größere Schreibsession dran, aber jetzt muss ich erst neue Wörter für mein Hirn sammeln.

Zwischenstand: 6.488 Wörter

Über den Tag verteilt geht es in kleinen Stücken weiter. Ich schreibe „auf Sicht“ – bei jeder Szene schreibe ich alles, was ich weiß, und lese mir den kommenden Plotpunkt noch einmal durch, ehe ich den Schreibtisch wieder verlasse. Wahrscheinlich ist noch mindestens eine weitere Session drin, ehe ich am Ende des Tages wieder als vernünftige Erwachsene fungieren muss.

Die Kekse sind übrigens ziemlich lecker geworden. Wahrscheinlich schleppe ich gleich zur Abwechslung einige Regalteile für den Sperrmüll nächste Woche ins Erdgeschoss hinunter.

Zwischenstand: 7.692 Wörter

Zeit für Feierabend. Vorhin habe ich leichtfertigerweise an einer Stelle pausiert, an der ich nicht genau wusste, wie ein bestimmtes Problem zu lösen sei, das hat viel Zeit gefressen beim Wieder-Einsteigen. Im Grunde genommen habe ich eine halbe Stunde lang den gleichen Absatz immer wieder getippt, gelöscht und minimal umstrukturiert. Aber jetzt fluppt die Szene, ich bin müde und morgen ist auch noch ein Tag.

Endstand: 8.223 Wörter

Blick über die Schulter, Tag 9

Unzählige abgegriffene Bücher, dicht an dicht und von unten nach oben gestapelt, mit Schnur zusammengehalten.
Foto von Carles Rabada, gefunden auf Unsplash

Soviel Arbeit und so wenig Ergebnis … seid ihr auch beeindruckt, wie langsam ich vorankrieche? Aber ich tauche auf und ich tue, was ich kann. Heute war wieder so ein fragmentierter Tag voller kleiner und Kleinstaufgaben, voller Zeitfresser und „Uppsis“, die meine Schreibzeit gefressen haben.

Ich habe keine gute Ausrede. Das Leben passiert. Kaffee hilft. Und Entschlossenheit. Und Geduld. Und die Hoffnung, am Wochenende ein wenig Boden gutmachen zu können. Außer einem Tierarztbesuch steht nicht viel an, ich sollte also ein paar Absätze geschrieben kriegen.

Dieses langsame Vorankommen hat natürlich den Vorteil, dass ich fast unmerklich bis zum Hals in der Welt versinke, in der gerade furchtbare Dinge passieren. Die Charaktere drehen ungeduldige Runden in meinem Kopf, die Atmosphäre verdichtet sich. Ich werte das mal völlig optimistisch als gute Zeichen dafür, dass es – wenn denn endlich einmal Zeit ist! – fix vorangehen wird.

Heute habe ich einen letzten Satz des Tages für euch: „Auf Riesenrad hatte er genauso wenig Lust wie auf kandiertes Obst.“

Ende: 5.340 Wörter

Darauf ein Helles.

Und lacht mal: Nächstes Wochenende muss der erste Entwurf definitiv stehen – besser vorher.