Die Jagd nach dem Titel

Buchtitel sind ein Ding für sich – sie sollen direkt klar machen, welches Genre man in der Hand hält und worum es ungefähr geht, gleichzeitig aber so einzigartig sein, dass man das Buch nicht mit dreizehn anderen mit ähnlichen Titeln aus dem gleichen Genre verwechselt, wenn man darüber redet.

Ich tu mich schwer mit Buchtiteln. Das mag man gar nicht glauben (oder eben doch, ich weiß), aber … sagen wir so: Es gibt da ein Manuskript, dessen Arbeitstitel mit dem endgültigen Buch aus Gründen, die außerhalb meiner Entscheidungsmöglichkeiten liegen, gar nichts mehr zu tun hat. Wenn ich das also veröffentliche, muss ein komplett neuer Titel her. Und obwohl vorher noch ein komplettes Buch in der Warteschleife hängt, mache ich mir da jetzt schon Gedanken drüber.

Bei „Andrea die Lüsterne und die lustigen Tentakel des Todes“ hatte ich das große Glück, dass der Chaospony Verlag den Arbeitstitel einfach so übernommen hat. Der hat aber auch gepasst.

Die Schattenfall-Titel stehen schon alle fest und ergeben sich aus der Reihenfolge und den ungefähren Plots. Außerdem sind sie ja formularisch aufgebaut, das schränkt mich glücklicherweise ein wenig ein. Dass ich schon grob weiß, wie ich die Cover haben will, ist auch etwas Neues.

Ein anderes Projekt hat den Arbeitstitel „Dämonenscheidung“. Den KANN ich so nicht nehmen, weil er der Geschichte nicht gerecht wird. Was am Ende da stehen soll? Keine Ahnung!

Langer Rede kurzer Sinn: Ich habe keine Ahnung von Buchtiteln. ^^

Und jetzt zu dir – welchen Buchtitel fandest du, gemessen an der Geschichte, besonders gelungen (oder besonders irreführend)?

Deutschland sucht den Superbuchtitel

Vielleicht auch „Deutschland sucht den Superblogpost“ – aber was soll’s, jetzt seid ihr hier.

Schon seit einiger Zeit gibt es im Romantik-Genre diesen Trend, Essbares und Romantisches miteinander zu mischen: „Pralinenküsse“, „Lebkuchenumarmungen“, „Leichtes Buttercremepetting“. Und so sehr ich diese Art von Assoziationstricks mag (kommt schon, ich habe das schon bei „Allerseelenkinder“ gemacht und die ganze Reihe über gut durchgehalten), finde ich es inzwischen ausgelutscht. Die Titel – meistens mit hellen oder rosalastigen Covern mit etwas Essbarem drauf – werden austauschbar.

Gut, vielleicht bin ich ein wenig voreingenommen. Aber bei Thrillern ist es doch ganz ähnlich. Meterweise weiße Cover mit schwarzen und blutroten Elementen (das ist übrigens gar kein echtes Blutrot!), darauf unheilschwangere Substantive: „Der Kindersammler“. „Zehennagelroulette“. „Die Mopsflechterin“.

Und dann sind da noch diese langen satzartigen Titel: „Als der Onkel Paul letzten Dienstag Lightzigaretten kaufen ging“ oder „Von dem Tag, an dem letztendlich fast gar nichts passierte“ oder „Wie kann ich Ihnen erklären, wie langweilig dieser Buchtitel ist?“

Es ist immer das Gleiche. Ein Titel ist ein Erfolg. Womöglich ein Überraschungserfolg … wobei diese Überraschungen meistens von langer Hand vorbereitet sind. Tut sich gar eine neue Nische auf? Die Leser sind begeistert, sie hätten gerne „mehr“. Was sie wahrscheinlich meinen: Mehr Aufregendes, Neues, Originelles, das sie weiter begeistert. Was sie wahrscheinlich kriegen: Weitere ganz ähnliche Titel, die schnell auf den Markt geworfen kommen, um diesen Trend fix totzureiten.

Das gilt nicht nur für Titel. Das erste Cover mit Aquarell-Effekten und Scherenschnittmotiv fand ich grandios, eben weil es etwas ganz Neues war. Inzwischen kann ich es nicht mehr sehen, denn diese Art Cover (und folglich auch Bücher) ist für mich beliebig und austauschbar geworden. Und ich überlege – gab es so etwas Ähnliches vor einigen Jahren nicht auch schon mit Pseudo-Graffiti?

Menschen sind von Natur aus Nachahmungstäter, und das ist auch gar nicht schlimm. Außerdem sollen Leute schnell erkennen, worum es geht. Wie bei der halb abgewandten Frau vor der Landschaft auf den Historienromanen. Aber ich finde, wir könnten uns schon ein wenig mehr Spaß und Spiel beim Kopieren erlauben. Etwa so:

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Augapfelragout

Oder doch lieber so?

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Augapfelragout

Einmal Liebesroman, einmal Thriller. Oder etwa nicht?