Haushalts-Überraschungen der guten und der weniger guten Art

Foto eines Edelstahl-Ausgusses, rund, mit feinem Sieb.
Foto von Daniel Dan, gefunden auf Unsplash.

„Echt? Du hast den Geschirrspüler eingeräumt und angestellt?? WAS STIMMT MIT DIR NICHT???“

Mit dieser morgendlichen Begrüßung hat der Mann garantiert nicht gerechnet. Aber treten wir einen Schritt zurück.

Eigentlich müsste jeder Tag 28 Stunden haben. Deswegen entstopfe ich den Abfluss in der Küche, der „sich zusetzen“ als Hobby hat (16 Jahre alte Plastikrohre halten offenbar auch nicht ewig, diese Enttäuschung!), seit Wochen … was sage ich, seit Monaten! … immer so halbherzig mit dem Pömpel. Dann läuft das Wasser ab. Dann läuft es langsamer ab, und dann steht es wieder, bis ich mit dem Pömpel ankomme.

Weder die üblichen Hausmittel noch der von Stiftung Warentest hochgelobte gelförmige Rohrreiniger eines bekannten Discounters haben geholfen. Und das Pömpeln macht auch nicht so richtig Spaß. Aber meine Tage sind voll, die Energie ist begrenzt und meist läuft es ja. Irgendwie. Wenigstens ein bisschen.

Hat der Tag nicht genügend Stunden, hilft nur eins: Früher aufstehen. Fiele mir eigentlich im Traum nicht ein, nur konnte ich heute morgen sowieso nicht mehr schlafen. Schon vor sechs saß ich senkrecht im Bett. (Gut, das ist gelogen, aber ich hatte sehr wach einen flauschigen Katerhintern im Gesicht.) Und ich dachte mir: „Zweieinhalb Stunden, ehe du aus dem Haus musst – die perfekte Gelegenheit, den Abfluss auseinanderzureißen und festzustellen, was mit dem nicht stimmt.“

Hüpfe aus dem Bett, ziehe ranzige Schlonzklamotten an, binde mir die Haare zurück, betrete die Küche – und der Geschirrspüler läuft.

Der läuft um die Zeit sonst nie.

Ich stell den Abends einmal an und räume ihn morgens aus. Wenn wir viele große Teile haben, stell ich den am Morgen ein zweites Mal an und räum ihn nach der Arbeit wieder aus. Ich habe ein System. Und meist genügend sauberes Geschirr. Es ist ein gutes System.

Wo wir davon reden – das saubere Geschirr vom Abend davor stapelte sich auf der Anrichte, wo es nicht hingehört. Wir wohnen hier erst seit 13 Jahren. Ich kann nicht erwarten, dass der Mann jetzt schon weiß, wo was in der Küche steht.

Derjenige welche saß übrigens auf dem Sofa. Und guckte angemessen verwirrt, als ich ihm zur liebevollen morgendlichen Begrüßung die eingangs zitierten Sätze vorhielt. „Da stand noch soviel Geschirr – ich dachte, du freust dich!“

Er kann ja nichts dafür. Niemand, wirklich NIEMAND konnte damit rechnen, dass ich morgens dem Haushalt direkt Gewalt antun will. So blieb mir nichts anderes übrig, als mir einen Tee zu machen und ein wenig zu lesen. So schade.

Der Abfluss in der Küche muss von dem ganzen Drama übrigens irgendwie mitbekommen haben. Der lief heute morgen so gut wie schon lange nicht mehr.

Beef Jerky – Rebranding

CN unglaublich schlechte Witze, tote Kuh

(Un-)Glücklicherweise haben der Mann und ich den gleichen unterirdischen Humor. Deswegen schlafe ich auch so schlecht. Wenn ich Abends nämlich ins Bett gehe, quatschen wir oft noch ein wenig – und dabei kommt der manchmal auf Dinge, das geht auf keine Kuhhaut. (Pun delayed, but intended.)

Gestern Abend beispielsweise hat er einen Witz darüber gemacht, dass Beef Jerky entsteht, wenn eine Kuh vom Blitz getroffen wird. (Ich bitte hiermit alle Kühe um Entschuldigung. Und alle Blitze. Und alle, die diesen Unsinn lesen, ebenfalls.)

Ich, halb träumend: „Nee, das ist kein Beef Jerky, das ist Beef Twitchy. Und das bewegt sich dann auch noch in den Packungen und zuckt beim Essen.“

Er: „Aber mit dem Namen kannst du das nicht verkaufen.“

Ich: „Okay.“

Er: „Wir nennen es BLITZKUH!“

Und dann musste ich lachen und war wieder wach. ICH KANN SO NICHT SCHLAFEN!!!

(Jede Person kriegt die Partnerperson, die sie verdient. Aber Blitzkuh gibt es nirgends zu kaufen. Unbezahlbar.)

PS: Er macht das wirklich jeden Abend. Also, nicht das mit den schlechten Witzen. Aber falls er daheim ist, wenn ich schlafen gehe – wir haben extrem unterschiedliche Tagesrhythmen – unterbricht er, was immer er gerade macht, und bringt mich ins Bett. Es ist irgendwie süß. Wir wohnen seit 15 Jahren zusammen. Wahrscheinlich verdienen wir einander.

PPS: Wenn er aufstehen muss, wecke ich ihn natürlich entweder liebevoll mit einem aufmunternden Monolog, während er langsam zu Sinnen kommt, oder ich lasse, wenn es schnell gehen muss, die Katzen auf ihn los. Voll verdient.

’ships passing in the night …

(Geduldet euch, ich bin krank und rede wirres Zeug.)

Seit ich mich von FB, Twitter, Insta, Threads etc. fernhalte, brauche ich ja neue Prokrastinationshilfen. Eine davon ist Tumblr. Ja, gibt es noch. Macht auch Spaß. Aber mir ist da (unter anderem in FanFiction-Bereich) etwas Merkwürdiges aufgefallen.

Ehe jemand motzt: Kein Shaming welcher Art auch immer! Tut mit euren FanFictions, was auch immer ihr wollt!

Jedenfalls hab ich das auch schon vorher erlebt, etwa rund um den „Captain Marvel“-Film seinerzeit.

Wovon redet die Frau?

Also. Äh. Genau.

Wenn zwei Figuren in einer Serie/Film/… eine enge freundschaftliche Beziehung haben, gehen viele Personen offenbar direkt davon aus, dass da eigentlich eine romantische Beziehung stattfindet. Und ich gucke mir das seit einer Weile an und frage mich: Was für Freundschaften habt ihr, dass Nähe von eurem Gehirn automatisch mit „Romantik“ übersetzt wird?

Egal of Dr. House und Wilson oder eben bei Captain Marvel … – direkt referenziert habe ich das vor ein paar Tagen erst in der Serie „Psych“ gesehen (zwei seit langem befreundete junge Männer führen gemeinsam eine angeblich übersinnlich agierende Detektei – kein großes Kino, aber auch nicht ganz schlimm). Dort wird sogar in der Serie immer wieder von weiteren Figuren darauf angespielt, die beiden wären doch bestimmt ein Paar und es sei doch gar nicht schlimm, sie müssten nur zueinander stehen und bla.

(Der Beziehungsstatus von Dritten geht mich gar nichts an, das einmal ganz am Rande, aber darum geht es gerade nicht.)

Leute, die jede Vertrautheit direkt in einem romantischen Kontext lesen: Haben die keine guten Freunde? Niemanden, den man im eigenen Bett übernachten lassen würde? Niemanden, für den man in der Nacht durch den Sturm fahren würde, wenn die andere Person an einer Haltestelle gestrandet ist und kein Zug mehr fährt? Niemanden, mit dem man eine Vergangenheit hat UND eine Zukunft plant? Niemanden, dessen Schrullen einen auf die Palme bringen, ohne den man jedoch nicht leben wollte?

So merkwürdig kann das doch nicht sein.

Ich meine, wen rufen die mitten in der Nacht an, wenn es eine Katastrophe gibt?

Also ja, im Ernst. Ich mache mir Sorgen um die Freundschaftskultur mancher Leute. Oder wenigstens darum, wie Freundschaften dargestellt und rezipiert werden. Sucht euch gefälligste Gleichgesinnte, denen ihr vertrauen könnt, und lasst mehr Nähe zu!

(Das alles von einer Frau, die mit Hingabe tage- und wochenlang mit niemandem redet, Sprachnachrichten als unhöflich empfindet und sich schon auf den Moment freut, wenn sie endlich in ihr Häuschen im Sumpf ziehen kann.)

Wunder der Technik

Gestern war so ein Tag.

Du weißt schon, was ich meine. So einer.

Also.

Ich hatte Pläne. Koch- und Backpläne. Und die fingen nach einem gemütlichen Frühstück auch ganz normal an. Zuerst war der Geburtstagskuchen für den Mann dran. Der hatte sich einen Dubai Chocolate Cheesecake gewünscht, und ich liefere ja gern. Also Geschirrspüler angeschmissen, Boden gemacht, Creme gemacht, Ganache gemacht, alles zusammengebastelt und (gut abgedeckt!) auf den Balkon zum Durchziehen geparkt.

Als nächstes war ein Kürbiscurry dran. Das schleppe ich morgen mit ins Büro als Mittagessen für die Kollegin und mich, wenn wir schon an Heiligabend arbeiten müssen. Curry braucht nicht so viel Geschirr, aber mit den Schüsseln vom Kuchen, den Messern und Tellern und dem Kochtopf war die Küche schon ziemlich voll. Glücklicherweise war der Geschirrspüler schon durch.

Nur irgendwie blöd – der hatte nicht abgepumpt. Also erst einmal den Schlauch gelöst und die Maschine in den Eimer abpumpen lassen. Sieb saubergemacht, alles ausgeräumt, Kurzspülgang mit klarem Wasser gestartet. Manchmal behebt so etwas das Problem ja schon.

Meine größte Angst in solchen Momenten? Dass ich Döspaddel das Wasser anschließend mit Schwung in die Spüle schütte. Konnte mich glücklicherweise gerade noch zurückhalten.

Ärgerlicherweise wollte der Geschirrspüler nach dem Kurzspülgang immer noch nicht abpumpen, und eine kurze Überprüfung ergab: Abflussrohr verstopft. Inzwischen hatte das treue Ding auch eine nicht unerhebliche Menge Wasser in die Küche gepumpt, weniger schön. Der Mann, gerade erst aufgestanden, wurde als Fehlerbehebungsassistent rekrutiert.

Parallel habe ich mit Pömpel und heißem Wasser die Verstopfung attackiert. Eine gut ausgerüstete Hausfrau ist nicht aufzuhalten. Unter der schieren Macht meiner Sturheit gab, was auch immer in dem Rohr wohnte, schließlich auf. Zur Sicherheit hab ich erst einmal kochendes Wasser nachgeschüttet – zweimal, dreimal. Und dann, als ich gerade mit Essig nachlegte, wurde es plötzlich duster.

Erster Gedanke: „Da ist wohl Essig an den Strom gekommen.“ Ist natürlich Blödsinn, aber erzähl das mal meinem Gehirn.

An der Sicherung für die Küche hängen übrigens noch Balkon, Wohnzimmer, das Zimmer vom Mann, der halbe Flur, mein Büro und eine Steckdose im Schlafzimmer. (Wofür die anderen zehn Sicherungen da sind, kann ich nicht genau sagen. Die teilen sich Herd, Bad, Klo und das restliche Schlafzimmer.) Also viele mögliche Fehlerquellen.

Mann: „Das kommt daher, dass du gleichzeitig den Wasserkocher und den Geschirrspüler hast laufen lassen.“

Die laufen zwar oft parallel, aber … möglich? Sicherheitshalber alles mögliche in der Küche ausgesteckt, dabei auch den Geschirrspüler verrückt und festgestellt, wie unglaublich eklig das da drunter ist. Im Ernst, mach das nicht. aufgewischt. Steckdose überprüft – alles trocken.

Der Mann war der Meinung, man müsse die Sicherung nur mal abkühlen lassen, dann gehe das schon wieder. Aber nach dem Aufwischen war die immer noch nicht kooperativ. Also nacheinander alle Stecker in allen betroffenen Zimmern rausgezogen. Und der Mann am Möpern, denn das liege todsicher an meiner Wasserkocher-Geschirrspüler-Orgie, also alles sinnlos.

Willst du wissen, wo das Problem schließlich gefunden ward?

Im Zimmer des Mannes. Dort gibt es nämlich nur drei Steckdosen, und eine der vier Mehrfachsteckdosen, die an die hinterste Steckdose in Reihe gehängt sind, um insgesamt etwa 20 Geräte mit Strom zu versorgen (ich wünschte, ich dächte mir das aus!), muss wohl an Altersschwäche gestorben sein.

Oder, wie der Mann als nächstes erklärt hat: Die wurde durch das gleichzeitige Betreiben von Wasserkocher und Geschirrspüler in der Küche irreparabel beschädigt.

Gut, ich hab jetzt kein Physik studiert, also … möglich? Keine Ahnung. Der Fehler war gefunden, alles konnte wieder eingestöpselt und in Betrieb genommen und reprogrammiert werden. Mit zwei Stunden Verspätung zog der Mann sich also ins Wohnzimmer zurück, um in Ruhe wach zu werden, während ich in der Küche meinen Rachefeldzug gegen ein bestimmtes Keksrezept fortsetzen konnte. Davon erzähle ich demnächst mehr.

„Save the Cat“ kennt ihr ja schon, jetzt kommt …

… GERETTET VON DER KATZE!

Nahaufnahme: Eine getigerte Katze liegt entspannt auf einer grauen Sofa-Armlehne. Im Hintergrund Lichter, Bücher und Chaos.
Floppy cat is happy cat!

Der Mann so.

Ich kann nämlich nicht streiten, wenn ich lachen muss.

Genau das ist aber vor ein paar Tagen passiert. Wir haben auf dem Sofa enthusiastisch ein Thema diskutiert, wie das manchmal auch unter den harmonischsten (und unter den gleichgültigsten) Paaren passiert.

Und immer, wenn eine kurze Gesprächspause eintrat, hat Mara sich zu Wort gemeldet.

„Miau.“

„Mroar!“

„Mjepp?“

„Miaumiau.“

Echt, Kinder, so kann ich nicht arbeiten streiten.

Im Ernst. Ich weiß nicht einmal mehr, worum es ging. War wohl nicht so wichtig. Und Miss Mara Miezifu Minimau, kleine Killerkatze und flauschige Friedensstifterin, hat die Brisanz der Irrelevanz schnurrhaarscharf erkannt.

(Wer es nicht kennt: „Save the cat“ ist ein beliebter Schreibratgeber. Ursprünglich für das Drehbuchschreiben entwickelt, gibt es heute viele Ableger für andere Schreibbereiche. Ich hab noch nicht damit gearbeitet, aber ich kenne reichlich Schreibende, die darauf schwören.)

Ein normaler Montagabend

Großaufnahme eines menschlichen Auges. Ein regenbogenfarbener Streifen fällt über das Gesicht und färbt Haut, Iris und Pupille bunt.
Foto von Harry Quan auf Unsplash

Montag nach der Arbeit geht es zum Sport, und oft fahre ich die Kollegin, die mich zum Sport motiviert, anschließend nach Hause. Gestern fiel mir auf dem Weg ein Plakat auf, mit dem für Süßigkeiten geworben wurde. Du kennst sie vielleicht: Die Trolli Glotzer, so süße Gummiaugen. Und der Slogan lautete: „Garantiert weniger Kalorien als ein echtes Auge!“

Boy oh boy, das interessiert mich jetzt aber.

Zunächst einmal: Von was für einem Auge reden wir hier? Da die Glotzer eine bunte Iris haben, kann es sich eigentlich nur um den Vergleich mit einem Menschenauge handeln. Überraschenderweise gibt es, wenn man im Netz sucht: Wie viele Kalorien hat ein menschliches Auge?“ allerdings keine eindeutige Antwort. Die Diätindustrie ist wohl noch nicht so weit, wie ich dachte.

(Stell dir vor, wie der Mann neben mir sitzt und immer nervöser wird. Wann steht wohl die Polizei vor der Tür? Kannibalismus ist schließlich irgendwie verboten und ein Tabu und so.)

Fangen wir also am anderen Ende an. Wie viele Kalorien sind in so einem Trolli Glotzer? Das ist einfacher herauszufinden: Ein Glotzer ist knapp 20 g schwer, 100 g haben 320 kcal. Folglich hat ein einziger Glotzer etwa 320/5 = 64 kcal.

Ein menschliches Auge wiegt, je nach Quelle, etwa 7,5 bis 10 g. Für die Rechnung gehen wir von 10 g aus, wir machen also große Augen. Und je nachdem, wen du fragst, enthält ein menschliches Auge zwischen 65 % und 99 % Wasser. 99 % kommt mir arg hoch vor. Um auf Nummer sicher zu gehen, rechne ich also mit 70 % Wasser. Das ist wahrscheinlich zu niedrig angesetzt, aber für unsere Rechnung soll es reichen. Wenn also ein 10 g Auge zu 70 % aus Wasser besteht, bleiben uns noch 3 g „trockener Materie“. Und sogar ,wenn diese trockene Materie nur Fett wäre, hätte das Auge maximal 3 x 9 = 27 kcal.

Ein Trolli Glotzer hat also mehr als doppelt so viele Kalorien wie ein menschliches Auge. Sogar wenn wir auf kcal/100 g umrechnen, schneidet das menschliche Auge mit geschätzten 270 kcal/100 g immer noch besser ab als der Glotzer (320 kcal, siehe oben). Außerdem enthält das menschliche Auge sehr viel weniger Zucker als ein Trolli Glotzer, ist also besser geeignet für Diabetiker oder Leute, die (aus welchen Gründen auch immer) einer Low-Carb-Ernährungsweise folgen.

(Der Mann neben mir wird immer kleiner. Er schwitzt.)

Falls du jetzt überlegst, was du verantwortungsvoll zu Halloween Gästen oder klingelnden Kindern anbieten kannst: Im Zweifel würde ich die Trolli Glotzer vorziehen. Allein schon, weil sie einzeln verpackt sind – das ist viel hygienischer. Und man kann sie in der Großpackung kaufen. Bei Halloween geht es schließlich um den Spaß, nicht um gesunde Ernährung. Wie du deinen Augenbedarf das restliche Jahr über deckst, musst du selbst entscheiden. Ich bin ja am ehesten für diese Variante.

(Es klingelt. Der Mann fällt in Ohnmacht. Es sind die Nachbarn, die ein Päckchen für mich angenommen haben. Ich packe das Buch – was auch sonst? – aus und lasse den Mann schlafen. Er ist heute irgendwie so nervös, die Ruhe tut ihm bestimmt gut.)

Don’t threaten me with a good time!

Auf einer gehäkelten Decke (viele bunte Kreise auf schwarzem Grund) liegt ein schwarzweißer Kater.

Eine Kollegin erzählte mir gestern, sie wolle ja schon seit vielen, vielen Jahren eine Katze haben. Eigentlich schon, seit sie ein Kind sei.

Ihr Mann kennt diesen Wunsch. Allerdings ist seine Meinung dazu – wenn sie eine Katze will, muss sie wohl ausziehen.

Jetzt gibt es viele Dinge, die man bedenken sollte, wenn man sich ein Haustier zulegt. Und tatsächlich gibt es nicht nur Argumente FÜR Katzen (verrückt, oder?).

Aber:

Hömma, mein Gutster. Du kannst nur hoffen, dass deine Frau nicht mit Nachdenken anfängt. Denn was ist wohl gemütlicher? Eine Wohnung mit Mann und Kind, die immer um einen herumwuseln und ständig etwas wollen – oooooder eine Zweizimmerwohnung, in der man nur selbst Chaos verbreitet, und eine Katze?

Ich sag ja gar nicht, dass sie dich verlassen könnte. Aber so eine Fernbeziehung mit zwei Straßen Abstand und einer Partnerperson, die sich verabschiedet und wieder geht, klingt manchmal gar nicht so verkehrt. ^^

(Womit wir wieder bei den Crazy Cat Ladies wären. Crazy Cat Lady ist ein Lebensziel.)

Er versteht mich einfach nicht

Ich: „Ich habe eine Hütte im Wald gemietet, mitten im Nichts, ohne Internet und Fernseher.“

Er: „Dann nimm wenigstens ein LAN-Kabel mit.“

Ich: „Es. Gibt. Dort. Kein. Internet.“

Er: „Auch nicht im Haupthaus? Dann müssen wir dir Dokus auf den Kindle laden.“

Ich: „Ich nehme den Kindle nicht mit.“

Er: „Aber wie willst du dann fernsehen, ohne Fernseher?“

Ich: „Das ist genau so gewollt.“

Er: „Und was machst du dann die ganze Zeit?“

Und dann weiß ich auch nicht. Was könnte eine häkelnde, lesebegeisterte Autorin, die gern wandern geht, nur ohne Internet und Fernseher mit ihrer Freizeit anstellen? Hast du irgendwelche Vorschläge? ^^

Streiten will gelernt – und geübt – sein

Der Mann und ich haben ein Luxusproblem: Wir diskutieren und streiten gern und ausdauernd – aber selten über Beziehungsthemen, und eher z.B. über Politik. Das kann sich dann schon über Stunden hinziehen, wir graben Quellen für unsere Standpunkte aus und vergleichen Statistiken. In manchen Themengebieten bemühen wir Zitate und analysieren die genau darauf, was da denn jetzt steht/gesagt wurde und wie verlässlich die Quelle ist.

Bei Dingen, die uns persönlich betreffen, streiten wir vielleicht zweimal im Jahr. Gut, ab und zu diskutieren wir, aber alles, was sich in weniger als zehn Minuten friedlich ausräumen lässt, qualifiziert für mich nicht als Streit.

Gestern beispielsweise haben wir auf Netflix „Unser Vater Dr. Cline“ geschaut und über die Motive der verschiedenen Beteiligten diskutiert, auch wohl hitziger. (Details zum Fall, wenn du interessiert bist, gibt es beispielsweise hier.) Dadurch zieht sich das Schauvergnügen durchaus in die Länge, weil wir immer wieder pausieren, um zu reden, aber ich finde es wirklich faszinierend, verschiedene Blickwinkel zu vergleichen.

Gerade angesichts der Tatsache, wie unterschiedlich er und ich in den meisten Dingen sind, wundern Familie und Freunde sich öfter mal darüber, wie selten wir streiten. Ich glaube, wir haben beide das Glück, dass

a) jede*r glaubt, er*sie sei eigentlich etwas schlauer als der*die andere und

b) wir sehr geduldig miteinander umgehen.

Egal, ob er mal wieder Tassen und Flaschen auf dem Wohnzimmertisch hat stehenlassen oder ich mein Handarbeitszeug im halben Wohnzimmer ausbreite, nach fünfzehn Jahren haben wir viel Toleranz für die Machen der anderen Person entwickelt. So weiß ich, dass er vor allem früh am Tag Probleme mit der Pünktlichkeit hat, und er erkennt die Anzeichen dafür, dass ich zu müde bin und jeden Augenblick quengelig werden kann (üblicherweise ab spätestens 21 Uhr).

Natürlich gibt es Dinge an der jeweils anderen Person, die uns grandios nerven, und es ist wichtig, auch mal Dampf abzulassen. Aber dafür hat man ja Freund*innen, bei denen man schimpfen kann, oder zur Not das Notizbuch für kleinere Rants. ^^

Einige Leute behaupten, ich sei zu harmoniebedürftig und ein „Pushover“, und vielleicht haben sie damit auch Recht – ich vergeude ungern Energie auf Streit, wenn ich mit weniger Aufwand eine Sache anders richten kann. Andere Leute behaupten ja, Streit halte die Leidenschaft jung. Wie ist das bei dir?

Die Hexe und der Anti-Grinch

Es war einmal eine Hexe, die zu Frühlingsbeginn sämtliche Weihnachtsdekoration in den Keller verbannte.

Jepp, das bin ich. Schon im März will ich von Schneeflocken, Weihnachtsdörfern und dicken Männern in roten Mänteln nichts mehr sehen.

Ziemlich engstirnig, oder?

Der Mann ist allerdings ein richtiger Weihnachtsfan. Für ihn ist das die einzige schöne Zeit im Jahr.

Tja, das haben wir Hexen dem Rest der Bevölkerung voraus – für uns ist jede Jahreszeit feierwürdig.

Auf jeden Fall muss ich irgendwie das Weihnachtsdorf in den Keller kriegen, ohne dass er mir auf der Treppe auflauert.

Ist schon ungünstig, dass ausgerechnet ich an einen Anti-Grinch geraten bin!

Bei der Gelegenheit verstaue ich dann, der Fairness halber, auch die letzten Halloween-Dekorationen. Damit er nichts zu meckern hat. Dabei weiß doch jeder, dass das etwas ganz anderes ist! Halloween ist kein Feiertag, sondern ein Lebensgefühl.

Na ja, dann bin ich in den nächsten Monaten eben das Unheimlichste in unserer Wohnung.

Im Vordergrund ein schwarzer Plastik-Kessel mit einer abgetrennten Hand aus Gummi und einer riesigen künstlichen Spinne. Dahinter verschiedene Deko-Elemente mit weihnachtlichen Motiven: Eine Lichterkette, ein Windlicht, ein Türkranz, ein kleines Weihnachtsdorf aus Kunststoff mit einem Kabel. Dahinter Chaos.
Alles für den Keller