Boostet deinen Glow!

Warte, wer macht was mit meinem was???

Okay, drei Schritte zurück.

Meine Haut tut aktuell, was weibliche Haut in ihren 40ern so tut – sie hat gleichzeitig Falten und Pickel, raschelt vor Trockenheit wie Seidenpapier und will bitte kein Milimü zuviel an Pflege, weil dann bricht sie aus und beginnt woanders ein neues Leben ohne mich.

Also hab ich mich aufgerafft und bin Montag nach dem Sport in den nächsten Drogeriemarkt gepilgert, um zu schauen, welche Wunderwerke der Kosmetik sie heutzutage anbieten. Meine bis dahin aktuelle Gesichtscreme hatte ich einige Jahre verwendet und mich in der Zeit herrlich wenig um Beauty-Konventionen geschoren. (Geschert? Es ging mir auf jeden Fall an der Interglutealfalte vorbei.)

Erste Erkenntnis: Es gibt Seren. Tonnenweise. Was ich bislang nur im Blut mit mir herumtrage (Blutserum, ist gut und braucht man), gibt es jetzt von Dutzenden Firmen in noch mehr Ausprägungen für jedes reale, angezüchtete oder eingebildete Hautproblem. Wahrscheinlich auch mit Minzgeschmack.

Zweite Erkenntnis: Werbesprech hat die nützliche Information auf der Verpackung ersetzt. „Boostet deinen Glow – für strahlende Haut!“ Schön, aber was ist drin? Wie wirkt es? Für welche Arten von Haut-Albtraum ist es geeignet? Habe ich einen Glow? Brauche ich ihn? Gibt es da nicht auch etwas von Ratiopharm?

Wahrscheinlich bin ich einfach nicht die Zielgruppe. Ich will wissen, welche Inhaltsstoffe was erreichen sollen und wann ich mir das Produkt auf keinen Fall in die Kniekehle schmieren sollte. Weil ich allerdings keine Spielverderberin sein will, habe ich mir am Ende doch zwei Produkte mitgenommen: Ein Serum gegen Falten und eine Creme gegen Pickel. Die können von mir aus um die dermatologische Vorherrschaft kämpfen. Jetzt muss ich nur noch herausfinden, in welcher Reihenfolge ich es auftrage, damit alles seinen Job tun kann. Und für den Glow versuche ich es vielleicht doch erst einmal mit bunten LEDs auf dem Balkon, da könnte der sogar ganz hübsch sein.

Werbeversprechen

Eine Wolke goldglänzenden Glitters in warmem Licht.
Foto von Luke Besley, gefunden auf Unsplash

Du kennst doch diese Frauenmagazine?

Da kleben manchmal so kleine Pröbchen von allem möglichen drin. Außer von Käse (und ich prangere das an!)

Auf jeden Fall sammle ich die und verwende die ab und zu auch mal, damit nichts verschwendet wird.

Gestern hab ich wieder mal so ein Pröbchen aufgemacht, irgendein Vitaminserum-Creme-Gedöns für reife Haut. Und etwas später fiel mir auf, dass meine Hände glitzern.

Ich war natürlich erst einmal verwirrt. Hatte ich ein Einhorn gestreichelt oder mich illegal einem Basteltisch genähert? Nee, das musste die Creme sein.

Der Mann hat natürlich zuerst gespottet, ich würde mich in einen von diesen „Twilight“-Vampiren verwandeln.

Nachdem ich ihn NICHT getötet hatte, habe ich ihm erklärt, dass Cremes für reife Haut oft winzige reflektierende Partikel enthalten. Die sorgen dafür, dass weniger Schatten in den Falten liegen, also sehen die Falten flacher aus. Die gaukeln einem also vor, dass sie die Falten reduziert hätten, ohne dass sie wirklich etwas Sinnvolles für die Haut tun.

(Ob man jetzt unbedingt faltenfrei werden muss, ist eine ganz andere Frage.)

Daraus ergab sich eine längere Diskussion darüber, ob das irreführende Werbeversprechen wären, mit einem Abstecher in die Tiefen des furchtbaren Marketingsprechs. Da gibt es einige Dinge, die einen Nachts nicht schlafen lassen. Wie die Seitenbacher-Werbung. Werbung von Seitenbacher. Hmm, Seitenbacherwerbung! (Sorry!)

Auf jeden Fall kann ich dir versprechen, dass meine Bücher nichts gegen Falten tun. Aber sie verstärken die Lachfalten, und das ist doch das nächstbeste, was man erreichen kann.

(PS: Wer live lachen möchte, kommt am besten morgen Abend, also am 06.06.2024, um 19:00 h in die Ellesdorfer Straße 52 in Bonn, dort lese ich aus „Willkommen in Schattenfall“, bringe die Neuauflage des Buches mit und signiere auch sonst fast alles, was man mir unter die Nase hält.)