„Endlich deutsche Urban Fantasy!!!“

In einem verlassenen Raum steht ein einsamer Holstuhl neben einem abgetragenen Paar Stiefeln. Von schräg rechts fällt Sonnenlicht in den Raum. Der Boden ist schmutzig, eine Kette liegt herum. Der Raum wirkt verlassen. Möglicherweise handelt es sich um einen Dachboden.
Foto von Nathan Wright, gefunden auf Unsplash.

„Endlich deutsche Urban Fantasy!“ Das sagte neulich eine Bekannte zu mir. Sie war völlig aus dem Häuschen und begeistert – von „Kohlrabenschwarz“, einigen hier vielleicht ein Begriff. Falls nicht: Hörspiel von u. a. Tommy Krappweis, seit 2020 bei Audible als Hörspiel und für eine Zeit auch bei Paramount als Serie.

Ja, endlich deutsche Urban Fantasy. Hat es bis jetzt ja noch gar nicht gegeben. Also, bis auf „Magie hinter den sieben Bergen“ (seit 2013) oder „Alchemy & Blood“ von Sabine Osman oder die „Astoria Files“ von Brida Anderson oder die Bücher von Isa Theobald oder … ihr versteht, worauf ich hinaus will. Und ich bin wenig neidisch, aber in solchen Momenten fällt es schwer, sich dann nur über den Erfolg anderer Schreibender zu freuen, anstatt die Bekannte zu packen und zu schütteln und ihr ins Ohr zu brüllen: „Ich schreibe seit über zehn Jahren Urban Fantasy und erzähl dir da auch andauernd von!“

Kann in diesem konkreten Fall echt nicht daran liegen, dass sie von den Sachen nix wusste.

Was meinte sie also?

Erfolgreiche Urban Fantasy?

Gute Urban Fantasy?

Urban Fantasy mit dem medienpolitischen „Gütesiegel“?

Ich weiß nicht, wie das bei anderen Schreibenden ist. Ich bin chronisch unsicher, was meine Geschichten angeht. Eigentlich ist das ja keine Literatur, um damit einmal anzufangen. Das sind nur so Geschichten halt, zum Unterhalten. Und ich bin nicht so gut in Sachen Buchsatz, oder Cover, oder Marketing. Ehrlich? Ich mach das überhaupt nicht richtig, und bei all den Ideen, die ich gleichzeitig verfolge, hab ich auch gar keinen echten Plan. Und in so einem Moment, wenn mir dann jemand vorschwärmt, jetzt gebe es ja „endlich deutsche Urban Fantasy“, denk ich mir: Joah.

Eigentlich könnt ich es ja auch sein lassen.

(Spoiler: Kann ich natürlich nicht.)

Genug gejammert, zurück ans Werk. Bis Ende des Jahres möchte ich euch Schattenfall 2 präsentieren, komplett mit Hexe, Katze und Götterstatue. In meinem Kopf ergibt das alles Sinn. Ist dann halt wieder keine Literatur. Ich erzähl euch nur ein wenig was. Wird magisch!

Keine Macht den Drogen! (Aus finanziellen Gründen)

Jeden Monat um den Fünfzehnten herum aktualisiere ich meine Buchhaltung. Da sind nämlich die Vormonats-Berichte von Kindle Direct Publishing verfügbar, und das ist für Selfpublisher*innen wie mich nun einmal eine relevante Einnahmequelle. Und was kann ich sagen? Es könnte schlimmer sein. Es könnte aber auch viel, viel besser sein.

Weißer Hinter- und Untergrund. IM Zentrum des Bildes groß fünf Münzstapel, von links nach rechts: Ein-Cent-Münzen, Zwei-Cent-Münzen, Fünf-Cent-Münzen, Zehn-Cent-Münzen, zwanzig-Cent-Münzen. Der Gesamtwert der Münzen liegt unter vier Euro.
Foto von Ibrahim Rifath, gefunden auf Unsplash.

Bestimmt hast du schon öfter darüber jammern hören, doch meine Stimme fehlt gerade im Chor: Die meisten schreibenden Personen werden durch das Schreiben nicht reich – es sei denn, sie schreiben einen Erpresserbrief, das soll ganz lukrativ sein. Bücher hingegen … na ja. Wir machen das ja nicht für den Mammon, sondern für die Kunst. Oder wenigstens rede ich mir das gerne ein.

Wenn mir Leute erzählen, dass ihre Kinder beruflich Bücher schreiben wollen, bemühe ich mich stets, etwas Ermutigendes zu sagen: „Toll! So hat dein Kind nie Geld für Drogen!“

Natürlich wissen wir alle, dass Leute wie Stephen King im Lauf ihrer Karriere durchaus Geld für Drogen hatten, nur ist das leider eher die Ausnahme als die Regel. Dennoch hegen alle, die Bücher schreiben, diesen heimlichen Traum: Ich will zu den finanziell erfolgreichen zwei Prozent gehören! Wer behauptet, dem sei nicht so, betrügt die anderen und sich selbst nur gründlicher als die meisten.

Auf meinem gemütlichen Bürojob-Polster kann ich es mir natürlich leisten, genau das zu schreiben, was ich schreiben will, in meinem Tempo zu arbeiten und aktuelle Trends zu ignorieren. Anderen Leuten geht es da wesentlich weniger rosig. Welches Genre, welche Art Geschichte wird das nächste große Ding? Ohne den Zauberlehrling, der nicht genannt werden darf, gäbe es aktuell wahrscheinlich sehr viel weniger einförmige Zauberschulenbücher. (Wer für diese lästigen Love Triangles zuständig ist, da bin ich mir noch nicht sicher. Aber wenn ich den*die erwische, dann … ! (Droht mit der Faust.)) Und klaro, alle behaupten, sie schrieben nur Herzensprojekte, denn da das alles hier ja Kunst ist, redet niemand über finanziellen Erfolg oder die Frage, wie man das nächste Lektorat bezahlt.

Ich denke mir: Wenn ich damit schon nicht reich werde, will ich in all den Stunden, die ich am Schreibtisch sitze und tippe, wenigstens Spaß haben. Deswegen gibt es hier keine aktuellen Trends und leider wohl auch nicht „das nächste große Ding!“ (von dem ich natürlich auch träume, siehe oben), dafür aber viele kleine und größere Geschichten, die mir auch bei der dritten Überarbeitungsrunde noch viel Spaß gemacht haben. Natürlich würde ich lieber noch viel mehr Zeit in diese Geschichten stecken, aber da irgendwer das Katzenfutter bezahlen muss, geht das leider nicht.

Und jetzt Butter bei die Fische – was würdest du mit deinem Leben machen, wenn Geld überhaupt keine Rolle spielte?