Life sucks!

Bild in Grautönen: In der Ferne am Horizont stehen winzige Windräder. Darüber erhebt sich eine gigantische Windhose, die oben in dunkelgrauen Sturmwolken endet.
Foto von Greg Johnson, gefunden auf Unsplash.

Normalerweise übernimmt der Mann bei uns das Staubsaugen – ich hab da keine Lust drauf. Heute war der Tag allerdings etwas vollgestellt, mit Terminen und Vorbereitungen. Und für später hatte sich Besuch angesagt, der gegen Katzen allergisch ist. Während der Mann also unterwegs war, um wichtige Dinge zu tun, habe ich großzügig verkündet: „Ich staubsauge schon einmal, wegen der Katzenhaare.“

Gut, meinte der Mann, aber ich solle mich darauf einstellen, dass der Staubsauger nicht mehr so recht funktioniere, die Saugleistung sei ganz, ganz schlecht.

„Hast du den Beutel denn getauscht?“

„Ja, neulich erst. Das Ding ist einfach hinüber.“

Jetzt ist das gut möglich, denn diesen Staubsauger haben wir länger als unsere aktuelle Wohnung, und nach mehr als einer Dekade nähert sich auch bei hochwertigen Geräten irgendwann das unausweichliche Ende. Ich also, auf das Schlimmste vorbereitet, schreite zur Tat.

Nee, der saugt wirklich kaum noch. Vielleicht liegt es an den Filtern. Klapp ich doch mal das Gerät auf.

Gut. Ich weiß nicht, wann der Mann den Beutel gewechselt hat. Dieser hier ist nicht nur voll, sondern massiv. Kurzer Blick auf die Filter, die sind in Ordnung. Beutel gewechselt, Gerät zugeklappt, wieder eingeschaltet.

Holla die Waldfee!

Ich will ja nicht sagen, dass der Motor zu stark ist, aber da ist jetzt ein Loch im Teppich, der Weihnachtsbaum hat keine Nadeln mehr und ich fürchte, ich habe zwei Hobbits aufgesaugt.

Wenigstens hat das Ungetüm es nicht geschafft, mein Hauskleid aufzufressen. War aber knapp. Die Wohnung ist jetzt also einige Pfund leichter und um etliche Katzenhaare ärmer.

Bei Nachfragen stellt sich übrigens heraus, dass das „neulich“ vom Beutel-Tauschen in der Woche war, in der ich das Bad gestrichen habe. Das war im September.

Fragt sich nur, wer den neuen Staubsaugerbeutel jetzt nach Mordor zum Schicksalsberg trägt, Hobbits inklusive.

Nicht tot!

Genialer Schachzug von mir, oder? Erst groß ankündigen, dass ich in eine unheimliche Waldhütte fahre, und dann vom Erdboden verschwinden. War natürlich keine Absicht – und ich will euch auch noch unbedingt von meinem Urlaub erzählen, nur muss ich vorher die geschätzt 700 Bilder sortieren und alles dramatisch kürzen, damit sich niemand langweilt. Aber seid versichert: Der Urlaub war toll, so etwas werde ich unbedingt wiederholen und ich bin auch echt, wirklich, ganz sicher nicht tot.

Natürlich arbeite ich seitdem daran, im privaten und beruflichen Umfeld lauter Schiet aufzuholen. Lässt sich leider nicht vermeiden. Aber ich bin supermotiviert, einige Projekte voranzubringen, und freue mich aktuell sehr darauf, mich Hals über Kopf in den nächsten „Schattenfall“-Band zu stürzen und alle mal so richtig in Schwierigkeiten zu bringen.

Auch dazu demnächst mehr. Erst einmal Chaos beseitigen, dann neues Chaos anrichten.

Also, diese Jugend, näch? Echt wahr!

Die Beschwerde ist so alt wie die Welt, nehme ich an. Vor 2.500 Jahren bereits beschwerten sich Leute über die jungen Leute, die glauben, dass sie alles wissen, und sich so respektlos benehmen. Und eine Bekannte erzählte das neulich auch. „Im Bus machen die auch nie Platz für alte Leute, und überall spucken die hin!“

Das mit dem Spucken ist auch wirklich nicht so knorke.

Aber wenn ich mich mal in Ruhe umgucke, wisst ihr, welcher Teil der Gesellschaft wirklich unangenehm ist? Die Mittelalten. Die aus meiner Altersgruppe.

Junge Leute in den Bussen, mit denen ich fahre, bieten ihren Platz an. Die halten die Tür auf und tragen Taschen für die Nachbar*innen. Möglicherweise sehe ich auch nur immer die wirklich Wohlerzogenen, wer weiß? Zu Silvester beispielsweise war der Mann mit Feuerwerk etwas spät dran. (Ich mag kein Feuerwerk, er liebt es, also sag ich nicht viel.) Die meisten Leute hatten schon gelärmt, besonders beliebt waren diese garstigen Batterien – und davon stand noch ein halbes Dutzend brennend mitten auf der Straße. Keine Ahnung, wer die abgefeuert hat. Auf jeden Fall war ich kurz hochgelaufen, einen Eimer Wasser zu holen, da kamen dem Mann mehrere dunkel gekleidete junge Leute entgegen. Wünschten ihm ein frohes neues Jahr, halfen ihm beim Löschen und räumten auch die Glassplitter mehrerer Sektflaschen beiseite.

„Die waren voll nett und zivilisiert und so!“ Das ist allerdings auch kein Wunder. Die sind noch frisch erzogen und voller Ideale und so.

Wir hingegen – also, ich bin über vierzig – also wenn du ein paar Jahre durch die Gegend gegangen bist, sind die Chancen gut, dass du jede Woche (metaphorisch gesprochen) einmal vom Leben auf die Fresse bekommen hast. Irgendwas hat nicht geklappt, wie es sollte. Irgendwer war grundlos scheiße zu dir. Das Finanzamt schreibt einen bösen Brief und auf dem Supermarktparkplatz hat dein Auto plötzlich eine neue Delle, aber keine Nachricht vom Dellenverursacher.

So etwas nutzt einen ab. Wie emotionales Schmirgelpapier. Und irgendwann steht man dann da und denkt sich: „Näää, wenn alle kacke zu mir sind, dann bin ich auch kacke zu allen anderen. Da sehter mal, wasse davon habt!“ Sind schließlich noch 25 Jahre bis zur Rente, die Karriere liegt flach auf dem Bauch und röchelt und entgegen aller Pläne aus jungen Jahren sind wir weder reich noch berühmt.

Ehrlich, ich versteh das total. Es braucht konstante harte Anstrengung, angesichts des Alltags – des Lebens, quasi – weich und mitfühlend und optimistisch zu bleiben. Sich immer wieder anzustrengen und zu überlegen, wie man das Leben für alle etwas besser machen kann. Wie sich die anderen Personen im Raum gerade fühlen. Ob einem echt ein Zacken aus der Krone bricht, wenn man die leere Klopapierrolle im Büro wechselt. (Was die anderen natürlich nie tun, leben die alle auf Bäumen und halten den Hintern zum Trocknen in die Höhe?)

Während wir an Silvester noch feuerwerkten, kamen also aus dem Nachbarhaus zwei Leute etwa in unserem Alter und fingen an zu möpern. Kein „Frohes Neues!“ zur Begrüßung, kein „Entschuldigen Sie bitte“, sondern: „Hörnsema, wie lang soll das noch gehen? Wir wollen schließlich schlafen!“ Und ja, ich versteh das, aber a) es ist einmal im Jahr und b) wir waren definitiv noch im gesetzlich vorgegebenen Rahmen. Wir haben ihnen freundlich erklärt, dass wir in wenigen Minuten durch sind.

„Ja, und nehmense gefälligst Ihren Dreck wieder mit!“

– „Natürlich nehmen wir das wieder mit, das machen wir jedes Jahr.“

(Ich bin ein fucking ray of sunshine. Der Mann weiß das und lässt mich in solchen Situationen machen.)

Nach wenigen Minuten haben die Leute sich dann auch beruhigt und sind wieder abgezogen, wir waren kurz darauf fertig, haben unseren Kram eingepackt und sind reingegangen. Und ich will gar nicht darüber meckern, dass die sich gestört gefühlt haben. Mir geht Feuerwerk auch auf den Sack, aber einmal im Jahr darf man halt und der Mann freut sich wie ein kleines Kind. Der Ton andererseits war nicht okay. Was für ein Leben haben die, wenn das offenbar der Standardton für eine Begegnung mit fremden Leuten ist? Ah well.

Also, meine Theorie: Die wirklich respektlosen, gesellschaftsstörenden Leute sind die mit den paar Jahren auf dem Buckel und noch mehr Jahren bis Feierabend. Die von ihrem Alltag deformierten, demotivierten Frustrierten. Die sich nicht jeden Morgen wieder aufraffen und die Macht, die der Kaffee ihnen verleiht, fürs Gute einsetzen können. Die einen Schuldigen für ihre Misere suchen.

Die jungen Leute, die ich kenne, die sind dufte. Aber keine Angst, das wächst sich aus.

Dieses verdammte Bullerbü

Auf dem Weg zur Arbeit fällt es mir auf: Ich lebe in Bullerbü.

Unser Haus steht an einem Wendehammer, auf dem morgens Leute ihre Kinder und Hunde ausführen. Dahinter liegt eine Kindertagesstätte direkt am Waldrand, in deren Garten die Kinder Möbel aus Weidenzweigen bauen. Mein Rad-Weg führt mich zwischen – ich schwör! – Kuhwiesen hindurch, auf denen Kühe und Kälber die Morgensonne genießen. Mehr Hunde, mehr Spaziergänger. Bachstelzen und Krähen teilen sich die Felder mit minimaler Diskussion. Ein Bach plätschert neben der Straße her. An manchen Tagen fahre ich zwischen Brennesseln und Kornblumen an der Straße mit Steinmetz und Biohof vorbei, an anderen nehme ich den geschotterten Weg direkt am Bach. Dort treffe ich mehr Spaziergänger und Eltern mit Kinderwagen, andere Radfahrer, erreiche schließlich einen Minigolfparcours. Klingt idyllisch, nicht wahr?

Leider hat mein Gehirn das nicht mitbekommen. Da im Gebüsch – ist das ein abgestorbener Baumstamm oder eine Leiche? Warum parkt da hinten ein Transporter zwischen den Feldern? Ist das Kind, das die junge Frau spazieren fährt, ihr eigenes? Und wie geht es wohl beim Minigolf zu, wenn keine Kunden/Zeugen vor Ort sind?

Wahrscheinlich dauert es nicht mehr lange, bis ich eine hervorragende neugierige Nachbarin werde. Immer am Fenster hänge. Mir wilde Geschichten über die anderen Hausbewohner ausdenke. Alles weiß, alles besser weiß, alles weitertratsche.

Oder ich könnte weiter abwegige Bücher schreiben. Damit lenke ich mein Gehirn hoffentlich ausreichend ab. Weitere Bücher über dieses verdammte Bullerbü mit all seinen Abgründen und Monstern. ^^

Auf ein neues Neues

Hoffentlich habt ihr euch alle gut ins neue Jahr rübergerettet. Höre ich da etwa verhaltenen Optimismus? Du musst es ja wissen. Hier geht alles immer noch nicht wieder seinen geregelten Gang, aber wir nähern uns einer Art Ordnung.

Letzte Woche gab es eine weitere Beerdigung im Familienkreis. Das macht dann drei Todesfälle seit dem letzten April. Sagen wir mal so – 2022 wird mir nicht als Lieblingsjahr in Erinnerung bleiben. Ein naher Verwandter des Mannes ist kurz vor den Feiertagen gestorben, und da es sonst niemanden mehr gibt, sind er (und ich) und sein Bruder mit der Abwicklung von allem, was da kommt, beschäftigt. Ich bin ja keine Freundin von Papierkram, und dem Verwandten hätte ich noch ein langes, gemütliches Leben gewünscht, damit er seinen eigenen Papierkram erledigen kann.

Ah well.

Ganz langsam fuchse ich mich wieder in eine Schreibroutine ein, sortiere meine Handarbeits- und Mal- und Zeichensachen und entdecke unter dem ganzen Chaos meinen Schreibtisch wieder. Die „Schattenfall“-Reihe gibt es eben erst im kommenden Herbst, lässt sich nicht ändern. Ich wollte dir lieber ein gutes als ein pünktliches Buch präsentieren und hoffe, das ist auch in deinem Sinn. Wer weiß, vielleicht lerne ich bis dahin sogar noch dazu? Die Hörbuchproduktion liegt auch auf Eis, und von all den anderen Plänen und Projekten reden wir erst gar nicht. Ich bin nicht sicher, wie lange ich brauche, um meinen alten Schwung wieder zu finden. Aber ich gebe nicht auf – was wäre denn auch die Alternative? Vernünftig und alt zu sein und in einen lokalen Schützenverein einzutreten? Dann lieber auf eigene Faust Blödsinn machen.

Und jetzt hoffe ich, dass du schon deine eigenen Pläne für Blödsinn geschmiedet hast. Was, glaubst du, hat 2023 für uns in der Hinterhand?

Unter der Schale

Winter ist Orangenzeit.

Auf einem Schreibtisch liegen eine Orange und ein rotes Schälmesser. Im Hintergrund sieht man eine altmodische Maus und einen Notizblock.
Sogar im Büro bin ich bewaffnet!

Und ich liebe Orangen! Leider ist das Schälen sehr lästig, findest du nicht?

Eine wichtige Erinnerung an meinen Großvater ist, wie er Orangen geschält hat. Keine Ahnung, ob er das oft gemacht hat. Mein Gehirn behauptet es. Und von Opa geschälte Orangen waren die besten. Gut, vielleicht hat er das nur einmal gemacht und es war völlig belanglos, wer weiß?

Erinnerungen sind seltsam. Und manchmal kann man sie gar nicht mehr verifizieren – das Gehirn ist ein berüchtigter Lügner und alle anderen Beteiligten sind schon längst an einem besseren Ort. Hawaii, zum Beispiel.

Und wenn ich heute Orangen schäle, denke ich an meinen Großvater und freue mich. Und wenn das niemand außer mir mehr nachvollziehen kann, ist das in Ordnung.

Was glaubst du, womit du anderen Leuten im Gedächtnis bleibst?

Besser zu zweit (Cat Edition)

Vor einem Fenster mit herbstlichem Ausblick sitzt auf einer grauen Decke eine graugetigerte Katze und schaut vom Fenster weg. Auf dem Glas klebt ein Slogan: "Her mit dem schönen Leben!" Im Hintergrund Ablagen mit Büromaterial und bunten Steinen.

Das ist Mara. Mara hieß ursprünglich Chantalle und kommt aus dem Tierschutz. Sie hatte ein gebrochenes Bein, aber davon merkt man kaum noch etwas. Sie hatte auch Kittens, die sind leider alle tot. Mara ist etwa 18 Monate alt und wohnt jetzt bei uns.

Ein schwarzweißer Kater und eine graugetigerte Katze beschnuppern einander vorsichtig. Um sie herum gibt es Katzenzubehör: Kratzpappen, Spielzeug, eine Kuschelhöhle. Im Hintergrund steht ein Regal mit Kisten, Körben und einer Nähmaschine (unter anderem).

Kurt fand Mara am Anfang interessant, aber auch ein wenig seltsam. Wir haben sie einander vorsichtig vorgestellt.

Graugetigerte Katze schläft zusammengerollt auf einer grauen Decke. Im Hintergrund Körbe und Gläser.

Allmählich lebt Mara sich ein. Sie hat schon raus, dass man herrlich pennen kann, wenn ich am Schreibtisch sitze.

Schwarzweißer Kater liegt aufmerksam auf dem Schreibtisch. Am Rand sieht man ein Notebook, bei dem ein Schreibprogramm aufgerufen ist, und einen Block mit handschriftlichen Notizen. Im Hintergrund Ablagen mit Papier, Umschlägen etc.

Auch Kurt findet es gut, wenn ich schreibe. Er arbeitet mit, braver Kater. (Ihr glaubt doch nicht, dass ich meine Bücher alle selbst schreibe???)

Eine graugetigerte Katze und ein schwarzweißer Kater klettern gemeinsam auf einen sandfarbenen Kratzbaum, den Rücken zur Kamera. Im Hintergrund ein apfelgrüner Vorhang, am Rand einige Stofftiere.

Und wenn sie gerade nicht im Büro sind, erkunden sie gemeinsam die Wohnung und haben nur Rosinen im Kopf.

(Sämtliche Tippfehler resultieren übrigens daraus, dass Kurt gerade AUF meinen Armen VOR dem Notebook liegt und dringend schmusen muss. Er hat eine Quote zu erfüllen.)

Das war also unsere Woche, in kurz. Wir vermissen Greebo immer noch, doch Kurt hat jetzt wenigstens eine neue Gefährtin, mit der er Schabernack treiben kann, und ist ein echter Gentlekater.

„Sie stand auf und ging hinüber ins Wohnzimmer“

Da können wir uns alle etwas drunter vorstellen, oder? Und da passiert ja auch nicht viel, muss man also nicht mehr schreiben.

Es sei denn, das Aufstehen verrät etwas über den Charakter, von dem wir gerade schreiben.

Ich illustriere das mal mit meinem „Aufstehen und ins Wohnzimmer Gehen“ von heute morgen: Aufgewacht bin ich, als Kurt zu mir ins Bett gehopst ist, um sich ein paar Streicheleinheiten abzuholen. Dann bin ich senkrecht, hab meine bequeme Hose angezogen und dachte mir: „Komm, mach dir mal einen faulen Morgen. Nach den letzten zwei Tagen hast du den verdient.“ (Der Gesundheitszustand des anderen Katers hatte sich kurzfristig derbe verschlechtert und es stand zur Debatte, ob wir ihn einschläfern lassen oder ob Medikamente noch einmal helfen, ihn zu stabilisieren; wir haben viel geflucht und wenig geschlafen, bis es wieder besser aussah.) Also ins Bad und ab zu den Katern. Die müssen nämlich morgens als erste versorgt werden. Parallel schnell die Küche aufräumen und ein paar organisierende Handgriffe in Wohnzimmer und Bad, damit alles wieder bewohnbar ist. Wäsche aufhängen, die wohnt sonst in der Waschmaschine, bis sie eine eigene intelligente Zivilisation entwickelt. Schnecken versorgen. Kaffee zubereiten. Bis ich dann tatsächlich auf dem Sofa saß und zu meiner entspannenden Handarbeit greifen konnte, um den faulen Tag zu beginnen, war eine Stunde vergangen.

Was sagt das über mich aus? Ich faulenze ganz falsch!

Andere Charaktere greifen möglicherweise als erstes zum Telefon oder zur Zigarette, werfen eine Schmerztablette ein oder malen sich schnell ein komplettes Gesicht, ehe sie den Tag beginnen. Vielleicht meditieren sie auch oder gehen hinaus in den Garten, Hühner füttern. Möglicherweise gibt es keine Küche, sondern nur Kaffee aus der Bäckerei auf der Ecke. Und einige Figuren gehen überhaupt erst ins Bett, wenn die Sonne aufgeht.

Manchmal kann man sich all diese lästigen Alltags-Handgriffe beim Schreiben (wenigstens für die Charaktere, wenn schon nicht für das eigene Leben) sparen. Manchmal kann man sie aber auch verwenden, um den Lesenden die Figuren auf eine neue Weise vorzustellen. Vor allem aber muss das, was man in solchen Situationen über die Figuren erfährt, zu dem passen, was man in actionreichen Szenen über sie erfährt. Es muss sich aber nicht unbedingt mit dem decken, was sie von sich selbst erzählen. Ich behaupte von mir selbst ja auch, ich hätte den Haushalt ganz gut im Griff. (HUST.)

Hast du mal darüber nachgedacht, was deine Lieblingsfigur morgens nach dem Aufstehen wohl als erstes tut?

Spooooooooooky!!!

Auf einer Abtropffläche aus Edelstahl steht eine schwarze Tasse mit einem Arbeiterskelett, das auf einer Mondsichel Pause macht. Dahinter, in einem Köcher aus Metall, tropfen zwei Spatel mit Spinnen-Aufdruck ab. An der Wand lehnt ein Schneidebrett, auf dem man verschiedene Totenköpfe in hell auf Grau und Blau sieht. Am Bildrand Radieschen.
An die Küchenarbeit!

Der Herbst ist da, und es wird unheimlich! Möglicherweise bin ich heute in einem Wohlfühlwarengeschäft ein wenig eskaliert – jetzt haben wir saisonal angemessene Tassen und Schüsseln, Handtücher und Katzenspielzeug. Ich habe keine Selbstkontrolle, wenn es um Halloween geht! Wenigstens kann ich mir einreden, dass ich das ja alles dringend für meinen Geburtstag brauche. 🎃

Vorwärts!

Manchmal habe ich superdurchdachte und verplante Tage, mit festen Schreibzeiten und Tageszielen, die alle erreicht werden, und diesem Gefühl von „Accomplishment“, wenn ich Abends ins Bett gehe.

Aktuell sieht es meist eher so aus, dass ich wie wild mit allen acht Armen rudere, um von allem, was getan werden muss, wenigstens ein bisschen zu schaffen. Und dann sitze ich nach Mitternacht auf dem Sofa und tippe einen Blogbeitrag, der eigentlich total organisiert und wohldurchdacht und natürlich wunderschön ausformuliert sein sollte, damit niemand denkt, ich sei tot. Das Manuskript hat Verlustängste, weil es konstant vernachlässigt wird, die Kater haben den großen Aufstand gestartet und der Mann versucht sich zu erinnern, ob er nicht irgendwann mal mit einer Frau zusammengezogen ist, die regelmäßig gesunde Mahlzeiten kocht.

Das Leben ist halt nicht immer so, wie wir uns das denken.

Ist auch gar nicht so schlimm.

Hauptsache, wir machen weiter.

Über die Alternative denken wir am besten gar nicht nach.

Vorwärts!