Eine typische Bahnhofsbegegnung

Eine fahl beleuchtete Unterführung. Auf dem Boden liegt Dreck, an der Wand sind Graffiti geschmiert.
Foto von Krisztian Matyas auf Unsplash

Ab und zu habe ich in der Innenstadt in Bahnhofsnähe zu tun. Muss ich eigentlich nicht weiter beschreiben, du warst schon einmal an einem deutschen Stadt-Bahnhof. Leute, Läden, Dreck, die Ecken riechen nach Pipi. Ist nicht schön und lässt sich leider nicht immer vermeiden.

Wie ich so durch die Unterführung ging, die unter den fünf Gleisen durchführt – Bonn ist nicht direkt eine Großstadt – hörte ich in der Nähe jemanden gröhlen: „Ausländer raus! Wählt die AfD! Nieder mit dem ***-Pack! Deutsche Kultur!“

Kurz darauf sah ich den Urheber dieser … Äußerung: Ein etwas ungepflegt wirkender Typ etwa Mitte 50, der gerade, laut schimpfend, die Bierdose in der Hand, gegen eine Absperrung in der Unterführung pinkelte. (Ich schwöre, das klingt nach Klischee, ist aber genau so passiert. Hat auch nur wenige Augenblicke gedauert, ich musste nicht einmal langsamer werden.)

Der Mann in meiner Wohnung sagt immer, ich werde eines Tages sterben, weil ich im falschen Moment den Mund aufmache. So auch an dem Abend. „Gehört zur deutschen Kultur, betrunken in die Öffentlichkeit zu pinkeln und Leuten auf den Sack zu gehen?“ Ich hab ja Stimmtraining, also musste ich gar nicht dicht rangehen, damit er (und die anderen Passant*innen) mich sehr gut verstehen.

Der Typ guckt sich um, sieht mich, verzieht das Gesicht. „Du hast mir gar nix zu sagen! Bist du überhaupt Deutsche?“

„Deutsch genug.“ Der muss ja nicht wissen, dass meine Mutter aus den Niederlanden eingewandert ist. Und ich seh definitif aus wie die rosigste Kartoffel der Welt.

Natürlich schimpft der Typ weiter. „Ich bin bestimmt viel deutscher wie du!“ Man erinnere sich daran, er steht da immer noch mit offener Hose. Wahrscheinlich hat er inzwischen nasse Füße.

Kinners, ich kann so nicht arbeiten. „Das heißt deutscher ALS.“

Und dann musste ich leider weiter, Termin und so. Bei einigen Umstehenden hab ich Amüsement wahrgenommen, der Typ mit der offenen Hose (und dem Benehmen wie eine offene Hose) hat wahrscheinlich nichts dazugelernt und der Mann in meiner Wohnung hat mich später einmal mehr ermahnt, mich nicht leichtfertig in Schwierigkeiten zu bringen.

Nix darf man.

Erleuchtung, ein Drama in Akten

Kork-Pinnwand. Darauf ein gelber Zettel, angepinnt mit einem roten Pin, auf den jemand mit schwarzem Filzstift eine leuchtende Glühbirne gezeichnet hat.
Foto von AbsolutVision, gefunden auf Unsplash.

Ich kann alles schaffen. Manchmal muss ich allerdings erst pathetisch sein.

Schon eine Weile wusste ich, dass eines von drei Bremslichtern an unserem Auto den Geist aufgegeben hatte. Und ich konnte mich nicht so recht überwinden, das Leuchtmittel auszuwechseln. Ehrlich gesagt – ich gebe dem Autohersteller die Schuld. Wir haben den Wagen nämlich schon seit mehr als zwölf Jahren, und hintenrum war noch nie ein Licht kaputt. Frontscheinwerfer, da habe ich schon eine Menge Leuchtmittel ausgetauscht. Hinten? Alles paletti. Seh ich ja nie!

Neulich wollte ich mich dann aufraffen. Und bat den Mann, erst einmal genau zu bestimmen, welches der Bremslichter defekt sei, denn ich kann ja schlecht bremsen und zum Gucken aussteigen.

Seine etwas bedröppelte Antwort: „Die unteren sind beide defekt, da leuchtet nix.“

Ja, Mist. Wird also wirklich Zeit. Denn WENN ich einmal bremse, soll die Welt das auch mitbekommen. Sonst knautscht das so unschön.

Gut. Ich also erst einmal umständlich die passenden Leuchtmittel herausgesucht und bestellt. Die kamen nicht. Oder sie kamen dann doch, lagen aber vor der Kellertür, wo ich nie hingucke. Zum Glück lagen sie wenigstens trocken und waren auch noch nicht geklaut, als ich sie am Sonntag Abend dann doch fand, eher so aus Zufall.

Dann – wie komm ich wohl an die Bremslichter ran? Geguckt, keine Klappe oder so gefunden. Das Internet konsultiert: Ah, da sind Schrauben, die schraubt man auf. Werkzeug brauch ich also auch. Zum Glück habe ich direkt mehrere Werkzeugkoffer, die ich regelmäßig verlege.

Gestern war es dann endlich so weit. Morgens auf dem Weg zur Arbeit Werkzeugkoffer und Leuchtmittel eingesteckt und im Kofferraum verstaut, damit ich das nach der Arbeit im Hellen direkt erledigen kann. Wenn ich nämlich zwischendurch erst hochgehe, dann sind da die Katzen und das Sofa, das wird kompliziert.

Zuhause auf dem Parkplatz nachmittags noch in Büro-Klamotten (nicht nach oben gehen, du erinnerst dich) – Stiefel, langer Rock, selbstgehäkelte Bandana auf dem Kopf – also das Werkzeug ausgepackt und die Schrauben rausgedreht. Aber die Scheinwerfer wollten sich nicht direkt bewegen. Ich also geflucht und probiert und gedrückt und geschoben und mehr geflucht. Die Nachbarn kennen jetzt ein paar neue Ausdrücke! Mit ein wenig Hebelwirkung kamen die Teile schlussendlich wirklich los, und der Rest ging genau so einfach wie bei den Frontscheinwerfern – Fassung aufdrehen, Leuchtmittel rauspulen, neues Leuchtmittel reinfriemeln und den ganzen Käse in rückwärts.

Bei der Gelegenheit habe ich auch direkt die eine Kennzeichenleuchte neu bestückt, die war nämlich auch ausgefallen. Nach zwölf Jahren schon, kannst du dir das vorstellen??? Das ging ganz einfach mit so Klemmfix-Laschen-Dingsies, dafür war das Leuchtmittel winzig.

Anschließend war mir das Drama ein wenig peinlich. Man gebe mir einen Schraubendreher und eine ausreichende Menge Kraftausdrücke, dann bin ich unaufhaltbar! Muss nur erst fertigjammern.

Vorschlag für 2026: Lerne Smalltalk!

Das höre ich immer wieder von Leuten, mit denen ich mich unterhalte: „Ich hasse Smalltalk!“ Entweder er ist zu schwierig oder überflüssig oder man weiß einfach nie, worüber man reden soll, und sollten wir uns nicht alle grundsätzlich viel tiefsinner unterhalten?

Erstens: Ja, Smalltalk IST schwierig. Aber für überflüssig halte ich ihn nicht. Denn eigentlich geht es beim Smalltalk darum, eine Unterhaltung zu führen, die für keine der beteiligten Parteien unangenehm ist. Man verwendet ihn, um soziale Nähe und eine Verbindung herzustellen – oft in Vorbereitung auf größere, „wichtige“ Gespräche. Dazu gehört etwa die Frage nach der Anfahrt beim Vorstellungsgespräch.

Zweitens: Smalltalk kann man tatsächlich lernen. Natürlich kann man ganz klein beim Wetter anfangen, das ist gar nicht wild. Oder man überlegt sich eine ergebnisoffene Frage, deren Antwort keine große Konsequenz hat, um Leute in ein Gespräch einzubeziehen.

Natürlich ist beim Smalltalk die Antwort genau so wichtig wie die Eröffnung – auch die Antwort sollte niemanden verstimmen. Wenn jemand das Wetter kommentiert, ist die Antwort: „Ja, Regen ist kacke, aber nicht einmal im Gewitter würde ich mit so einem hässlichen Hut, wie Sie ihn tragen, auf die Straße gehen!“ … nicht besonders diplomatisch.

Smalltalk ist das Äquivalent zum Beschnuppern bei Hunden, da pinkelt man einander üblicherweise auch nicht direkt auf die Nase.

Für den Anfang kann man sich drei oder sieben unverfängliche Fragen zurechtlegen, auf die die meisten Personen eine Antwort parat haben könnten, etwa:

  • Was war Ihr absurdestes Erlebnis im Supermarkt?
  • Wenn Sie jetzt den Koffer packen und verreisen MÜSSTEN, wohin würde die Reise gehen?
  • Womit würden Sie in einer Notsituation einen sterilen Tupfer ersetzen? (Gestern erst so verwendet. Ich bin schamlos.)

Komplimente sind auch ein guter Einstieg. Als Faustregel: Am besten etwas kommentieren, bei dem man erkennt, dass die andere Person sich damit große Mühe gegeben hat (Outfit, Frisur, Balkondekoration, …) oder eine Errungenschaft (neues Buch, Besteigung des Mount Everest, perfektes Einparken in die kleinste Lücke der Welt).

Oder man geht, das ist für Fortgeschrittene, auf die aktuelle Situation ein – von mir aus mit Bemerkungen wie: „Beim Smalltalk stelle ich mich immer ungeschickt an und sage ewas total Peinliches. Geht es Ihnen auch so?“ Und von da aus improvisiert man eben. Übrigens bin ich wirklich ungeschickt und sage beim Smalltalk oft etwas Peinliches. Aber das ist nicht schlimm, damit nehme ich direkt die erste Hürde und mache den anderen das Gespräch einfacher. Und oft ergeben sich aus harmlsoen oder absurden Einstiegen die interessantesten Gespräche, wenn man sich am Gegenüber kalibriert hat.

Wie stehst du zu Smalltalk? Yay, nay, hey?

UPS, WTF??? Oder: Die köstliche Odyssee

Von CrowdFarming habe ich euch ja schon öfter vorgeschwärmt. Die haben das beste reife Obst und Gemüse, das man sich innerhalb von Europa bestellen kann, mit besseren Bedingungen für die Produzent*innen. Eigentlich wollte ich mich dieses Jahr ein wenig zurückhalten, aber dann ging es doch nicht. Wir haben also eine Kiste Mangos bestellt.

Bestellt hatten wir die Mangos am 01.09., die Sendung wurde am 02.09. auf den Weg geschickt. Am 06.09. sollte sie ankommen. Das war ein Samstag, wie der Blick in den Kalender verrät, und ich war den ganzen Tag zuhause, weil ein Seminar geplant war.

Also war ich nur mittelmäßig überrascht, als am Freitag(!) ein Zettel im Briefkasten lag. UPS erzählte, sie hätten niemanden zuhause antreffen können – möglicherweise waren weder Mann noch Katzen in der Lage, die Tür zu öffnen – und würden es am nächsten Tag noch einmal probieren.

Soweit, so gut. Schließlich war der Samstag ja eh der geplante Liefertag. Ich saß also am Samstag und saß und saß und räumte ein bisschen auf und machte endlich mal meine Steuererklärung und saß ein wenig mehr, aber niemand klingelte. Irgendwann scannte ich also den QR-Code auf dem Liebesbrief von UPS und wurde zur Sendungsverfolgungsseite weitergeleitet:

„Yoah, wir kommen heute doch nicht. Wir kommen am Montag. Übrigens können Sie uns keine Abstellgenehmigung erteilen und auch keine Vollmacht ausstellen, denn wir hätten gern ein Autogramm.“

Mein erster WTF-Moment. Montags arbeite ich, und zwar im Büro. Was an diesen Mangos jetzt so wichtig ist, dass ich sie persönlich in Empfang nehmen muss? Keine Ahnung. Zugegeben, es sind sehr gute Mangos.

Natürlich gab es eine einfache Lösung für das Problem: Lassen wir die Mangos doch in den nächsten UPS-Paketshop (die heißen „Access Point“) umleiten. Die Website sagt, der ist 2,5 km entfernt, das müsste grob auf dem Weg von der Arbeit nach Hause liegen.

Pustekuchen! Nach Bestätigung zeigte mir UPS die Adresse des Access Points. Luftlinie sind es 2,5 km, ja, aber: Der Laden liegt auf der anderen Rheinseite, genau gegenüber von unserem kleinen Berg. Und da ich nicht fliegen kann, sind das mehr als 10 Kilometer Umweg.

Das war nicht die beste aller möglichen Welten, in der ich mich gerade befinde. Aber was will man machen? Es ging schließlich um Mangos! Die UPS-Sendungsverfolgung tat am Montag übrigens nicht, also schwang ich mich im Feierabendverkehr über die Rheinbrücke, durch einen Baustellenstau zum UPS Access Point.

Ratet, wo mein Paket nicht war. „Nee, das Paket gibt es nicht. Wirklich nicht. Oh, warte, das Paket gibt es doch, aber das ist noch im Zentrallager in Bonn. Das kommt morgen. Vielleicht.“

Zu diesem Zeitpunkt war ich etwas ungehalten, da konnte der Access-Point-Mitarbeiter jedoch nichts für. Unverrichteter Dinge nach Hause, eine Runde durch den Wald joggen und aus lauter Frust Kürbissirup kochen. (Zutaten für Mangosirup hatte ich ja nicht!!!)

Dienstag tat die UPS-Sendungsverfolgung. Und sie teilte mir mit: Der UPS-Fahrer konnte das Paket nicht am UPS Access Point zustellen, weil UPS nicht da war.

Während der Öffnungszeiten.

An einem Werktag.

Am fucking UPS Access Point.

Sie versuchen es am nächsten Werktag noch einmal.

Meine Kolleginnen, die dieses Drama verfolgten, schlossen Wetten darauf ab, was als nächstes passiert. Favorit: „Das Ende dieser Geschichte lesen wir in der Lokalzeitung, weil sie Amok läuft.“ Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.

Mittwoch hatte ich nach der Arbeit – ich bin eine Frau mit einem Leben, stellt euch das vor! – trotz allem ein kurzes Fenster, um noch einmal über den Rhein Richtung Süden zu fahren. Aber was sagt UPS? Letzte Aktualisierung der Sendungsverfolgung war um 03:59 h morgens. Danach Grillenzirpen. Stille. Nichts. Eine Steppenhexe(1) rollt durch das Internet.

(1) So heißen diese lustig herumwehenden trockenen Gebüschdingsies. Wirklich.

Eine Stunde vor Feierabend die Erlösung: IHR PAKET LIEGT IM UPS ACCESS POINT. HOLEN SIE ES GEFÄLLIGST ENDLICH AB. (Ich paraphrasiere.)

So richtig überzeugt war ich noch nicht, aber was sollte ich tun? Und tatsächlich, der Mensch im Shop hatte ein Paket für mich. „Ich war erst ganz überrascht, dass hier ein Paket ankommt. Aber das war ja gar nicht für mich.“ Ob der weiß, dass der für UPS arbeitet? So selten kann es doch nicht sein, dass Leute ihr Paket bei ihm abholen wollen. Wobei, nach dieser Erfahrung …

Trotz aller Verzögerungen sind die Mangos übrigens ganz wunderbar. Zum Glück haben wir nur eine kleine Kiste mit fünf Stück bestellt, die sind nämlich reif. Zwei sind schon verputzt, und als nächstes mache ich uns Mango-Lassis. Wollt ihr sie sehen?

Fünf wunderschöne reife rote Mangos in einer Pappkiste.

Dafür hat sich diese Odyssee doch mal gelohnt. Aber das nächste Mal, wenn mir jemand etwas mit UPS schicken will, bitte ich sie, das Zeug einfach mit einer Kanone grob in meine Richtung zu schießen.

Altes Parkhaus mit neuen Tücken

Oder auch: Ich kann in die Zukunft sehen.

Denn ich sage voraus, dass es in zwei Wochen in der lokalen Tageszeitung einen Artikel über die garstigen bösen Parkhausbetreiber geben wird, die die armen Autofahrer*innen abzocken.

Lass mich ausholen. Unter dem großen Supermarkt, in dem wir den Großteil unserer Wocheneinkäufe tätigen, gibt es ein kostenpflichtiges Parkhaus. Bis gerade eben lief das auf die vertraute Weise: Man fährt an die Schranke, zieht ein Ticket, die Schranke geht auf und man sucht sich einen Parkplatz. Vor der Ausfahrt zahlt man am Kassenautomaten, schiebt das bezahlte Ticket an der Ausfahrschranke in den Schlitz und die Schranke hebt sich, damit man ausfahren kann. Alles ganz easy, gell?

Jetzt sind die Schranken in die Jahre gekommen und wartungsintensiv. Also stellen sie aktuell auf schrankenlosen bezahlten Parkbetrieb um. Überall hängen Schilder, die das erklären, teilweise mit wild leuchtenden Reflektorstreifen. Das läuft also so: Du fährst ein und dein Kennzeichen wird gescannt. Du parkst irgendwo, machst dein Ding, kommst zurück und gibst dann am Automaten dein Kennzeichen ein. Dann sagt der dir, wie lange du geparkt hast und was du zahlen sollst. Du zahlst, gehst zum Auto und fährst. Keine einzige Schranke ist an dem Vorgang beteiligt.

Und da beginnen die Probleme.

Ich war ja gestern einkaufen, mit dem Auto, nach der Arbeit. Und am Automaten wartete eine lange Schlange. Die wurde immer länger, denn: Oh Wunder! Die meisten Leute kennen offenbar ihr Kennzeichen nicht? Und anstatt eben zum Auto zu laufen und nachzugucken, wie das denn lautet, haben wirklich viele Leute einfach wahllos Buchstaben- und Nummernfolgen eingegeben. Irgendwas muss doch stimmen! Das dauert natürlich.

Ist aber auch nicht schlimm, so eine Umgewöhnungsphase gibt es ja immer.

Dann war da aber der Typ, der zum Kassenautomaten kam und rief: „Warum bezahlt ihr denn? Die Schranken sind doch offen! Ich hab bei der Einfahrt nicht einmal ein Ticket bekommen!“

Ich, hilfreich: „Das ist das neue System, das ist schrankenlos, aber bezahlen muss man trotzdem.“

Er guckt mich an, als sei ich ein wenig dumm. „Aber ich hab gar kein Ticket gekriegt! Ich fahr jetzt.“

Kann er machen, ich hab ihn ziehen lassen. Allerdings wird er sich in ein paar Tagen wundern, denn er wird Post bekommen – über die nicht gezahlten Parkgebühren und eine Strafe von 45 Euro. Das steht nämlich auch auf den Schildern, die überall ausgehängt sind. Und weil unsere Tageszeitung ganz dicht am Puls des Bürgers ist, wird es dann wenigstens einen Artikel über diese neue „Abzocke“ geben.

Ich bin gespannt, wie lange die Umgewöhnung dauert. Und ja, ich fände es persönlich besser, wenn es bei der Ausfahrt wenigstens noch eine automatische Schranke gäbe, die sich öffnet, wenn das Kennzeichen gescannt wird und der Systemabgleich bestätigt, dass die Parkgebühr gezahlt ist. Ich bin nämlich so verpeilt, dass ich das auch mal vergessen könnte.

Ah well, schöne neue Welt und so.

Der Sommer – ein Zwischenbericht

Ein Grund, weswegen es hier wieder ungewöhnlich still war, ist ja deutlich geworden – der Endspurt für Zuflucht in Schattenfall, dass am 10.07.2025 veröffentlicht wurde. Egal, wie gut man plant und wieviel Unterstützung man hat, es wird doch immer hektisch. Aktuell kann ich nichts mehr tun, als auf meine Print-Exemplare zu warten. (Natürlich plane ich schon die nächste Geschichte.)

Ein anderer Grund – der Sommer und besonders der Juli sind voller Termine. Einerseits liebe ich das, weil das alles großartige Termine sind, andererseits … ES IST ANSTRENGEND!!! Für August habe ich schon geplant: Nach der Krähenfee will ich zwei Wochen lang niemanden sehen und alle hassen. Bitte nicht persönlich nehmen!

Was war denn bis jetzt so anstrengend?

Beispielsweise ein zweitägiger Workshop zum Thema Nahkampf und Schusswaffen, speziell für Autor*innen, über den BVJA. Du weißt möglicherweise, wie oft in meinen Büchern gekämpft (gelegentlich) und geschossen wird (quasi nie!), aber ich fand das Thema so spannend! Und spätestens für den seit langem angedrohten dystopischen Roman kann ich vieles davon sicher verwenden, die Zeit war also gut genutzt.

Dann war da ein „Aktiv-Vortrag“ über die richtige Reinigung der Bonner Bücherschränke. Die Bürgerstiftung Bonn betreut aktuell über dreißig öffentliche Bücherschränke auf Stadtgebiet, und der Hersteller ist extra hergekommen, um den Bücherschrankpat*innen zu zeigen, wie man die Schränke von Graffiti etc. befreit, ohne die Oberflächen zu beschädigen. Ja, ich bin Bücherschrankpatin. In erster Linie, damit ich einen Vorwand habe, regelmäßig in den Schrank zu gucken. Was macht so ein*e Bücherschrankpat*in? Aufräumen, in erster Linie: Die Bücher richtig hinstellen, die Kinderbücher in das entsprechende Fach sortieren, Nicht-Bücher und Propaganda entfernen (ja, es tut mir leid – die schönen Zeitschriften, die du da ablegst, landen direkt im Altpapier) und eben alles, was Leute da so drankrakeln und -pappen, wieder abfriemeln.

Dann war da der Tag der offenen Tür am Radom im Nachbarort. Das ist eine Anlage, die für Sicherheits- und wissenschaftliche Zwecke mit Radiostrahlung Dinge auf der Erde und im Weltall untersucht. Sehr spannend, ich hab wenig verstanden. Die Schutzhülle für das Radioteleskop(?) sieht auch mehr so aus wie ein riesiges Drachenei in der Landschaft. Aber es war spannend und sehr heiß und anschließend waren wir Eis essen, das war gut.

Ich habe Sperrmüll geschleppt und war wandern und Tapas essen und Cocktails trinken und habe die erste Halloween-Deko gekauft. Ein Luxus-Leben voller Luxusprobleme.

Und habe ich schon vom Archiv im Haus der Geschichte erzählt? Wenn du dieses Jahr nach Bonn kommst, musst du dir das anschauen! Eigentlich haben die eine Dauerausstellung, die wird gerade umgebaut. Und während die geschlossen ist, kann man sich stattdessen für eine Führung durch einen Teil des Archivs anmelden. Das ist so, so interessant! Ich liebe solche Dinge ja, es tut mir leid. Nee, eigentlich gar nicht! Also, meld dich da an und geh da hin. Das Archiv eignet sich auch grandios als Unterschlupf für eine Zombie-Apokalypse, sag ich direkt dazu.

Gut, das war mein Sommer bis jetzt. Wir haben gerade Mitte Juni. ^^ Heute Abend geht es auf ein Konzert, und in den nächsten Wochen sehe ich unter anderem Familie, die ich viel zu selten sehe. Also mehr Abenteuer! Danach Krähenfee, dann zwei Wochen Einsiedler-Dasein. Das wird so gut!

Wenn ich die Tage Zeit habe, gibt es vielleicht einen Foto-Dump. Oder ich häkle endlich den Sommerhut zu Ende, der sich mir seit zwei Wochen hartnäckig widersetzt.

Was sind deine Abenteuer? Oder schwitzt du nur?

Hält fast alle Plagegeister fern – Insektenschutzgitter und Katzen

Da wir recht dicht am Wald leben, kreucht und fleucht es dankenswerterweise rund um unsere Wohnung, als würden die Insekten dafür bezahlt. Das finde ich gut. Weniger gut findet allerdings der Mann, wenn die Biesterchen ihm nachts ins Wohnzimmer kommen. Und da die Balkontür am liebsten auf ist – sowohl für die Frischluft als für die Katzen – musste eine Lösung her.

Jetzt hängt da so ein magnetisch geschlossener Vorhang: Eine Bahn links, eine Bahn rechts, Magnete in der Mitte. Der geht auch recht einfach auf. Nur die Katzen trauen dem Ding nicht so ganz.

Verständlich. Die kennen es ja so, dass etwas im Weg ist, damit sie da gerade NICHT durchgehen. Fenstergitter oder Zimmertüren beispielsweise.

Dass von ihnen jetzt erwartet wird, an einer bestimmten Stelle mit ihrem Körpergewicht zu drücken, damit sie rein oder raus können (keine Sorge, der Balkon ist katzennetzgesichert!), ist unerhört.

Mara hat schnell eine Strategie entwickelt. Sie wirft sich mit Anlauf und ganzem Körpergewicht gegen die Mitte des Vorhangs. Zum Glück ist sie klein. Bei einem ausgewachsenen Tiger hätte das einen ganz anderen Effekt! Auf jeden Fall gibt der Vorhang nach, die Katze ist draußen und später wieder drinnen und nur minimal empört, wenn ihre Schwanzspitze für eine Sekunde zwischen den wirklich sehr, sehr schwachen Magneten steckt.

Kurt ist da anders. Aus der Beobachtung würde ich sagen, er geht da zu verkopft ran. Erst wird der Vorhang beschnuppert und kriegt einen oder zwei Tatzenhiebe, zur Sicherheit. Dann wird mit den Krallen daran gezogen – bewegt sich was? Ja, der Vorhang geht auf … und direkt wieder zu, wenn der Kater loslässt. Das wird mit motzigem Miauen quittiert. Der Kater sitzt und denkt. Dann zieht er wieder und versucht gleichzeitig, seinen Rammskopf UNTER dem Vorhang hindurchzuzwängen. Im letzten Moment macht er einen Rückzieher, weil das Klacken der Magnete ihn verunsichert. Dann maunzt er wieder, empörter jetzt. Hallo? Personal!

Weil ich ein weichherziges (und warmhirniges) Ding bin, trainiere ich mit ihm und lege Leckerlis auf die andere Seite der Tür. Das ist in seinen Augen erst recht eine Beleidigung. Ob ich ihn verhöhnen will??? Er versucht, die Tür durch Schreien zu öffnen. Wahrscheinlich kennt er die Geschichte von Ali Baba und den 40 Räubern.

Ich stecke einen Finger durch den Vorhang.

Der Kater guckt.

Jetzt ist da eine ganze Hand. Sollte da etwa eine magische Öffnung sein? Er schnuppert.

Ich halte den Vorhang so weit auf, dass seine Nase hindurchpasst, und warte auf seine Reaktion.

Erst einmal gründlich nachdenken. Nach einigen Minuten bequemt er sich und drückt sich durch die Öffnung. Es hat ein wenig was von Leberwurst aus der Tube, nur in flauschig. Ich lobe, er futtert die Leckerlis.

Das ganze machen wir dreimal, ehe ich denke, dass er das Prinzip verstanden hat: Zwängt man sich mit genug Gewalt durch etwas hindurch, wird man belohnt. Wenn ich mir seinen Gesichtsausdruck beim Durch-den-Vorhang-Marschieren angucke, hält er das ganze trotzdem für eine Zumutung.

Gegen die Insekten hilft der Vorhang übrigens einigermaßen.

So ein schönes Wochenende, ich könnt glatt noch eins

Soviel Erholung bin ich gar nicht mehr gewohnt, ich sag’s dir. Der Freitag fing ja gar nicht vielversprechend an – mit Arbeit. Die hielt sich glücklicherweise allerdings in Grenzen, und kurz vor Feierabend meldete sich eine Freundin: Das hübsche Kleid, das ich in ihrem Laden Anfang April bewundert hatte, sei in meiner Größe eingetroffen. Also hab ich spontan den Wocheneinkauf abgesagt und bin stattdessen in die Stadt gefahren. Kleid anprobiert, gekauft, ein paar Besorgungen erledigt und mit der Freundin noch ein Feierabend-Kaltgetränk konsumiert. Das Wetter war ja auch hinreißend. Gut, jetzt hatten wir nichts zu Essen im Haus, weil ich halt nicht einkaufen war. Ich musste also notgedrungen Indisch bestellen. ^^

Den Einkauf hab ich am Samstag nachgeholt – nach einem geruhsamen Morgen mit etwas Häkeln, einem Spaziergang und Arbeit am aktuellen Manuskript. Den Haushalt hab ich auch irgendwie erledigt bekommen, war gar kein Aufriss. (Diesen Zaubertrick werde ich nie duplizieren können.) Abends, als der Mann unterwegs war, einen Kumpel zu treffen, hab ich erst Rote Bete eingekocht und danach weiter am Manuskript gearbeitet. Zur Belohnung hab ich mich danach mit einem Horrorfilm aufs Sofa zurückgezogen. Gut, da gab es einen kleinen Zwischenfall. Denn der Kater hatte offenbar beim Putzen zu viele Haare verschluckt. Erst hat er eine 5 cm-Haarwurst ausgekotzt. Dann hatte er ein Shit and Run, aber wegen all der verschluckten Haare ist ihm was am Hintern hängengeblieben.Das hat er schön einmal die Flurlänge entlanggerutscht. Ich hab also abends um elf noch fix die Kotze weggeputzt, die Katzenklos saubergemacht, des Katers Bremsspuren aufgewischt und desinfiziert und dem armen Tier den Hintern abgewischt. Hat er alles sehr geduldig über sich ergehen lassen.

Sonntag Morgen war dann so richtig dekadent. Ich hab Milchreis-Auflauf gemacht. Warme Süßspeisen esse hier im Haus nur ich, deswegen mach ich mir die Mühe nicht oft, doch da hatte ich richtig Lust drauf. Und der backt ja quasi auch von selbst, während ich es mir im Bad gemütlich gemacht hab. Danach etwas Lektüre, noch ein Spaziergang, ein wenig Balkonarbeit (ich hab endlich das Gemüse eingepflanzt!) und dann war es auch schon Zeit fürs Theater. Eine Freundin hat als Regisseurin mit einer freien Theatergruppe ein unglaublich lustiges Stück auf die Bühne gebracht, das konnte ich mir nicht entgehen lassen. Und weil der Mann mutig mitgegangen ist, obwohl ihm so Klamauk meist zu klamaukig ist, gab es zur Belohnung Abendessen aus seinem Lieblings-Fastfood-Restaurant. Eingeschlafen bin ich dann mit dem Kater im Arm, um heute morgen überraschend frisch aufzuwachen.

So fühlt es sich also an, wenn man mal ausgeruht ist. Faszinierend.

Zum Schluss eine kleine Bildcollage. Die Hintergründe kennst du ja jetzt. ^^

Vom Los der Schusseligkeit

Schon als Kind war ich schusselig. Das können bestimmt viele Leute bestätigen, deren Namen mir gerade nicht einfallen. Mit manchen von ihnen bin ich verwandt. ^^

Im Ernst. Ich habe keine Kontrolle über mein Gedächtnis. Sinnbefreite Liedtexte aus den Neunzigern? Check! Die Tatsache, dass der eine Mitschüler aus dem Sprechkurs am Anfang manchmal klang wie Grönemeyer? Check! Den Namen dieses Mitschülers hingegen vergesse ich, auch wenn ich ihn erst vor ein paar Tagen auf dem Bildschirm gesehen habe. (Er ist sehr nett.) Auch Namen von Leuten, die mir gerade erst genannt wurden, gehen oft gleich wieder unter. Überhaupt, Namen … Schall und Rauch, wir wissen es.

Auch im Alltag äußert meine Schusseligkeit sich manchmal auf lustige Weise. Ich bin Meisterin darin, einen Raum zu betreten und mich zu fragen, was ich hier eigentlich will. Oder neulich erst, da hatte ich meine orangefarbenen Jeans verlegt. Ich wusste, ich hatte sie gewaschen und zum Trocknen aufgehängt. Auf dem Wäscheständer waren sie allerdings nicht mehr, also musste ich sie weggeräumt haben. Nur: Wohin, zum Henker?

Kleiderschrank? Fehlanzeige. Wär aber auch zu einfach.

Der Stapel vor dem Schrank, wo all das Zeug wartet, das man eigentlich mal wieder wegräumen könnte? Auch nichts.

Jetzt sind so orangefarbene Jeans ja erstens durchaus eine Menge Stoff – und zweitens orangefarben. Die KANN man eigentlich nicht verlieren. Denkst du! Ich war mir nur sicher, dass sie trotz Beinen nicht weggelaufen wären. Irgendwann mussten sie wieder auftauchen.

Und weißt du, wo ich sie nach einer Woche gefunden habe?

Im Bücherregal. Logisch!

(Bücherregale enthalten alle Antworten. Und manchmal Jeans.)

Mehr Papier! „Hirschkönig“-Taschenbücher

In echt ist es noch schöner!

Egal, wie viele Bücher ich veröffentlicht habe, die ersten Exemplare eines neuen Buchs sind immer spannend! Darum heute auch zwei Posts. Das meiste davon geht mit auf die Leipziger Buchmesse, ein paar schicke ich vorher auf Reisen. Wer beispielsweise ein signiertes Exemplar haben möchte, kann sich direkt bei mir melden.

Aber erst einmal ist am Wochenende Basteln angesagt – Lesezeichen und der Buchkatalog für „13 mit Feder“, der Autor*innengruppe, mit der ich unter anderem auf der LBM bin. Wenn mich die Muße lässt, häkle ich auch noch ein paar Regenbogen-Patches. So ganz einfache, aus Gründen.

Außerdem findest du mich natürlich als Sorgenwandlerin bei PAN … mit neuem schickem T-Shirt. Allerdings brauchen wir wohl ein geheimes Erkennungszeichen.

Genug geschnattert. Hier warten eine Suppe und zwei Katzen auf meine Aufmerksamkeit.