Guter Rat ist teuer – schlechter Rat kann einen teuer zu stehen kommen

Das gilt nicht nur, aber auch für Schreibratschläge. Und von denen gibt es viele! Das Stichwort „Autorenratgeber“ allein hat über hundert Treffer bei Amazon. Für „Schreibratgeber“ sind es mehr als dreihundert. Und in denen steht nicht alles das gleiche – ganz im Gegenteil!

Einige raten dir, du sollst einen detaillierten Szenenplan schreiben.

Andere schwärmen von der „Schneeflockenmethode“.

Manchmal heißt es, man müsse erst komplett ausgearbeitete Charaktere haben, dann folge die Geschichte von ganz alleine.

Dann wiederum soll man am besten einfach blind in eine Szene springen und darauf hoffen, dass das Unterbewusstsein schon wisse, was es tut.

Ich könnte diese Liste fortsetzen, aber ich bin faul. Stattdessen wollte ich den besten und den schlechtesten Schreibratschlag, den ich je bekommen habe, mit euch teilen.

Mein absoluter, unbedingter Favorit:

Butt in chair!

Das heißt nicht unbedingt, dass man nur in einem Stuhl sitzend schreiben kann. Ich hab’s getestet: Sofa, Bett, Balkon, U-Bahn, … – Schreiben geht überall. Aber man muss es auch wirklich tun. Und dazu gehört, dass man auftaucht. Regelmäßig. Am besten jeden Tag. Auch wenn man keine Lust hat. Sonst träumt man sein Leben lang davon, dieses eine wunderbare Buch zu schreiben … sobald die Gelegenheit kommt. Und die kommt nicht, meine Lieben. Die ist schon da und wartet darauf, dass ihr eure Hintern in eure Schreibstühle pflanzt und loslegt.

Wer so starke Gefühle für so scheinbar triviale Ideen hegt, der hat doch bestimmt auch einen Ratschlag, mit dem ihn die Hassliebe verbindet. Und auch da kann ich euch etwas liefern:

Höre nicht auf das, was der Markt sagt!

Oh ja, der böse Markt. Echte Künstler richten sich nie nach dem Markt. Oder? Überlegt mal, was „der Markt“ in diesem Fall ist: Leute, die gerne lesen. Quasi deine Leser, wenn du es richtig machst. Und diese Leser wissen sehr genau, was sie mögen – nämlich Geschichten, die funktionieren. Vielleicht können sie dir nicht sagen, warum eine Geschichte funktioniert, aber man muss auch kein Pyrotechniker sein, um ein hübsches Feuerwerk zu genießen. Also lohnt es sich, zu schauen, was den Lesern gefällt – was euren potenziellen Lesern gefällt. Und wenn ihr wisst, wer diese Leser sind und was sie mögen, könnt ihr euch immer noch daran machen, mit den Erwartungen zu spielen. Aber „der Markt“ ist eben keine finstere, dir feindlich gesonnene Macht, die man nicht versteht. „Der Markt“ besteht aus Lesern, und Leser sind unsere Freunde.

(Das bedeutet natürlich nicht, dass ihr X Abklatsche der Spiegel-Bestsellerliste schreiben sollt. Was für eine langweilige Buchwelt wäre das denn! Aber sogar bei Büchern, die eigentlich nicht eurem Geschmack entsprechen, lässt sich mit ein wenig Ausprobieren leicht herausfinden, was die Leser reizt: Ist es die dramatische Geschichte? Ein brandaktuelles Thema? Interessante Charaktere? Schöne Sprache? … )

Hinter den Kulissen

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Das Autorenleben ist schon schön, nicht wahr? Wenigstens tun viele von uns online so, als sei die Schreiberei eine einzige Reihe aus betippten Seiten und Latte Macchiatos. Ich bin da gar keine große Ausnahme.

Was ich alles nicht erzähle:

  • Die extern ans Notebook angeschlossene ergonomische Tastatur, die gegen Karpaltunnelsyndrom helfen soll, kann ganz schön lästig sein.
  • An manchen Abenden quäle ich mich nach Büro, Sport, Haushalt noch einmal für eine Stunde an den Rechner und starre beim Tippen die ganze Zeit über auf den Wortzähler – sobald mein Minimum aufgebraucht ist, fliehe ich. Die Wörter müssen nicht einmal schön sein, nur zahlreich.
  • Bis man das nicht mehr merkt, braucht es mehrere Überarbeitungsrunden. Und ein Jungfrauenopfer.
  • Ich hasse Überarbeiten, aber es ist absolut notwendig. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich dabei oft erst feststelle, wie sehr mein erster/zweiter/drölfter Entwurf „all over the place“ ist und was man alles noch reparieren muss.
  • Marketing ist übrigens noch schlimmer als Überarbeiten. Hier ist meine Geschichte. Kauft sie. Sie ist gut. Muss ich wirklich noch mehr sagen?

Gut, vielleicht habt ihr mich über diese Dinge schon das eine oder andere Mal jammern hören. Weitere Dinge, die ich noch geheimer halte:

  • Es gibt Tage, da will ich alles einfach löschen und wegwerfen und nie wieder einen kreativen Satz schreiben.
  • Die Vorstellung, dass mir das Manuskript nach zwei Dritteln unter den Händen wegsterben könnte, verursacht mir Albträume.
  • Es macht sehr viel Spaß, in einer Bar zu sitzen, Cocktails zu trinken und darüber zu reden, dass ich ja Autorin sei. Und das funktioniert rein theoretisch sogar, wenn man seit Wochen keinen zusammenhängenden Absatz geschrieben hat.
  • Ich bin überzeugt, mein Leben wäre organisatorisch sehr viel einfacher, wenn ich diese lästige Schreiberei einfach sein lassen könnte.
  • Andererseits bin ich unerträglich, wenn ich drei Tage nicht geschrieben habe.

Tja, das ist die ungeschminkte Wahrheit. Kaffee gibt es natürlich trotzdem. Und nachdem man sich ordentlich ausgejammert hat, macht man genau da weiter, wo man aufgehört hat. Der nächste Entwurf wird dann auf einem höheren Level schlecht.

Buchmesse Hofheim – über Wachstumsschmerzen und Höflichkeit

Dieses Jahr gucke ich mir ja einige Klein- und Kleinstmessen an, Autorenveranstaltungen, Buchtreffen und überhaupt so Dingsies, auf denen man als Autorin etwas erleben kann.

Gestern war es also die Buchmesse in Hofheim. Vorab hatte ich gehört, die sei eher romance- und erotiklastig, aber die Auflistung der anderen Aussteller ließ mich hoffen, dass es bunt genug zugehen würde. Etwa 150 Kilometer, das ist innerhalb eines Tages auch gut zu schaffen, so dass ich morgens nur fix mit meinem Kaffee ins Auto springen musste (eingeladen hatte ich am Abend davor).

Die Location war gut zu finden und – bis auf die Treppe des Todes (man hätte auch einen Lastenaufzug verwenden können, aber ich bin ja nicht gerade für Vernunft im Angesicht von Hindernissen bekannt) – auch wirklich gut zu erreichen, der Aufbau war schön offen und durchdacht, die Organisation hat gut geklappt und der Kontakt zu den Verantwortlichen war immer freundlich.

Was fehlte, waren leider die Besucher. Zwar sind Autoren auch fast durch die Bank begeisterte Leser, aber unbeteiligte Neugierige kamen nur wenige. Woran das jetzt gelegen hat, lässt sich schlecht sagen – war das Wetter zu gut? Der Nahverkehr zu schlecht? Die Konkurrenz zu verlockend? Auf jeden Fall wurde im Verlauf des Tages schnell klar, dass kein großer Andrang zu erwarten war.

Für mich war das nicht weiter wild. Ich betrachte Messen vor allem als Networking-Gelegenheit. Die Gespräche mit anderen Schreibenden und Verlagspersonen waren kurzweilig und interessant, die anderen Bücher auch spannend (ich habe widerstanden und keins  gekauft – nicht einmal, als mir aus technischen Gründen der Lesestoff ausging) und obwohl wir an einem sonnigen Tag unter einem Flachdach saßen, blieb die Temperatur angenehm. Später hatte ich eine Lesung vor zwei Personen – auch das kein Drama, sondern gute Übung.

Man kann eben auch als Veranstalter nur Werbung machen. Die Besucher hintragen, das ist nicht drin. Wäre wahrscheinlich auch verboten.

Eine Sache hat mich allerdings dann doch stark geärgert: Verschiedene Leute haben ihrem Unmut über den geringen Besucherzustrom lautstark Luft gemacht. Ein Besucher, offenbar selbst vom Fach, ging tatsächlich von Stand zu Stand, um jedem, der es hören wollte, zu erzählen, dass er extra gekommen sei, um zu sehen, wie schlecht die Messe sei, und sie sei ja noch viel schlechter, als er erwartet habe! Ein anderer zog während seiner Lesung über die Unfähigkeit der Veranstalter her. Und dritte fingen im Verlauf des Nachmittags einfach an, ihren Stand abzubauen.

Und da muss ich sagen, das fand ich blöd. Wenn eine Messe nicht gut läuft, komme ich einfach im nächsten Jahr nicht wieder. Verbuche alles unter „Erfahrungswerte“ und überlege mir für die nächsten Besuche eine bessere Strategie. Aber ich gehe doch NICHT hin, vor allem nicht während der Veranstaltung, um den Veranstaltern noch eben schnell im Vorbeirennen ans Bein zu pinkeln. Das ist schlicht unhöflich.

Na ja, am Ende wurde die Messe etwas eher für beendet erklärt, als ursprünglich geplant war. Beim Abbau ging es noch einmal über die Treppe des Todes – endlich hat sich der Strongman Run gelohnt, da gab es höhere Hindernisse! Wo nötig, ging man einander noch schnell zur Hand, damit alles für die Fahrt sicher verstaut war, und dann war es Zeit, sich zu verabschieden.

Auch wenn Ruhm und Ehre wieder etwas länger auf sich warten lassen, war ich gerne auf der Buchmesse in Hofheim, soviel ist sicher. Schade, dass sie nicht funktioniert hat wie erwartet. Aber das kann man wohl letzten Endes nur ausprobieren und die Daumen gedrückt halten.

Die Qual der Wahl

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Höchste Zeit, die Steuererklärung in Angriff zu nehmen.

Gestern habe ich die halbe Wohnung aufgeräumt und den Eurovision Song Contest geguckt.

Heute war ich bereits laufen (elf Kilometer), habe gespült und Cupcakes gekauft. Außerdem braucht die Katze dringend mehr Zuneigung.

Ja, ich weiß. Steuererklärung. Die Software ist schon fast installiert.

Währenddessen jedoch stehe ich vor der Qual der Wahl: Welches Buch soll ich weiterlesen? Schließlich dauert so eine Installation eine Weile. Beide sind von Autorinnen, die ich persönlich „kenne“ (wenn auch in erster Linie online, wo eh alles gelogen ist – aus meiner Villa auf den Bahamas gesendet ^^ ) und unglaublich gut.

Von Meikes Talenten könnt ihr euch auf ihrem Blog selbst ein Bild machen. „Die Glorifizierung des Bandsalats“ versammelt einige ihrer treffendsten und lustigsten Beobachtungen zu Alltag und Alter. Und auch Julias Welt könnt ihr euch selbst anschauen, genau hier. Ich kann euch beide wärmstens ans Herz legen.

Mein Problem löst das natürlich kein Stück. Was lesen? Die Installation ist fast fertig, gerade sucht das Programm nach Updates. Dann steht meinem Steuer-Parcours nichts mehr im Weg. Dabei würde ich viel lieber lesen …

(Es ist übrigens quasi deutsches Recht, dass die Steuererklärung zwei Wochen braucht. Davon sind zehn Tage für Jammern reserviert, zwei für das Sortieren der Belege und einer, um erst fix die eigentliche Steuererklärung auszufüllen und dann die Katze zu streicheln.)

Oh, schaut, die Installation ist fertig. Dann gehe ich wohl und … lese noch ein wenig auf dem Balkon.

Ein kurzer Rückblick: Die Fabula Est 2019

Letzten Samstag war mal wieder Buch-Life angesagt: Zusammen mit der extrem hilfsbereiten Andrea ging es nach Solingen zur Fabula Est. Dort hatten wir einen ganzen Tisch für uns, und nachmittags durfte ich auch noch aus „Magie hinter den sieben Bergen: Winter“ vorlesen.

Viele (nicht nur) Schreibende fragen, wenn man von solchen Events erzählt: „Und, hat es sich gelohnt?“ Ich bin nie ganz sicher, was dann von mir erwartet wird, deswegen einmal eine Aufdröselung:

Rein wirtschaftlich betrachtet ist so ein Event für Kleinst-Mini-Winz-Autorinnen wie mich meistens ein Reinfall. Ich rechne mir gar nicht aus, was ich verkaufen müsste, ehe Standkosten, Fahrtkosten, Deko, Zeitaufwand, Verpflegung etc. „wieder drin wären“. Sagen wir soviel: Reich wird man auf jeden Fall nicht, eher im Gegenteil.

ABER: Man lernt sehr viele tolle Leute kennen. Andere Autor*Innen, Blogger*Innen, generell lesende Menschen. Es ergeben sich viele lustige Gespräche, nicht nur zum Fachthema. Und natürlich: Ich lese ja selbst, wenn man mich lässt. Also ist es auch immer eine tolle Gelegenheit, viele neue Bücher zu sehen, die ich so vielleicht gar nicht bemerkt hätte. (Wobei ich mich diesmal arg zurückgehalten habe, schließlich wollte ich nicht mehr mitschleppen, als ich hingebracht habe.)

Ich kann auf jeden Fall sagen, dass mir solche Events überraschend viel Freude bereiten, und ich bin bestimmt nicht zum letzten Mal in „Buch-Life-Mission“ unterwegs.

Zum Schluss ein paar Links:

Fabula Est

Chii Rempel

Andrea die Lüsterne

Lifehacks, die keiner braucht

Wenn wir auf der Arbeit fünf Minuten Abwechslung brauchen, teilen wir lustige Artikel miteinander. Ganz vorne dabei sind Sammlungen von sogenannten „Life Hacks“ – unorthodoxe Ideen, mit denen man sich das Leben angeblich viel einfacher macht. Angeblich – im Ernst, viele dieser sogenannten Lifehacks sind überflüssig, dämlich … oder im besten Fall sogar gefährlich (oder möchte sich einer von euch Zahnpasta auf die Augenringe machen?).

Deswegen stelle ich euch heute meine ganz persönlichen Life Hacks für alle Lebenslagen vor. Anwendung auf eigene Gefahr.

  • Im Restaurant kleckerst du dich immer voll? Iss nackt!
  • Lästige Pickel im Gesicht? Mal mit Konturenstift Pfeile und Herzchen auf deine Stirn, und niemand wird auf deine Pickel achten!
  • Kein Geld für Permanent MakeUp? Edding als Eyeliner-Ersatz!
  • Teure Urlaubspläne? Lass dich vom Drogenkartell entführen und verlange Geld dafür, dass du sie wieder in Ruhe lässt.
  • Radfahren ohne beschmierte Hosenbeine? Zieh die Hose erst an, wenn du angekommen bist, das ist auch schön luftig.

REZENSION: Wyvern: Das Streben des Jägers

Wyvern

LINK

KLAPPENTEXT:

»Du hast sicherlich schon von den Reitern gehört?«
»Gerüchte, ja. Blutreiter vom Roten Gebirge. Menschen, die ihre Seelen der Wilden Jagd verkauft haben, derer sie nun dienen. Schauermärchen.«
»Ganz und gar nicht. Wie so oft versteckt sich die Wahrheit in einer Hülle aus Hirngespinsten und Legenden.«

Der unehrenhafte Tod Jergan van Cohens liegt lange zurück. Sein Zögern, einen Blutreiter zu töten, wurde ihm im Kampf gegen dessen Wyvern zum Verhängnis.
Tarik verschreibt sein Leben dem Ziel, den Namen seines Vaters reinzuwaschen. Als Jäger will er sich und seinen zehnjährigen Bruder Quirin aus den Armenvierteln Canthars herausbringen doch obwohl er zu den besten Schülern der Akademie gehört, will ihm die Kommission die Zulassung zur letzten Prüfung erneut verweigern.
Sein Mentor Khaled setzt sich für ihn ein, doch da verstößt Quirin gegen eines der strengsten Gesetze der Stadt. Er versteckt das Ei eines Wyvern in einer Grotte.
Und die geflügelte Echse schlüpft.

Vorab sei gesagt, dass ich das eBook „Wyvern: Das Streben des Jägers“ von der Autorin Veronika Serwotka als Rezensionsexemplar bekommen habe, um das ich mich vorab beworben hatte. Auf meine Meinung zu diesem Buch hat das natürlich keinen Einfluss.

Zuerst möchte ich positiv betonen, dass viele Tropes, von denen man (oder wenigstens ich, vielleicht ist das so eine Art literarischer Würgereflex?) das kalte Kotzen bekommt, in diesem Buch großzügig ausgelassen werden. Tarik, der Protagonist, ist kein junger enthusiastischer Hitzkopf, der durch Lektionen in Sachen Demut zum Helden wird. Seine Freundin Fajeth ist keine hilflose Blume, die gerettet werden muss. Es gibt kein Liebeswerben oder romantische Missverständnisse, die sich mit einem einfachen Gespräch unter vernünftigen Menschen aus der Welt räumen ließen. Ebenfalls fehlen schwache Erwachsene, die den jungen Protagonisten zur Last fallen und sie zwingen, Verantwortung zu übernehmen.

Stattdessen begegnen wir zwei Jungen – beziehungsweise einem jungen Mann und dessen jüngerem Bruder Quirin – die ohne Eltern aufwachsen. Der junge Mann, Tarik, bemüht sich darum, endlich die Prüfung abzulegen und offiziell in die Ränge der Wyvern-Jäger aufgenommen zu werden. Die Phase vor der Prüfung ist sehr anstrengend, weswegen ihm entgeht, dass sein Bruder etwas sehr Leichtsinniges macht: Er brütet einen Wyvern aus …

Soweit die Anfangssituation. Und jetzt komme ich zu meinem Hauptkritikpunkt an dem Buch: Was ich gerade in einem Absatz zusammengefasst habe, nimmt ungefähr die ersten zwei Drittel des Buches ein. Mit viel Liebe zum Detail wird das Leben in der Wyvernjägerstadt Canthar beschrieben, einschließlich der Beziehungen aller möglichen und unmöglichen Charaktere. Als Leserin bekommt man erklärt, weswegen alle die Wyvern hassen und wie die Gesellschaft aufgebaut ist. ERST DANN kommt tatsächlich Bewegung in die Sache, als man über Quirins Beziehung zu seinem frischgeschlüpften Wyvern erfährt und mitbekommt, wie hart einige Leute in der Stadt dagegen kämpfen, dass Tarik endlich seine Prüfung ablegen kann. Gegen Ende wird es richtig spannend und ich möchte durchaus wissen, wie die Geschichte weitergeht, aber dass ich es überhaupt soweit geschafft habe, ist unter anderem den wunderschönen sonnigen Ostertagen auf dem Balkon geschuldet. Vielleicht bin ich zu ungeduldig?

Wer sich gerne in fremde Welten entführen lässt und die Atmosphäre in exotischen Städten genießt, ist mit „Wyvern: Das Streben des Jägers“ auf jeden Fall gutbedient und wird das Leseabenteuer genießen.

Kurz vor dem sicheren Hafen der Ehe

… nein, nicht ich. Wo denkt ihr hin? Eine gute Freundin hat sich nach ausgiebiger Prüfung entschlossen, dass es jetzt auch nicht mehr drauf ankommt, und heiratet demnächst. Und was kommt davor?

Der Junggesellinnenabschied.

So richtig wild soll es nicht werden, das steht schonmal fest. Wir sind schließlich alle nicht mehr die Jüngsten. Ein bisschen Wellness wäre schön. Oh, und es muss bald stattfinden, denn ihre Hochzeit ist Anfang Mai.

Warum müssen manche Leute immer so furchtbar spontan sein?

Und wisst ihr, wer gar nicht spontan ist?

MENSCHEN ÜBER DREISSIG.

Ich also, herzensgute Person, versuche vergeblich, mehr als zwei Personen mit eigenem Leben und vollem Terminkalender an einem Samstag im April zu versammeln, damit wir es uns mit der Braut noch einmal gemütlich machen können.

Im Moment sieht es aus, als seien wir zu viert (inklusive Braut). Eine weitere gemeinsame Freundin feuert uns aus der Ferne an, die ist selbst schwanger und fühlt sich soviel Aufregung nicht gewachsen.

Als nächstes: Der Zeitplan. Wir können nicht zu früh anfangen, sollten aber auch nicht zu spät aufhören. Nach einigem Schieben sieht es so aus, als könne alle Bespaßung zwischen 15:30 und 21:00 h stattfinden. Mein einziger Trost: Richtig teuer wird es in der kurzen Zeit wahrscheinlich auch nicht.

Eine fünfte Person meldet sich spontan. Das geht nicht mit rechten Dingen zu.

Einige Tage später hasst uns der Wellness-Anbieter nach mehreren spontanen Umentscheidungen wahrscheinlich, und ich fürchte, dass wir einen „Spezialaufguss“ mit Biberurin oder so bekommen. Ich versuche, diverse Sonderwünsche und Planänderungen mit extraviel Lob in den E-Mails zu polstern. Die arme Dame, die das alles organisieren muss, tut mir leid – auch wenn sie inzwischen rote Farbe für die Schrift ihrer E-Mails nutzt und nur noch fett gedruckt kommuniziert.

Nachdem wir der Braut glaubhaft versichert haben, sie müsse eine Rheumadecke kaufen und/oder werde mit Schnee abgerieben und/oder auf der Beueler Seite im Rheinufer vergraben, wird es doch noch ganz gemütlich. Zwischen Wellness und Restaurant finden wir sogar noch Zeit für Cocktails. Und obwohl es an diesem Tag DREIMAL auf mich draufschneit (im April, wohlgemerkt), finde ich es gar nicht so furchtbar. Kein Wunder, ist ja auch hervorragend organisiert. Und wenn man davon absieht, dass wir wahrscheinlich das komplette libanesische Restaurant mit unserem „Penis Talk“ unterhalten haben, waren wir auch wirklich zivilisiert. (Psst, die Braut hat eine rohe Paprikaschote mitgehen lassen!)

Auf jeden Fall ein weiteres gutes Argument dafür, einfach durchzubrennen und niemandem von der Hochzeit zu erzählen, bis das Erstgeborene Abi macht.

 

Neues aus der Tentakelwelt

Wenn man Erscheinungen hat, kann man einiges tun. Zum Arzt gehen, beispielsweise. Oder sich informieren, wie das mit der Seligsprechung denn wohl funktioniert.

Oder man macht es wie ich und listet die eigenen Erscheinungen auf: ERSCHEINUNGEN.

Manchmal bin ich nämlich wie ein Hirngespinst, oder eine Vision. Ich erscheine – auch euch, wenn ihr wollt, dafür müsst ihr nur an den entsprechenden Tagen zu den entsprechenden Veranstaltungen kommen. Und damit ihr euch mit mir nicht langweilt, bringe ich noch etwas mit: Andrea mit Hut. Oder vielleicht auch nur den Hut, ohne Andrea. Die braucht schließlich auch mal Urlaub.

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Den Hut hat Andrea übrigens bei Miranda’s Choice in Auftrag gegeben. Geht hin, kauft Kopfschmuck! (Als nächstes hätte ich gerne eine Tentakelfliege.)

Der Duft des Frühlings

Der Gartenfrühling hat begonnen.

Der Gartenfrühling ist eine besonderes Variante des regulären Frühlings.

Und woran erkennt man, dass der Gartenfrühling begonnen hat?

Nun, wenigstens in einer guten deutschen Siedlung am Benzinduft, der an einem Samstag Vormittag in der Luft liegt, begleitet vom lieblichen Gesang der Laubbläser.

Denn ihr müsst wissen, Dinge wie Besen oder Laubrechen sind Instrumente des Teufels, mit denen er den braven deutschen Gärtner im zwanzigsten Jahrhundert festhalten will, als man noch nicht fossile Brennstoffe verschwendet hat, um die Natur im heimischen Garten sauber und ordentlich aufzuhäufen.

Ich sitze also bei offener Balkontür auf dem Sofa und lese mein Magazin. Einige Etagen unter mir tobt sich der Laubbläser so richtig aus.

Gute deutsche Gartenordnung!

Auf unserem Balkon stehen die leeren Pflanzkästen und -kübel vom letzten Jahr. Der Apfelbaum treibt bereits Blüten. Die leeren Bierkästen könnte ich mal entsorgen. Unter dem Balkondach sammeln sich Spinnweben. Auf dem größten Pflanzkasten steht eine Schale mit Murmeln und Zuckerwasser für die Bienen. Der Kater thront auf der Rückenlehne des Balkonstuhls, den ich natürlich nicht im Herbst in den Keller getragen habe. Er sonnt sich.

Nach einer halben Stunde verstummt der Laubbläser, pünktlich zur Mittagszeit.

Eine milde Brise lässt den Wohnzimmervorhang wallen. Stille breitet sich aus Es riecht wieder nach Frühling.

Ist das Leben nicht schön?