Du sollst keine Idole neben mir haben

Wusstet ihr eigentlich, dass Berühmtheiten auch Menschen sind?

o.o

Echt! Manche bohren sogar in der Nase. (Eigentlich fast alle, möchte ich meinen, wenn ich an der Ampel so in die wartenden Autos reinschaue.)

Früher hat man das ja gar nicht so mitbekommen. Also, das In-der-Nase-Bohren vielleicht schon, Autos hatten ja immer schon Fenster. Ist beim Fahren auch praktisch, das Rausgucken. Aber das mit den Prominenten-Nasen?

Früher gab es Klatschblätter und gelegentliche „Home Stories“. Stars waren Stars und blieben geheimnisvoll, exotisch, glamourös.

Heute gibt es das Internet. Alle möglichen und unmöglichen Fotos sind jederzeit überall schnell zu finden. Aber nicht nur das – eure Idole haben alle nur erdenklichen Möglichkeiten, sich schnell und für die Nachwelt leicht nachvollziehbar zum Narren zu machen.

Bestes Beispiel: Twitter. Wieviel Schaden kann man in 280 Zeichen schon anrichten? Fragt Elon Musk. Oder Donald Trump. Immer wieder unterhaltsam. Und auch wenn man schnell zur Besinnung kommt und seine Dummheiten wieder löscht – so ganz weg sind die nie. Vertraut mir.

Instagram und Facebook funktionieren da ganz ähnlich. Und wie hieß noch gleich diese Mid-Prominente, die im Sportstudio Fotos einer fremden Frau machte und sie auf Snapchat postete? Ja, solche Geschichten sind für die Ewigkeit. Sogar bei Snapchat.

Ich bin persönlich ja schon froh, dass meine jugendlichen Dummheiten und Teenage-Dramen noch überwiegend offline stattfanden. Mein erstes (und zweites und drittes) Handy konnte gar kein Internet, und SMS kosteten 49 Pfennig, wenn ich mich richtig erinnere.

Und für den Fall, dass ich reich und berühmt werde, habe ich auch schon eine Strategie: Ich poste alle Peinlichkeiten einfach selbst und bleibe so immer eine „Frau des Volks“. Und falls ihr mich mal im Auto an der Ampel warten seht – ich bohre nicht in der Nase. Ich justiere mein Gehirn.

Heimaturlaub für Lesende

Es gibt bestimmte Orte, da fährt man immer wieder gerne hin und freut sich das ganze Jahr über auf den Moment, wenn man endlich wieder an „seinem“ perfekten Urlaubsort ist.

Manche Bücher sind genauso – man kann sie immer wieder aufschlagen und ist sofort hin und weg, in einer vertrauten und immer wieder spannenden Welt. Wenn man diese Bücher zu unterschiedlichen Lebenszeiten liest, entdeckt man immer wieder neue Details, die plötzlich an Bedeutung gewinnen, und verliebt sich im besten Fall jedes Mal ein wenig mehr.

Eines dieser Bücher ist für mich (nicht das schon wieder!) „American Gods“ von Neil Gaiman. „Stardust“ (deutsch „Der Sternwanderer“) ist ein zweites. Und natürlich, obwohl für mich eher untypisch: „The Time Traveller’s Wife“. Ich bin nicht für Romantik. Außer in diesem einen Fall. Es ist merkwürdig. Ich liebe dieses Buch. Und dann gibt es die Kindheitsschätze, beispielsweise „Die unendliche Geschichte“, davon haben wir sogar das Brettspiel im Regal stehen (und ich gebe es nicht weg). „Haifischfrauen“ von Kiana Davenport, „Hundert Jahre Einsamkeit“ von Gabriel García Marquez. Wunderschöne Bücher, die ich gerne immer wieder besuche.

Manchmal kommt man aber auch nach vielen Jahren an einem Ort an, an dem man früher gerne Urlaub gemacht hat, und stellt fest, dass sich irgendwas verändert hat. Die Atmosphäre ist nicht mehr magisch, sondern bedrückend. Es gibt zuviel Asphalt, zu wenig Bäume, und die verwunschene Ruine sieht auf einmal nur marode aus. Vielleicht versucht man noch für ein paar Tage, den alten Zauber wiederzubeleben, aber es ist für gewöhnlich sinnlos. Zurück bleibt die Hoffnung, dass diese Entzauberung die alten Erinnerungen nicht verderben konnte.

Auch solche Bücher habe ich. „Die Nebel von Avalon“ gehört dazu. Früher eines meiner Lieblingsbücher, heute … geht nicht mehr. Tut mir leid, es ist schade drum. „Die Tochter der Wälder“ von Juliet Marillier und „Winterrose“ von Patricia A. McKillip gehören ebenfalls dazu, und „Die Geisha“ von Arthur Golden. Ich erinnere mich noch gut an die Begeisterung beim ersten Lesen, kann sie aber heute nicht wieder hervorrufen.

Manche Bücher kenne ich noch nicht so lange und hoffe natürlich, dass sie sich auch zu „Traumurlaubsbüchern“ entwickeln. Aber so richtig sicher kann man das nie vorhersagen. Woher sollte ich auch jetzt schon wissen, was für eine Leserin ich in zehn oder dreißig Jahren sein werde?

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Die Geschichte eines Autogramms und einer Freundschaft

IMG_2246Es ist schon ein paar Jahre her. Neil Gaiman, einer meiner absoluten literarischen Helden, kam nach Deutschland. Nach Hamburg, um genau zu sein. Und ich konnte nicht hin. Keine Ahnung, warum das so war, aber ich jammerte auf jeden Fall lautstark. Zuhause, vor Freunden und natürlich auch online. Twitter war das Mittel meiner Wahl.

Und irgendwie war Twitter damals noch freundlicher, oder vielleicht war meine Filterblase gemütlicher? Auf jeden Fall tauchte ein mir völlig unbekannter Neil-Gaiman-Fan in meiner Timeline auf und bot mir an, mir ein Autogramm zu besorgen. Sie wolle sowieso hin. Ich machte ihr wilde Versprechungen – unter anderem war von meinem Erstgeborenen und von Kuchen die Rede – und wenige Tage später zog ich tatsächlich dieses wunderschöne Autogramm aus einem Umschlag.

Einmal mehr hatte es sich gelohnt, wildfremden Leuten im Internet meine Adresse zu geben.

Seitdem verbindet mich mit Marian eine Freundschaft, obwohl wir einander noch nie begegnet sind. Sie schreibt prämierte Liebesromane, die mich bestimmt aus den Socken hauen würden, wenn ich eine romantische Ader hätte, versteht viel von Musik und Kunst und wartet immer noch auf ihren Kuchen. Das ist nicht vergessen, ich schwöre! Nur kommen wir irgendwie nie Richtung Hamburg, obwohl der Mann dort auch noch Freunde besuchen muss. Vielleicht kann ich ihn irgendwann mal mit Musicaltickets überraschen?

Und das Autogramm hängt seitdem als heißgeliebter Schatz in unserem Wohnzimmer.

Guter Rat ist teuer – schlechter Rat kann einen teuer zu stehen kommen

Das gilt nicht nur, aber auch für Schreibratschläge. Und von denen gibt es viele! Das Stichwort „Autorenratgeber“ allein hat über hundert Treffer bei Amazon. Für „Schreibratgeber“ sind es mehr als dreihundert. Und in denen steht nicht alles das gleiche – ganz im Gegenteil!

Einige raten dir, du sollst einen detaillierten Szenenplan schreiben.

Andere schwärmen von der „Schneeflockenmethode“.

Manchmal heißt es, man müsse erst komplett ausgearbeitete Charaktere haben, dann folge die Geschichte von ganz alleine.

Dann wiederum soll man am besten einfach blind in eine Szene springen und darauf hoffen, dass das Unterbewusstsein schon wisse, was es tut.

Ich könnte diese Liste fortsetzen, aber ich bin faul. Stattdessen wollte ich den besten und den schlechtesten Schreibratschlag, den ich je bekommen habe, mit euch teilen.

Mein absoluter, unbedingter Favorit:

Butt in chair!

Das heißt nicht unbedingt, dass man nur in einem Stuhl sitzend schreiben kann. Ich hab’s getestet: Sofa, Bett, Balkon, U-Bahn, … – Schreiben geht überall. Aber man muss es auch wirklich tun. Und dazu gehört, dass man auftaucht. Regelmäßig. Am besten jeden Tag. Auch wenn man keine Lust hat. Sonst träumt man sein Leben lang davon, dieses eine wunderbare Buch zu schreiben … sobald die Gelegenheit kommt. Und die kommt nicht, meine Lieben. Die ist schon da und wartet darauf, dass ihr eure Hintern in eure Schreibstühle pflanzt und loslegt.

Wer so starke Gefühle für so scheinbar triviale Ideen hegt, der hat doch bestimmt auch einen Ratschlag, mit dem ihn die Hassliebe verbindet. Und auch da kann ich euch etwas liefern:

Höre nicht auf das, was der Markt sagt!

Oh ja, der böse Markt. Echte Künstler richten sich nie nach dem Markt. Oder? Überlegt mal, was „der Markt“ in diesem Fall ist: Leute, die gerne lesen. Quasi deine Leser, wenn du es richtig machst. Und diese Leser wissen sehr genau, was sie mögen – nämlich Geschichten, die funktionieren. Vielleicht können sie dir nicht sagen, warum eine Geschichte funktioniert, aber man muss auch kein Pyrotechniker sein, um ein hübsches Feuerwerk zu genießen. Also lohnt es sich, zu schauen, was den Lesern gefällt – was euren potenziellen Lesern gefällt. Und wenn ihr wisst, wer diese Leser sind und was sie mögen, könnt ihr euch immer noch daran machen, mit den Erwartungen zu spielen. Aber „der Markt“ ist eben keine finstere, dir feindlich gesonnene Macht, die man nicht versteht. „Der Markt“ besteht aus Lesern, und Leser sind unsere Freunde.

(Das bedeutet natürlich nicht, dass ihr X Abklatsche der Spiegel-Bestsellerliste schreiben sollt. Was für eine langweilige Buchwelt wäre das denn! Aber sogar bei Büchern, die eigentlich nicht eurem Geschmack entsprechen, lässt sich mit ein wenig Ausprobieren leicht herausfinden, was die Leser reizt: Ist es die dramatische Geschichte? Ein brandaktuelles Thema? Interessante Charaktere? Schöne Sprache? … )

Hinter den Kulissen

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Das Autorenleben ist schon schön, nicht wahr? Wenigstens tun viele von uns online so, als sei die Schreiberei eine einzige Reihe aus betippten Seiten und Latte Macchiatos. Ich bin da gar keine große Ausnahme.

Was ich alles nicht erzähle:

  • Die extern ans Notebook angeschlossene ergonomische Tastatur, die gegen Karpaltunnelsyndrom helfen soll, kann ganz schön lästig sein.
  • An manchen Abenden quäle ich mich nach Büro, Sport, Haushalt noch einmal für eine Stunde an den Rechner und starre beim Tippen die ganze Zeit über auf den Wortzähler – sobald mein Minimum aufgebraucht ist, fliehe ich. Die Wörter müssen nicht einmal schön sein, nur zahlreich.
  • Bis man das nicht mehr merkt, braucht es mehrere Überarbeitungsrunden. Und ein Jungfrauenopfer.
  • Ich hasse Überarbeiten, aber es ist absolut notwendig. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich dabei oft erst feststelle, wie sehr mein erster/zweiter/drölfter Entwurf „all over the place“ ist und was man alles noch reparieren muss.
  • Marketing ist übrigens noch schlimmer als Überarbeiten. Hier ist meine Geschichte. Kauft sie. Sie ist gut. Muss ich wirklich noch mehr sagen?

Gut, vielleicht habt ihr mich über diese Dinge schon das eine oder andere Mal jammern hören. Weitere Dinge, die ich noch geheimer halte:

  • Es gibt Tage, da will ich alles einfach löschen und wegwerfen und nie wieder einen kreativen Satz schreiben.
  • Die Vorstellung, dass mir das Manuskript nach zwei Dritteln unter den Händen wegsterben könnte, verursacht mir Albträume.
  • Es macht sehr viel Spaß, in einer Bar zu sitzen, Cocktails zu trinken und darüber zu reden, dass ich ja Autorin sei. Und das funktioniert rein theoretisch sogar, wenn man seit Wochen keinen zusammenhängenden Absatz geschrieben hat.
  • Ich bin überzeugt, mein Leben wäre organisatorisch sehr viel einfacher, wenn ich diese lästige Schreiberei einfach sein lassen könnte.
  • Andererseits bin ich unerträglich, wenn ich drei Tage nicht geschrieben habe.

Tja, das ist die ungeschminkte Wahrheit. Kaffee gibt es natürlich trotzdem. Und nachdem man sich ordentlich ausgejammert hat, macht man genau da weiter, wo man aufgehört hat. Der nächste Entwurf wird dann auf einem höheren Level schlecht.

Buchmesse Hofheim – über Wachstumsschmerzen und Höflichkeit

Dieses Jahr gucke ich mir ja einige Klein- und Kleinstmessen an, Autorenveranstaltungen, Buchtreffen und überhaupt so Dingsies, auf denen man als Autorin etwas erleben kann.

Gestern war es also die Buchmesse in Hofheim. Vorab hatte ich gehört, die sei eher romance- und erotiklastig, aber die Auflistung der anderen Aussteller ließ mich hoffen, dass es bunt genug zugehen würde. Etwa 150 Kilometer, das ist innerhalb eines Tages auch gut zu schaffen, so dass ich morgens nur fix mit meinem Kaffee ins Auto springen musste (eingeladen hatte ich am Abend davor).

Die Location war gut zu finden und – bis auf die Treppe des Todes (man hätte auch einen Lastenaufzug verwenden können, aber ich bin ja nicht gerade für Vernunft im Angesicht von Hindernissen bekannt) – auch wirklich gut zu erreichen, der Aufbau war schön offen und durchdacht, die Organisation hat gut geklappt und der Kontakt zu den Verantwortlichen war immer freundlich.

Was fehlte, waren leider die Besucher. Zwar sind Autoren auch fast durch die Bank begeisterte Leser, aber unbeteiligte Neugierige kamen nur wenige. Woran das jetzt gelegen hat, lässt sich schlecht sagen – war das Wetter zu gut? Der Nahverkehr zu schlecht? Die Konkurrenz zu verlockend? Auf jeden Fall wurde im Verlauf des Tages schnell klar, dass kein großer Andrang zu erwarten war.

Für mich war das nicht weiter wild. Ich betrachte Messen vor allem als Networking-Gelegenheit. Die Gespräche mit anderen Schreibenden und Verlagspersonen waren kurzweilig und interessant, die anderen Bücher auch spannend (ich habe widerstanden und keins  gekauft – nicht einmal, als mir aus technischen Gründen der Lesestoff ausging) und obwohl wir an einem sonnigen Tag unter einem Flachdach saßen, blieb die Temperatur angenehm. Später hatte ich eine Lesung vor zwei Personen – auch das kein Drama, sondern gute Übung.

Man kann eben auch als Veranstalter nur Werbung machen. Die Besucher hintragen, das ist nicht drin. Wäre wahrscheinlich auch verboten.

Eine Sache hat mich allerdings dann doch stark geärgert: Verschiedene Leute haben ihrem Unmut über den geringen Besucherzustrom lautstark Luft gemacht. Ein Besucher, offenbar selbst vom Fach, ging tatsächlich von Stand zu Stand, um jedem, der es hören wollte, zu erzählen, dass er extra gekommen sei, um zu sehen, wie schlecht die Messe sei, und sie sei ja noch viel schlechter, als er erwartet habe! Ein anderer zog während seiner Lesung über die Unfähigkeit der Veranstalter her. Und dritte fingen im Verlauf des Nachmittags einfach an, ihren Stand abzubauen.

Und da muss ich sagen, das fand ich blöd. Wenn eine Messe nicht gut läuft, komme ich einfach im nächsten Jahr nicht wieder. Verbuche alles unter „Erfahrungswerte“ und überlege mir für die nächsten Besuche eine bessere Strategie. Aber ich gehe doch NICHT hin, vor allem nicht während der Veranstaltung, um den Veranstaltern noch eben schnell im Vorbeirennen ans Bein zu pinkeln. Das ist schlicht unhöflich.

Na ja, am Ende wurde die Messe etwas eher für beendet erklärt, als ursprünglich geplant war. Beim Abbau ging es noch einmal über die Treppe des Todes – endlich hat sich der Strongman Run gelohnt, da gab es höhere Hindernisse! Wo nötig, ging man einander noch schnell zur Hand, damit alles für die Fahrt sicher verstaut war, und dann war es Zeit, sich zu verabschieden.

Auch wenn Ruhm und Ehre wieder etwas länger auf sich warten lassen, war ich gerne auf der Buchmesse in Hofheim, soviel ist sicher. Schade, dass sie nicht funktioniert hat wie erwartet. Aber das kann man wohl letzten Endes nur ausprobieren und die Daumen gedrückt halten.

Die Qual der Wahl

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Höchste Zeit, die Steuererklärung in Angriff zu nehmen.

Gestern habe ich die halbe Wohnung aufgeräumt und den Eurovision Song Contest geguckt.

Heute war ich bereits laufen (elf Kilometer), habe gespült und Cupcakes gekauft. Außerdem braucht die Katze dringend mehr Zuneigung.

Ja, ich weiß. Steuererklärung. Die Software ist schon fast installiert.

Währenddessen jedoch stehe ich vor der Qual der Wahl: Welches Buch soll ich weiterlesen? Schließlich dauert so eine Installation eine Weile. Beide sind von Autorinnen, die ich persönlich „kenne“ (wenn auch in erster Linie online, wo eh alles gelogen ist – aus meiner Villa auf den Bahamas gesendet ^^ ) und unglaublich gut.

Von Meikes Talenten könnt ihr euch auf ihrem Blog selbst ein Bild machen. „Die Glorifizierung des Bandsalats“ versammelt einige ihrer treffendsten und lustigsten Beobachtungen zu Alltag und Alter. Und auch Julias Welt könnt ihr euch selbst anschauen, genau hier. Ich kann euch beide wärmstens ans Herz legen.

Mein Problem löst das natürlich kein Stück. Was lesen? Die Installation ist fast fertig, gerade sucht das Programm nach Updates. Dann steht meinem Steuer-Parcours nichts mehr im Weg. Dabei würde ich viel lieber lesen …

(Es ist übrigens quasi deutsches Recht, dass die Steuererklärung zwei Wochen braucht. Davon sind zehn Tage für Jammern reserviert, zwei für das Sortieren der Belege und einer, um erst fix die eigentliche Steuererklärung auszufüllen und dann die Katze zu streicheln.)

Oh, schaut, die Installation ist fertig. Dann gehe ich wohl und … lese noch ein wenig auf dem Balkon.

Ein kurzer Rückblick: Die Fabula Est 2019

Letzten Samstag war mal wieder Buch-Life angesagt: Zusammen mit der extrem hilfsbereiten Andrea ging es nach Solingen zur Fabula Est. Dort hatten wir einen ganzen Tisch für uns, und nachmittags durfte ich auch noch aus „Magie hinter den sieben Bergen: Winter“ vorlesen.

Viele (nicht nur) Schreibende fragen, wenn man von solchen Events erzählt: „Und, hat es sich gelohnt?“ Ich bin nie ganz sicher, was dann von mir erwartet wird, deswegen einmal eine Aufdröselung:

Rein wirtschaftlich betrachtet ist so ein Event für Kleinst-Mini-Winz-Autorinnen wie mich meistens ein Reinfall. Ich rechne mir gar nicht aus, was ich verkaufen müsste, ehe Standkosten, Fahrtkosten, Deko, Zeitaufwand, Verpflegung etc. „wieder drin wären“. Sagen wir soviel: Reich wird man auf jeden Fall nicht, eher im Gegenteil.

ABER: Man lernt sehr viele tolle Leute kennen. Andere Autor*Innen, Blogger*Innen, generell lesende Menschen. Es ergeben sich viele lustige Gespräche, nicht nur zum Fachthema. Und natürlich: Ich lese ja selbst, wenn man mich lässt. Also ist es auch immer eine tolle Gelegenheit, viele neue Bücher zu sehen, die ich so vielleicht gar nicht bemerkt hätte. (Wobei ich mich diesmal arg zurückgehalten habe, schließlich wollte ich nicht mehr mitschleppen, als ich hingebracht habe.)

Ich kann auf jeden Fall sagen, dass mir solche Events überraschend viel Freude bereiten, und ich bin bestimmt nicht zum letzten Mal in „Buch-Life-Mission“ unterwegs.

Zum Schluss ein paar Links:

Fabula Est

Chii Rempel

Andrea die Lüsterne

Lifehacks, die keiner braucht

Wenn wir auf der Arbeit fünf Minuten Abwechslung brauchen, teilen wir lustige Artikel miteinander. Ganz vorne dabei sind Sammlungen von sogenannten „Life Hacks“ – unorthodoxe Ideen, mit denen man sich das Leben angeblich viel einfacher macht. Angeblich – im Ernst, viele dieser sogenannten Lifehacks sind überflüssig, dämlich … oder im besten Fall sogar gefährlich (oder möchte sich einer von euch Zahnpasta auf die Augenringe machen?).

Deswegen stelle ich euch heute meine ganz persönlichen Life Hacks für alle Lebenslagen vor. Anwendung auf eigene Gefahr.

  • Im Restaurant kleckerst du dich immer voll? Iss nackt!
  • Lästige Pickel im Gesicht? Mal mit Konturenstift Pfeile und Herzchen auf deine Stirn, und niemand wird auf deine Pickel achten!
  • Kein Geld für Permanent MakeUp? Edding als Eyeliner-Ersatz!
  • Teure Urlaubspläne? Lass dich vom Drogenkartell entführen und verlange Geld dafür, dass du sie wieder in Ruhe lässt.
  • Radfahren ohne beschmierte Hosenbeine? Zieh die Hose erst an, wenn du angekommen bist, das ist auch schön luftig.

REZENSION: Wyvern: Das Streben des Jägers

Wyvern

LINK

KLAPPENTEXT:

»Du hast sicherlich schon von den Reitern gehört?«
»Gerüchte, ja. Blutreiter vom Roten Gebirge. Menschen, die ihre Seelen der Wilden Jagd verkauft haben, derer sie nun dienen. Schauermärchen.«
»Ganz und gar nicht. Wie so oft versteckt sich die Wahrheit in einer Hülle aus Hirngespinsten und Legenden.«

Der unehrenhafte Tod Jergan van Cohens liegt lange zurück. Sein Zögern, einen Blutreiter zu töten, wurde ihm im Kampf gegen dessen Wyvern zum Verhängnis.
Tarik verschreibt sein Leben dem Ziel, den Namen seines Vaters reinzuwaschen. Als Jäger will er sich und seinen zehnjährigen Bruder Quirin aus den Armenvierteln Canthars herausbringen doch obwohl er zu den besten Schülern der Akademie gehört, will ihm die Kommission die Zulassung zur letzten Prüfung erneut verweigern.
Sein Mentor Khaled setzt sich für ihn ein, doch da verstößt Quirin gegen eines der strengsten Gesetze der Stadt. Er versteckt das Ei eines Wyvern in einer Grotte.
Und die geflügelte Echse schlüpft.

Vorab sei gesagt, dass ich das eBook „Wyvern: Das Streben des Jägers“ von der Autorin Veronika Serwotka als Rezensionsexemplar bekommen habe, um das ich mich vorab beworben hatte. Auf meine Meinung zu diesem Buch hat das natürlich keinen Einfluss.

Zuerst möchte ich positiv betonen, dass viele Tropes, von denen man (oder wenigstens ich, vielleicht ist das so eine Art literarischer Würgereflex?) das kalte Kotzen bekommt, in diesem Buch großzügig ausgelassen werden. Tarik, der Protagonist, ist kein junger enthusiastischer Hitzkopf, der durch Lektionen in Sachen Demut zum Helden wird. Seine Freundin Fajeth ist keine hilflose Blume, die gerettet werden muss. Es gibt kein Liebeswerben oder romantische Missverständnisse, die sich mit einem einfachen Gespräch unter vernünftigen Menschen aus der Welt räumen ließen. Ebenfalls fehlen schwache Erwachsene, die den jungen Protagonisten zur Last fallen und sie zwingen, Verantwortung zu übernehmen.

Stattdessen begegnen wir zwei Jungen – beziehungsweise einem jungen Mann und dessen jüngerem Bruder Quirin – die ohne Eltern aufwachsen. Der junge Mann, Tarik, bemüht sich darum, endlich die Prüfung abzulegen und offiziell in die Ränge der Wyvern-Jäger aufgenommen zu werden. Die Phase vor der Prüfung ist sehr anstrengend, weswegen ihm entgeht, dass sein Bruder etwas sehr Leichtsinniges macht: Er brütet einen Wyvern aus …

Soweit die Anfangssituation. Und jetzt komme ich zu meinem Hauptkritikpunkt an dem Buch: Was ich gerade in einem Absatz zusammengefasst habe, nimmt ungefähr die ersten zwei Drittel des Buches ein. Mit viel Liebe zum Detail wird das Leben in der Wyvernjägerstadt Canthar beschrieben, einschließlich der Beziehungen aller möglichen und unmöglichen Charaktere. Als Leserin bekommt man erklärt, weswegen alle die Wyvern hassen und wie die Gesellschaft aufgebaut ist. ERST DANN kommt tatsächlich Bewegung in die Sache, als man über Quirins Beziehung zu seinem frischgeschlüpften Wyvern erfährt und mitbekommt, wie hart einige Leute in der Stadt dagegen kämpfen, dass Tarik endlich seine Prüfung ablegen kann. Gegen Ende wird es richtig spannend und ich möchte durchaus wissen, wie die Geschichte weitergeht, aber dass ich es überhaupt soweit geschafft habe, ist unter anderem den wunderschönen sonnigen Ostertagen auf dem Balkon geschuldet. Vielleicht bin ich zu ungeduldig?

Wer sich gerne in fremde Welten entführen lässt und die Atmosphäre in exotischen Städten genießt, ist mit „Wyvern: Das Streben des Jägers“ auf jeden Fall gutbedient und wird das Leseabenteuer genießen.