Der fantastische Nornenschuber

Auch dieses Jahr veranstaltet das Nornennetz wieder eine Lesechallenge – diesmal mit Büchern aus dem Bereich der Phantastik. Ich freue mich schon darauf, einige neue Autor*innen kennenzulernen und einige Bücher nochmal zu lesen, die es mit in die Endauswahl geschafft haben. Meine Beiträge dazu findet ihr regelmäßig auf Instagram.

Das ist unsere Buchauswahl:

  • März – Kassandra – Christa Wolf
  • April – Circe – Madeline Miller
  • Mai – Ich bin Gideon – Tamsyn Muir
  • Juni – Kushiel. Das Zeichen – Jaqueline Carey
  • Juli – Die Wand – Marlene Haushofer
  • August – Schattengeister – Frances Hardinge
  • September – Wicker King – Kayla Ancrum
  • Oktober – Der Hexenkreis – Evangeline Walton
  • November – Wer fürchtet den Tod – Nnedi Okorafor
  • Dezember – Der Brief für den König – Tonke Dragt

Die kursiv markierten Bücher kenne ich bereits. Und ein besonderes Schmankerl gibt es im Dezember, denn „Der Brief für den König“ ist im Original auf Niederländisch geschrieben, und rein theoretisch könnte ich das auch auf Niederländisch lesen … ich mag Herausforderungen.

Welche von diesen Büchern kennt ihr schon? Oder welche würdet ihr gerne lesen? Schließt euch doch unserer Challenge an!

NEUERSCHEINUNG: Gruftgeflüster Band 1 – Der Fluch des Chupacabra

Hand hoch, wer von euch erinnert sich noch an die „Mystery“-Heftromane, die es früher am Zeitungskiosk gab? In freier Wildbahn habe ich die schon lange nicht mehr gesehen, aber Gerüchten zufolge gibt es sie noch. Und wenn mein leicht abzulenkendes Hirn mir keinen Strich durch die Rechnung macht, gibt es demnächst auch eine weitere kleine Reihe von gruseligen oder wenigstens unheimlichen Heftromanen von dieser Autorin daselbst und in Person: Das GRUFTGEFLÜSTER!!!

Den Auftakt macht Band 1: Der Fluch des Chupacabra – in Windeseile, so hoffe ich doch, auf allen üblichen Kanälen als Taschenbuch oder eBook in den gängigen Formaten verfügbar. Kurzes Lesevergnügen für zwischendurch. Und schaut euch einmal dieses wunderbare Cover an, dass mir Giusy von Magical Cover (heiße Empfehlung!) gestrickt hat:

Ich finde, sie hat meine skurrilen Ideen und den Geist der Geschichte ganz hervorragend eingefangen.

Worum es geht?

Unheimliche Dinge geschehen im Siebengebirge.
Tiere werden verstümmelt.
Jemand – oder etwas – versucht, in Maries Ziegenstall einzubrechen.
Gemeinsam mit dem charmanten Christian versucht sie, mehr über das mysteriöse Wesen herauszufinden, das sich in der Nähe ihrer Hütte herumtreibt.
Sie weiß nichts von der leeren Kiste in den Tiefen des Universitätsgebäudes, oder von dem furchtbaren Fluch, der auf einer uralten Statue liegt.
Wird sie es schaffen, das Geheimnis zu lüften und ihre Ziegen vor dem Fluch zu retten?

Ich hoffe, ihr findet diese kleine Überraschung genau so gelungen wie ich, und ich freue mich auf eure Rückmeldungen!

Deutsche Geschichte, deutsche Geschichten

Auf dem Buchmarkt gibt es einige merkwürdige Eigenarten zu beobachten.

Beispielsweise geben viele Schreibende sich englisch klingende Pseudonyme. Ich bin nicht ganz sicher, was sie damit erreichen wollen, aber es ist nun einmal so.

Außerdem neigen Schreibende dazu, ihre Geschichten an Orten spielen zu lassen, die sie nicht kennen – sehr beliebt ist seit einiger Zeit die US-Uni oder Highschool. Leider merkt man schnell, wenn so ein Schauplatz unreflektiert ausgesucht wurde, denn obwohl wir konstant mit US-zentrischer Unterhaltung zugeballert werden, gibt es in der Kultur doch eklatante Unterschiede, die einem oft erst einmal gar nicht bewusst sind, bis man direkt mit ihnen konfrontiert wird. Deswegen mutet es oft putzig an, wenn so komplett urdeutsche Figuren in einer zufällig in die USA teleportierten coolen deutschen Kleinstadt agieren.

Und auch da die Frage – warum? Ist das cool? Soll das eine Weltbürgerlichkeit vortäuschen oder suggerieren, dieses Buch sei megaerfolgreich und aus dem US-Englischen übersetzt?

Ich finde es tatsächlich spannender, Geschichten zu lesen, die in Deutschland spielen und sich aus dem „Alles ist klein und grau und kacke“-Einheitsbrei abheben. Denn so gerne ich auch selbst reise, wenn möglich, finde ich die Orte direkt unter unserer Nase gleichzeitig sehr faszinierend. Und wenn ich für eine neue Geschichte recherchiere, hier vor Ort (ja, ich schreibe Phantastik, aber wenn ihr mir das Phantastische glauben sollt, muss das Alltägliche stimmen!), entdecke ich immer wieder neue Details und Ecken, die ich vorher nicht kannte. Demnächst stehen auch wieder einige Spaziergänge und Entdeckungstouren an …

(Mein Geläster bezieht sich übrigens natürlich nicht auf Menschen, die Geschichten an Orten spielen lassen, die sie tatsächlich selbst kennen. Ich erzähle ja immer wieder gern, dass unser Island-Urlaub anno dazumöme meine geplante Island-Geschichte getötet hat, weil alles so komplett anders war. Auch das kann passieren.)

Und um das ganze positiv gestimmt enden zu lassen – welche deutschen Autor*innen oder in Deutschland spielenden Geschichten haben euch so richtig begeistert?

Der Tierarzt. Das Update.

Vielleicht erinnert ihr euch, der alte Flauschepo (also der Kater!) war beim Tierarzt.

Weißblaue Katzentransportkiste mit weißer Gittertür. Hinter der Tür: Auf einem sandfarbenen Kissen hockt ein weißer Kater mit wenigen roten Abzeichen und schaut durch die Tür.
Vor dem Tierarzt.

Wie der Tierarzt nach kurzer Untersuchung bestätigte (so ähnlich hatte ich das schon vermutet), gab es zwei Möglichkeiten:

Entweder der Kater hat irgendwo eine Entzündung, die in der Untersuchung nicht sichtbar war, dadurch schwillt der Lymphknoten an.

Oder es ist ein Tumor.

Sicherheit, meinte der Tierarzt, würde eine Nadelbiopsie geben. Allerdings sei die an genau der Stelle schwierig, weil da sowohl Nerven als auch große Blutgefäße verlaufen. Und ohne wichtigen Grund sedieren wolle er so einen alten Kater (der Flauschepo ist 13 Jahre alt) auch nicht. Also schlug er vor, symptomatisch für eine Entzündung zu behandeln und zu schauen, ob die Schwellung davon weg geht. Es gab noch eine Spritze für den Kater und ein Tütchen Tabletten, dann waren wir entlassen.

Weißblaue Katzentransportkiste mit weißer Gittertür, auf sandfarbenem Kissen ein weißer Kater mit wenigen roten Markierungen, der deem Betrachter beleidigt den Rücken zuwendet.
Nach dem Tierarzt.

Jetzt muss der arme alte Greebo also vor dem eigentlichen Futter immer so eine Leckerchen-Paste mit kleingebröselten Tabletten fressen. Er leidet sehr. Aber es sieht ganz so aus, als ob die Behandlung Erfolg zeigt, also werde ich mich nicht beschweren.

Termine und so

Diese Woche ist knusprig termingefüllt, das kann ich euch mal sagen. Post-Wegbring-Termine, Einkauf-Termine, Großes-Paket-Kommt-Termine … so ein richtiges Luxusleben.

Außerdem habe ich am Donnerstag meinen ersten Friseurtermin seit … na ja, ihr wisst ja. Das ist der eine Nachteil von so einem Kurzhaarschnitt – der BLEIBT nicht kurz.

Zugegeben, meine Friseurin hat wirklich toll geschnitten. Ich bin der bestaussehnde Wischmop von allen.

Aber nachdem ich neulich nachts plötzlich senkrecht im Bett saß, weil ich eine Haarsträhne am Ohr fühlte und mein Gehirn so dachte: OMG, SPINNE!!!, und danach NIE NIE NIE WIEDER geschlafen habe, halte ich diesen Friseurtermin für durchaus notwendig und gerechtfertigt.

Außerdem geht es einmal zum Tierarzt, denn der Altkater (liebevoll „Flauschepo“ genannt) hat einen merkwürdigen Knubbel am Kiefer, und da soll doch bitte eine Fachperson draufgucken. Drückt die Daumen, dass es nichts Schlimmes ist!

Motivation

Jetzt habe ich ein wenig übers Schreiben gerantet.

Ja, Schreiben kann wirklich schwierig sein.

Warum mache ich den Unsinn dann überhaupt?

Davon war letzte Woche auf Instagram beim #autor_innensonntag die Rede, und nachdem ich ein wenig drüber nachgedacht habe, möchte ich die Antwort auch hier ausbreiten.

Ich schreibe gerne.

Manchmal jammere ich, wenn die Figuren nicht tun, was sie sollen, oder wenn ich Dinge umständlich überarbeiten muss, weil ich im ersten Entwurf geschlampt habe.

Aber letztendlich zwingt mich niemand. Ich schreibe, weil es mir gut tut. Ohne Schreiben bin ich ein unausstehliches, unausgeglichenes Ekelpaket und eine Belastung für mein Umfeld – das ist kein „Fishing for Compliments“, in solchen Momenten gehe ich mir selbst auf den Geist. Ich bin ein glücklicherer Mensch, wenn ich in meinem Schreibkopf bin. Das passiert nicht nur, wenn ich tatsächlich (wie jetzt) am Bildschirm sitze oder mir Dinge ausdenke. Das kann auch der Fall sein, wenn ich mir eine Szene aus der Realität in Ruhe anschaue und mir die Details bewusst merke, um sie in einer Geschichte zu verarbeiten. Oder wenn ich etwas recherchiere (am liebsten vor Ort – hach, für das vermaledeite Kinderbuch müsste ich eigentlich dringend ans Meer!). Oder wenn ich von einem Ort zu einer bestimmten Zeit ein Dutzend Fotos mache, um beim Beschreiben einer Umgebung Referenzen zu haben. Auch wenn ich im Urlaub bin oder Familie und Freunde besuche, schreibe ich meistens (im weitesten Sinne). Als wir vor einigen Jahren auf Sizilien waren, saß ich oft bis zwölf in unserer Ferienwohnung am Rechner, während der Mann ausschlief, und war dann entspannt und zufrieden, wenn wir uns auf den Weg machten, um Abenteuer zu erleben.

Natürlich könnte ich jederzeit mit dem Schreiben aufhören.

Aber warum sollte ich das wollen?

Wie schnell kann/muss man schreiben?

Ich habe mich gerade über einen angeblichen Schreibratgeber geärgert. Ein US-amerikanischer Autor hat aufgelistet, wie viele Wörter er pro Tag schreibt, und sich gegen Ende indirekt darüber lustig gemacht, dass Leute, die länger als vielleicht 10 Tage für einen Roman brauchen, es als Autor*innen wohl nicht ernst meinen.

Im Ernst?

Bullshit.

Natürlich kann ich 500 Wörter in 10 Minuten schreiben. (In fragwürdiger Rechtschreibung. Aber wir bewerten nicht, wir zählen nur.)

Und natürlich könnte ich wahrscheinlich 10.000 Wörter an einem Tag schreiben.

Aber wären das gute Wörter?

Wäre das die bestmögliche Geschichte, die ich erzählen kann?

Und wer übernimmt all meine anderen Verpflichtungen, während ich diese 10.000 Wörter schreibe?

Vorab: Ich sage nicht, dass Leute, die schnell schreiben, automatisch schlechte Geschichten schreiben. Das keineswegs!

Jedoch sieht die Realität der meisten Schreibenden ein wenig anders aus.

Wir haben Leben. Zu meinem gehören neben dem Schreiben der Brotjob, der Haushalt und der Sport (und in anderen Jahren so etwas wie ein Sozialleben). Zum Schreiben bleibt mir an einem normalen Tag etwa eine Stunde.

Außerdem müssen wir manchmal über das zu Schreibende nachdenken. Oder es überarbeiten. Oder noch einmal ganz von vorn anfangen. Rein rechnerisch habe ich letztes Jahr unter anderem etwa 75.000 Wörter Kinderbuch geschrieben, unglücklicherweisewar das jedoch dreimal der Anfang des gleichen Buches, weil ich beim Schreiben neue Dinge über die Welt gelernt habe, die sich nicht durch einfaches Reparieren einfügen ließen. Normalerweise habe ich diese Schwierigkeiten nicht, aber es ist eine neue Welt UND ein neues Genre, das macht mich etwas schwerfälliger. Und das ist okay, schließlich lerne ich auch aus den nicht-veröffentlichten Dingen. Oder sagt ihr etwa: „Mensch, all diese Tonleitern, die die Cellistin zuhause privat geübt hat, das war mal wirklich Zeitverschwendung!“??

Für Autor*innen scheint die Erwartung zu sein, dass alles, was den Weg auf den Bildschirm resp. aufs Papier findet, auch veröffentlichbar ist. Und im Ernst, das ist doch Unsinn. Wer malt, stellt auch nicht jeden Farbklecks aus, den er*sie produziert.

Rein technisch ist es also durchaus möglich, einen Roman in zehn Tagen zu produzieren, und vielleicht mache ich das irgendwann dieses Jahr auch mal zum Vergnügen – mit Urlaub wird das wohl Essig, was meint ihr? – aber das ist eine Herausforderung für optimale Bedingungen und nicht die Grundlage von: „Wer langsamer schreibt, sitzt nur 15 Minuten pro Tag am Schreibtisch und meint es keineswegs ernst.“

Lesefortschritte

Seit Anfang 2017 führe ich Liste über die Bücher, die ich gelesen habe – ohne Bewertung, nur Enddatum, Titel, Autor*in.

Diese Liste hat eigentlich keinen tieferen Sinn. Wenn ihr Lust habt, könnt ihr draufgucken und versuchen, herauszufinden, was für einen Buchgeschmack ich habe. Allerdings sagt die Liste nichts darüber aus, ob ich die Bücher mochte oder nicht – nur, dass ich sie beendet habe. Abgebrochene Bücher stehen zum Beispiel nicht darauf.

Allerdings habe ich aus dieser Liste gelernt, dass ich im Jahr etwa 40 Bücher lese. Für letztes Jahr stehen weniger drauf, allerdings hat da die Umstellung des WordPress-Editors einige Titel gefressen. Wir kommen also wieder ungefähr beim gleichen Wert an.

Warum ist das spannend?

Ich lese nicht besonders schnell, da sind wir uns einig.

In meinem produktivsten Jahr (2018) habe ich drei Romane geschrieben, überarbeitet und veröffentlicht.

Jemand, der ungefähr so schnell liest wie ich, hätte also noch Platz auf seiner Leseliste für ungefähr 37 weitere Bücher.

Viele Autor*innen schreiben weniger als drei Bücher im Jahr. Wir haben andere Dinge zu tun (Büro, Haushalt, Bingewatching), wir überarbeiten, wir schreiben Kurzgeschichten, wir werfen auch mal Zeug weg oder drücken uns vor dem Überarbeiten.

Daraus folgt – und ich glaube, ich habe das schon öfter gesagt – dass andere Autor*innen nicht wirklich Konkurrenz für uns sind. Außer bei Preisverleihungen, und die sind eher selten. Jemand, der nur meine Bücher läse, hätte seit 2018 nichts Neues zu tun bekommen. Das wäre sehr schade. deswegen hoffe ich hart, dass Leute, die meine Bücher lesen, auch die Bücher vieler anderer toller Autor*innen finden und lesen (und mich darüber nicht vergessen, aber das ist wohl Glückssache).

Atmen und sich sammeln – aber bitte nicht zu oft!

Alle Schreibenden, die ich kenne, haben Lieblings-Körperfunktionen. Also Dinge, die sie ihre Charaktere immer, regelmäßig und deutlich im Text lesbar tun lassen. Atmen zum Beispiel. Es wäre überaus leichtsinnig, das Atmen einfach so abzustellen, aber dass ich es andauernd erwähne, geht mir schon selber auf den Zeiger (seufzte sie, hörbar ausatmend … denn sie atmete).

Was meine Charaktere sonst noch tun: Mit den Schultern zucken, oder auch mit den Achseln. Was doppelt ungünstig ist, denn ich bin mir nicht sicher, wie man das sprachlich richtig einsetzt. Ich mag es nur.

Andere Charaktere, denen ich begegnet bin, stemmen konstant die Hände in die Hüften oder stampfen immer auf wie Flamencotänzerinnen oder verschränken die Arme vor der Brust und bestimmt fallen mir gleich noch viel mehr Gesten auf, die so ein bisschen totgeritten sind.

Dabei ist Körpersprache eigentlich spannend. Und lästig, denn wir können sie nicht die ganze Zeit über zu einhundert Prozent kontrollieren. Deswegen fallen uns die Dinge auf, die wir kontrollieren können – wie bewusstes Atmen, Arme-Verschränken, Aufstampfen und so. Ich denke, ihr habt ein ungefähres Bild der Situation.

Wenn wir die Dinge beschreiben wollen, die Leuten nicht auffallen, die sie aber trotzdem verraten, müssen wir unsere Umgebung (und uns selbst) sehr genau beobachten. Wer knibbelt an seinen Nagelhäutchen? Was macht die beste Freundin, wenn sie sich über etwas ärgert? Wann ist Freundlichkeit nur vorgetäuscht und woran merkt man das?

Eine meiner nächsten großen Aufgaben, wenn es an die Überarbeitung geht, ist auf jeden Fall, die Leute nicht andauernd nur atmen zu lassen. Das wird ja langweilig.

Und sie lebten glücklich, bis er morgens ihre Haare aus dem Abfluss fischen musste und sie über seine Schuhe stolperte – Beziehungen in Geschichten

„Happily ever after“? Das nimmt uns doch heute keiner mehr ab.

Und okay, glückliche, harmonische Beziehungen in Geschichten wären schon ziemlich langweilig. „Der Liebesroman, in dem nichts passiert“ ist einfach kein Bestseller. (Glaube ich. Machen wir die Probe aufs Exempel?) Geschichten leben von Drama, Hindernissen, Konflikten, Katastrophen. Doch was ist mit Büchern, in denen Romantik nur eine Nebenrolle spielt? Auch da scheint es, meiner begrenzten Leseerfahrung zufolge, durchaus üblich, das Beziehungen konfliktbeladen oder rundheraus unglücklich sind. Und das entspricht, wenn wir ehrlich sind, doch überwiegend unserer Lebenserfahrung. Sogar die glücklichsten Beziehungen, die wir in unserem Familien- und Freundeskreis kennen, haben diese Momente, in denen der eine die andere erwürgen will (oder umgekehrt), weil mal wieder das schmutzige Geschirr auf statt im Geschirrspüler steht, irgendwas irgendwohin geräumt wurde oder man sich nicht darüber einigen kann, wessen Familie man jetzt zu Weihnachten besuchen muss.

Allerdings fällt mir schon auf, wie oft Beziehungen in Geschichten unglücklich sind, weil die Charaktere nicht miteinander kommunizieren. Vielleicht ist das so ein persönlicher „Aha!“-Effekt, aber für beinahe genau so wahrscheinlich halte ich es, dass wir als Schreibende da gelegentlich einem beliebten Klischee aufsitzen. Und das auch noch völlig überflüssig.

Denn ich kann aus eigener Erfahrung beisteuern: Man kann konstant miteinander kommunizieren und trotzdem gelegentlich Knaatsch haben. Also, habe ich gehört. Bei uns zuhause ist das natürlich alles konstantes langweiliges blassrosa Glück. (Räusper.)