„… und dann hatten wir einander alle lieb!“

Vor ein paar Tagen habe ich über eine Leseprobe geschimpft. Das Buch sah aus, als sei es total mein Ding – Urban Fantasy, Humor, eine originelle Idee. Weil ich aber im Oktober schon meine Bücherkapazitäten überschritten hatte und es bei UF immer ein gewisses Risiko gibt, dass zuviel Romance/Spice mir das Lesevergnügen verderben (mehr für euch! Aber ich möchte lieber nicht.), hatte ich erst einmal nur eine Leseprobe mitgenommen.

Und was kann ich sagen? Zum Glück! Direkt in der ersten Szene gab es einen Konflikt mit zwei anderen Personen. Kann vorkommen, ist gut für Geschichten, nur: Die Haupt-Charakteristika der Gegnerinnen, wie sie von der Hauptfigur beschrieben wurden, waren: Fett, hässlich und dumm. Klar gibt es solche Leute, aber für mich riecht das hart nach einem billigen Lacher und internalisierter Misogynie. „Schau mal, die dicke Frau ist dick! Und gemein! Haha!“ Hinzu kam, dass die Ich-Erzählerin extrem inkonsistent und inkompetent agierte. Möglicherweise ist das ab dem nächsten Kapitel ein echt tolles Buch, aber nach der Leseprobe habe ich erst einmal, ehrlich gesagt, gar keine Lust, das herauszufinden.

Eine Freundin, mit der ich meinen Unmut über die Leseprobe teilte, meinte, es sei einfach langweilig, wenn man nur über nette und freundliche Charaktere liest.

Ja.

Aber.

Wenn ich dreihundert Seiten mit einer Figur verbringe, das sind für mich alte Frau etliche Lesestunden, muss sie sympathisch sein. Oder wenigstens nachvollziehbar. Interessant reicht auch. Das ist wie mit dem Freundeskreis im echten Leben – meine Freund*innen sind alle toll, aber längst nicht alles Heilige. Und wieso sollte ich über jemanden lesen wollen, mit dem ich mich nicht eine Zugfahrt lang unterhalten wollte?

Andere Leute haben da höchstwahrscheinlich andere Auswahlkriterien. Und wenn das Leben hier draußen in der Realität weniger finster und hässlich und anstrengend ist, starte ich vielleicht noch einen zweiten Versuch mit diesem Buch. Oder einem der vielen anderen hochgelobten Bücher, die ich aus ähnlichen Gründen weggelegt habe, bestimmt hab ich über sowas schon öfter geschimpft.

An dieser Stelle kann man beim Schreiben in der Ich-Perspektive übrigens wirklich viel reißen (oder versemmeln). Die Wortwahl der Figur, was ihr auffällt und wie sie auf die Welt blickt sind alles Charakter-Indizien. Gerade in dieser Perspektive ist es ja, als säße man mit einer Person beim Kaffee, die einem einen Schwank aus ihrer Jugend erzählt. Das kann sehr unterhaltsam sein oder sehr anstrengend.

(Ebenfalls oft übersehen: In der Ich-Perspektive und im Rückblick biegen sich Leute schnell mal die Welt zurecht oder lügen geradeheraus. Das kann man natürlich für eine Geschichte verwenden, muss es dann aber auch gekonnt umsetzen. Für Leute mit dickem Fell ist „Lolita“ da ein gutes Anschauungsbeispiel.)

Worauf will ich hinaus? Ach ja. Ich bin gar nicht darauf aus, dass Protagonist*innen immer gut und lieb und edel sind. Die, die ich schreibe, sind das ja auch nicht. Aber ich möchte sie als nachvollziehbar, in sich logisch/konsequent und interessant erleben. Die meisten Menschen haben Macken – Anwesende ausgeschlossen – aber nicht jede Macke macht einen Charakter lebendig. Manche machen einen nur unsympathisch.

(Off-topic, aber wenn du schöne positive und konstruktive Charakterisierung mit Macken sehen willst, lege ich dir bei Netflix „The Lincoln Lawyer“ ans Herz. Der Mann ist schon ganz genervt von meiner Schwärmerei, doch die Charaktere sind, so weit wir das geguckt haben, wirklich gut geraten. Und jetzt hör ich mal auf zu schwadronieren, wenigstens für heute.)

Nicht lernen, einfach machen! (Und Kuchen.)

Vielleicht ist es Naivität. Vielleicht gnadenlose Selbstüberschätzung. Aber ich glaube bei vielen Dingen, die könne man einfach so schnell mal machen.

Beispiel A: Torten dekorieren.

Das mache ich zwei- oder dreimal im Jahr. Dazwischen übe ich nicht (bis auf einmal, als ich einen Dekorierkurs von Karolinas Zuckertraum in Köln besucht habe, sehr zu empfehlen!). Ich gucke mir aber viele Torten und Kuchen an. Und wenn ich einen hübschen sehe, denk ich mir: Ach, den könntest du auch mal machen.

Jetzt hab ich ja einen Geburtstag (heute! Stell dir vor!), und ich wollte einen Spinnenkuchen backen. Und ich hab den auch gebacken, keine Sorge. Fotos folgen. Aber das war diesmal so eine Kollektion von Cake-Fail-Desastern, das wollte ich gern erzählen.

Zuerst einmal brauchte ich drei gleich große Backformen. 20-24 Zentimeter. Dachte ich mir: Einmal 20 cm hast du schon zuhause, hol mal noch zwei dazu. (Ja, man kann auch dreimal die gleiche benutzen, aber niemand hat die Art von Zeit!) Zuhause stell ich dann fest, dass meine 20-cm-Form mysteriöserweise 2 cm größer ist als die beiden neu gekauften 20-cm-Formen. Dabei steht die Größe sogar drauf. Was weiß ich, wie die messen??! Aber das ist noch nicht wild, man kann den Kuchen ja auf die passende Größe zurechtschneiden.

Rezept für Kuchen und für Buttercreme geht gut – bis auf die Tatsache, dass der Deckel von der orangefarbenen Lebensmittel-Gelfarbe auf dem Töpfchen für die burgunderfarbene Lebensmittel-Gelfarbe war. Hab ich beim Färben gemerkt, komplett mein eigener Fehler. Ließ sich mit viel Orange und etwas Geld ausgleichen.

Zuckerspinnen! Wir brauchen noch Zuckerspinnen! Das ging dank Silikonform und Fun-Cakes-Fondant überraschend einfach und sieht wirklich schick aus. (Wer kein Fondant mag – Fun-Cakes-Fondant ist zwar immer noch Fondant, aber es schmeckt nicht so furchtbar. Einige sind sogar fast schon lecker!) Etwas Silberstaub drüber, damit man sie nachher auch gut sieht.

Beim Zusammensetzen fingen die Probleme an. Unsere Küche ist klein und chaotisch – eines dieser Dinge könnte ich ändern. (HUST.) Tortenböden mit Buttercreme versehen und gestapelt, Fondant ausgerollt. Die Buttercreme war etwas weich. Hätte ich möglicherweise länger warten und besser kühlen sollen? MÖGLICHERWEISE. Hab ich aber nicht, es war schon neun Uhr und ich wollte auch mal ins Bett. (Das passiert, wenn man alles auf den letzten Drücker macht. Montag war ich zu müde zum Backen.) Als ich dann das Fondant beiseite räumen wollte, um die Torte zum Einkleiden auf die gute Fläche zu stellen, sind zwei ärgerliche Dinge passiert: Fondant gerissen, Torte umgekippt. Ja, orangefarbene Buttercreme überall.

Ich geflucht, Torte wieder gestapelt und böse angeguckt, Fondant neu ausgerollt. Der Mann hat mich tapfer angefeuert. Beim zweiten Versuch hielt die Torte dem Druck dann Stand, aber das Fondant ist wieder eingerissen. Egal, wir pappen Stücke drüber, und wenn da gleich Spinnweben drüber kommen, fällt das nicht mehr auf. Sonst behaupte ich einfach, das soll so aussehen.

Spinnfäden macht man übrigens aus in der Mikrowelle geschmolzenen Marshmallows. Die werden sehr heiß, aber wenn sie etwas abgekühlt sind, kann man sie mit (Handschuhe nicht vergessen!) den Fingern zu Fäden ziehen und an allem festkleben.

AN ALLEM.

Da, ich hab’s gesagt. Jetzt kleb ich auch an mir selbst. Aber der Effekt ist hübsch.

Am Ende noch ein paar Spinnen auf dem Kuchen verteilen – joah, sieht definitiv selbstgemacht aus. Ob ich das nicht wirklich irgendwann mal professionell üben sollte? Der Geburtstag vom Mann ist im Dezember. Dem könnte ich mal eine richtig hübsche Schwarzwälder Kirschtorte einstreichen, damit wenigstens die Kanten mal glatt werden. Und das mit dem Fondant … ganz ehrlich, das verdräng ich wahrscheinlich bis nächstes Jahr November. ^^

Eine Torte: Schwarzer Fondant, Spinnweben aus Marshmallowfäden, schwarzsilberne Zuckerspinnen. Alles sieht sehr selbstgemacht und ein wenig schief aus.
Detailaufnahme: Eine Schwarzer Fondant, Spinnweben aus Marshmallowfäden, schwarzsilberne Zuckerspinnen. Eine Spinne in Großaufnahme in der Mitte des Bildes.
Drei Tortenstücke, flach liegend: Drei Böden Schokokuchen, orangefarbene Erdnussbutter-Frischkäse-Buttercreme. Am Rand sieht man schwarzes Fondant und weiße Marshmallow-Fäden

(PS: Schreiben hab ich genau so gelernt. Und lerne ich immer noch. Ich mach es nur öfter. Würd ich jeden Tag eine Torte dekorieren, säh das in einem Jahr ganz anders aus. Also nicht lange zaudern und planen – einfach machen.)

Ein normaler Montagabend

Großaufnahme eines menschlichen Auges. Ein regenbogenfarbener Streifen fällt über das Gesicht und färbt Haut, Iris und Pupille bunt.
Foto von Harry Quan auf Unsplash

Montag nach der Arbeit geht es zum Sport, und oft fahre ich die Kollegin, die mich zum Sport motiviert, anschließend nach Hause. Gestern fiel mir auf dem Weg ein Plakat auf, mit dem für Süßigkeiten geworben wurde. Du kennst sie vielleicht: Die Trolli Glotzer, so süße Gummiaugen. Und der Slogan lautete: „Garantiert weniger Kalorien als ein echtes Auge!“

Boy oh boy, das interessiert mich jetzt aber.

Zunächst einmal: Von was für einem Auge reden wir hier? Da die Glotzer eine bunte Iris haben, kann es sich eigentlich nur um den Vergleich mit einem Menschenauge handeln. Überraschenderweise gibt es, wenn man im Netz sucht: Wie viele Kalorien hat ein menschliches Auge?“ allerdings keine eindeutige Antwort. Die Diätindustrie ist wohl noch nicht so weit, wie ich dachte.

(Stell dir vor, wie der Mann neben mir sitzt und immer nervöser wird. Wann steht wohl die Polizei vor der Tür? Kannibalismus ist schließlich irgendwie verboten und ein Tabu und so.)

Fangen wir also am anderen Ende an. Wie viele Kalorien sind in so einem Trolli Glotzer? Das ist einfacher herauszufinden: Ein Glotzer ist knapp 20 g schwer, 100 g haben 320 kcal. Folglich hat ein einziger Glotzer etwa 320/5 = 64 kcal.

Ein menschliches Auge wiegt, je nach Quelle, etwa 7,5 bis 10 g. Für die Rechnung gehen wir von 10 g aus, wir machen also große Augen. Und je nachdem, wen du fragst, enthält ein menschliches Auge zwischen 65 % und 99 % Wasser. 99 % kommt mir arg hoch vor. Um auf Nummer sicher zu gehen, rechne ich also mit 70 % Wasser. Das ist wahrscheinlich zu niedrig angesetzt, aber für unsere Rechnung soll es reichen. Wenn also ein 10 g Auge zu 70 % aus Wasser besteht, bleiben uns noch 3 g „trockener Materie“. Und sogar ,wenn diese trockene Materie nur Fett wäre, hätte das Auge maximal 3 x 9 = 27 kcal.

Ein Trolli Glotzer hat also mehr als doppelt so viele Kalorien wie ein menschliches Auge. Sogar wenn wir auf kcal/100 g umrechnen, schneidet das menschliche Auge mit geschätzten 270 kcal/100 g immer noch besser ab als der Glotzer (320 kcal, siehe oben). Außerdem enthält das menschliche Auge sehr viel weniger Zucker als ein Trolli Glotzer, ist also besser geeignet für Diabetiker oder Leute, die (aus welchen Gründen auch immer) einer Low-Carb-Ernährungsweise folgen.

(Der Mann neben mir wird immer kleiner. Er schwitzt.)

Falls du jetzt überlegst, was du verantwortungsvoll zu Halloween Gästen oder klingelnden Kindern anbieten kannst: Im Zweifel würde ich die Trolli Glotzer vorziehen. Allein schon, weil sie einzeln verpackt sind – das ist viel hygienischer. Und man kann sie in der Großpackung kaufen. Bei Halloween geht es schließlich um den Spaß, nicht um gesunde Ernährung. Wie du deinen Augenbedarf das restliche Jahr über deckst, musst du selbst entscheiden. Ich bin ja am ehesten für diese Variante.

(Es klingelt. Der Mann fällt in Ohnmacht. Es sind die Nachbarn, die ein Päckchen für mich angenommen haben. Ich packe das Buch – was auch sonst? – aus und lasse den Mann schlafen. Er ist heute irgendwie so nervös, die Ruhe tut ihm bestimmt gut.)

Autos! Solidarisiert euch mit den Fahrrädern!

Heute morgen auf dem Weg ins Büro hatte ich eine Begegnung der anderen Art.

Ich war mit dem Rad unterwegs – die letzten schönen Tage ausnutzen, du weißt schon. Und auf diesem Weg kam ich an eine Stelle, an der eine Autofahrerin mit ihrem Wagen, in einer Straßeneinmündung stehend, dne Radweg blockierte.

Logischerweise hielt ich an.

Sie ließ ihr Fenster herunter und rief: „Entschuldigen Sie, die Stelle ist sehr unübersichtlich. Vielen Dank, dass Sie warten!“

Ich antwortete: „Kein Ding, hier kann man wirklich schlecht gucken.“

Dann wünschten wir einander einen schönen Tag. Ihr bot sich eine Lücke, sie fuhr, ich fuhr.

Dieser Austausch hat vielleicht eine Minute gedauert. Jetzt war ich heute nicht besonders spät dran, aber sogar wenn doch – genau diese Art Austausch wünsche ich mir im Straßenverkehr. Konstruktiv, respektvoll und miteinander statt gegeneinander. Oder wie es so schön auf die Wege zwischen den Feldern auf der anderen Seite des Walds aufgebracht ist: „Rücksicht macht Wege breit.“

Ehe mich jemand missversteht – ich fahre gern Auto, ich fahre gern schnell (oder würde, wenn unser Auto mich ließe) und ich schimpfe wie ein Rohrspatz. Aber ich versuch schon hart, niemanden zu töten, wenn ich unterwegs bin. Für mich ist Straßenverkehr wie ein Gesellschaftsspiel: Wir gewinnen, wenn alle heil ankommen.

Auf dem Rad seh ich das natürlich ähnlich, wobei ich da in erster Linie nicht selbst sterben möchte. Und keine Fußgänger*innen umdengeln, oder kleine Tiere. Dazu gehören auch Strategien, die ein leichtfertiges Überholen unwahrscheinlich machen – zum Beispiel fahre ich in kurzen Engstellen, in denen der Mindestabstand eh nicht eingehalten werden kann, NICHT so dicht wie möglich am Rand. Da müssen eventuelle Autos hinter mir eben warten. In langen Engstellen halte ich natürlich und mach Platz, ehe sich der Verkehr hinter mir zu lange staut.

Gut, manche Autofahrer*innen regt das auf. Ich bin mit Aufblendlicht, Hupe und Schimpfwörtern wohlvertraut. Dabei ist jede Person auf dem Fahrrad eine weniger, mit der man um Parkplätze konkurriert, und eine Person weniger an der Ampel vor einem. Da kann man die 30 Sekunden Langsamfahren ruhig mal in Kauf nehmen. Finde ich. Also, rein subjektiv.

Und wer nicht warten möchte (oder kann)? Sollte sich am besten für sichere, baulich getrennte Radwege stark machen. Dann kann man auf der Straße heizen, was die PS einen heizen lassen (und die Straßenverkehrsordnung und die Polizei), und die Fahrräder bleiben schön unter sich. Das wär mir, ehrlich gesagt, auch lieber.

Aber ich bin ja nur so eine merkwürdige alte Frau mit Tentakeln auf dem Helm. Was weiß die schon?

Buchmessen und so!

Auf hellem Untergrund sieht man vier fröhlich-bunte Taschenbücher nebeneinander stehen, die Rücken zeigen zum Betrachter. Rechts daneben steht ein tannengrüner Becher mit schwarzem Kaffee, auf dem HYGGE steht. Ganz rechts liegen einige weiße Blüten.
Foto von Elin Melaas, gefunden auf Unsplash

Wen von euch sehe ich in Frankfurt?

Als Sorgenwandler*in findest du mich für einige Schichten am PAN-Stand (Halle 1.2,  Stand B33):

Donnerstag, 17.10.2024, 11:00 h – 13:00 h & 15:00 h – 17:00 h

Freitag, 18.10.2024, 11:00 h – 13:00 h & 15:00 h – 16:00 h

Außerdem findest du mich am Freitag von 14:00 h -15:00 h beim Chaospony-Verlag in Halle 1.2, Stand H20-22.

Uuuuuund weil ich nie “Nein” sage, bin ich Freitag Abend noch auf einer dritten Party, ab 17:30 h in Halle 1.2, Stand D52 (Signiertisch 1) – da stellt der BVJA die ganz frische Weihnachtsanthologie vor, in der ich als Quoten-Grinch natürlich auch vertreten bin.

Damit enden meine Frankfurter Abenteuer dann aber auch. Ich finde, das reicht. Natürlich kannst du mich Donnerstag und Freitag auch zwischen den Terminen irgendwo finden – wahrscheinlich in einer Ecke versteckt mit einem Buch und einem Kaffee in der Hand. Brauchen wir ein Codewort? Ich finde, wir brauchen ein Codewort. PUSTEBLUME!

Wer es nicht nach Frankfurt schafft, kommt vielleicht zum BuCon nach Dreieich? Auch dort bin ich als Sorgenwandler*in in Aktion am PAN-Stand, und zwar von 13:00 h – 14:00 h und von 17:00 h – 18:00 h. Dazwischen treibe ich mich bei Ständen und Lesungen herum, wie es sich gehört. Einmal mehr: Wer mich erkennt und ansprechen will – das Codewort lautet PUSTEBLUME!

(Ich werde das mit dem Codewort sofort wieder vergessen und ultimativ verwirrt gucken, wenn du mich damit ansprichst. Allein dafür sollte der Aufwand sich lohnen.)

Marke Eigenproduktion

Mein Tiktok-Feed – ein Meisterwerk des enthusiastischen Dilettantismus‘

Dieses Wochenende bin ich mit kaputtem Fuß außer Gefecht gesetzt. Was mache ich also? Rumliegen und Tiktok-Videos generieren.

Meine Videos sind immer ein Paradebeispiel für Authentizität. Beispielsweise schiebt in dem Video, das ich heute veröffentlicht habe, der Kater seinen Hintern durchs Bild. Es ist ein sehr flauschiger Hintern.

Natürlich könnte ich da professioneller rangehen. Den Kater rausschneiden. Mehrere Takes aufnehmen und zusammenschneiden. Vorbereiten, skripten, üben.

Aber weißt du was?

Das ist Tiktok. Social Media – Betonung auf „Social“. Nicht Klein-Hollywood. Und ich habe wirklich keine Lust, permanent online zu performen.

Ich meine, man sieht das immer öfter – und ich rede nicht von lustigen Tanzroutinen oder Memes. Leute fahren nicht irgendwohin, um etwas zu erleben, und posten dann Fotos und Videos – neien, sie fahren irgendwohin, wo es „instagrammable“ ist, um dort Fotos und Videos zu machen, ANSTATT etwas zu erleben. Das ist nicht meins.

Ich habe auf meinem Handy ungefähr eine Million Fotos vom selben Waldspaziergang, weil ich den Wald hinter unserem Haus wirklich liebe. Wanderungen suche ich nicht nach SoMe-Attraktionen aus, sondern nach Länge und Erlebnisfaktor. Und ja, meine Fotos und Videos online kommen mit einem Minimum an Editing und Filtern aus. Wenn ich damit nicht berühmt werde, ist mir das recht.

Und ehe jemand schimpft – Leute, die sich gern für 90-Sekunden-Clips stundenlang zurechtmachen, um dann genau so lange zu filmen und zu editieren, sollen das um Himmels Willen bitte tun. Wir brauchen alle alberne Hobbys. (Ich schreib Bücher, hatte ich das erwähnt?) Aber das sollte nicht die Grunderwartung für jeden einzelnen verdammten Post da draußen sein.

Mich persönlich interessiert hyperproduzierter Content beispielsweise nicht. Ich sitze dann da und gucke zu und denke mir: Leb, verdammt nochmal! Erleb was und erzähl davon, anstatt nur zu überlegen, was der nächste virale Content sein könnte!

Ach, vielleicht ist das alles nur das Gemecker einer alten Ziege. Vielleicht sind wir längst alle schon auf unseren Entertainment-Wert abgeklopft und kategorisiert, und vielleicht meckere ich nur, weil Katzenpöter keine Buchverkäufe generieren.

Andererseits schreibe ich ja auch hier nicht das, was die meisten Klicks bringt. Die Chancen stehen also gut, dass ich tatsächlich so genervt und motzig bin.

Was ist dein unbeliebter Social-Media-Take?

Diese Vorhersehbarkeit ödet mich an!

CN: Erwähnung von Gewalt, Körperteilen, Blut, sexueller Gewalt; Schimpfwörter

Großaufnahme mehrerer bunter Tarotkarten, die durcheinander mit der Bildseite nach oben auf einer hellen Fläche liegen (Rider-Waite-Tarot).
Foto von Viva Luna Studios, gefunden auf Unsplash

Früher habe ich viele Thriller und Krimis gelesen, doch irgendwann hatte ich das über.

Zum einen wegen der immer absurderen Gewalt-Exzesse: In wie viele Teile können wir die Leiche diesmal schneiden? Findet der Kommissar den Augapfel diesmal im Kaffee oder im Dessert? Wie viel PS braucht die Kettensäge, mit der wir den fiesen Chef der Ehefrau umbringen, und wie weit spritzt das Blut? Es werden Wetten angenommen!

Zum anderen nervt mich diese unglaubliche Vorhersehbarkeit – was die Charaktere angeht (geschiedener Ermittler mit Alkoholproblem und komplizierter Beziehung zu seinem Kind, anyone?) und in Bezug auf die Fälle. Es kann doch nicht sein, dass JEDER bei der Polizei einen Erzfeind aus Kindertagen hat, der jetzt als Psychopath hackstückelnd durch Buxtehude zieht???

Ein besonderes Ärgernis betrifft hierbei die Behandlung von Frauen. Ja, jetzt fängt sie wieder mit DEM Thema an. Aber bleibt mal dran, das ist vielleicht wichtig. Möglicherweise hab ich darüber auch schon geschimpft, ich ärgere mich schon seit längerem.

Also.

Wenn eine Frau – und es ist beinahe egal, ob sie jetzt Protagonistin oder Sidekick ist, Opfer oder Bösewichtin – irgendwie definiert werden soll, wird sie eben fix vergewaltigt. UND DAS ÖDET MICH AN! Nicht, weil das so abwegig wäre (wir alle kennen die Statistiken), sondern weil es so viel mehr gibt, was man Frauen antun kann, um ihren Charakter zu formen! Klar, schon beim Ermittler gibt kaum noch wer sich Mühe, aber die Zahl der Frauen, die sexuelle Übergriffe erlebt haben und das (NUR DAS!) als prägendes Erlebnis haben, quasi als Zentrum ihres Charakters, wie er geschrieben steht, ist lächerlich. GEBT EUCH MÜHE.

(Die nächsten Abschnitte enthalten Spoiler für das Buch „The Sanatorium“ von Sarah Pearse)

Neulich beispielsweise habe ich einen Thriller gelesen: Spannend geschrieben, interessantes Setting, toller Sprachgebrauch. Wirklich eine Lese-Empfehlung … und das trotz der Sache, über die ich jetzt schimpfen werde.

Die Idee ist komplex: Ein ehemaliges Sanatorium für Tuberkulose-Patientinnen in den Schweizer Alpen ist zu einem Hotel umgebaut worden, und durch einen Sturm werden die wenigen Gäste und Mitarbeiter*innen jetzt von der Außenwelt abgeschnitten. Das ist ungünstig, denn irgendwer fängt an, Leute auf grafische Weise zu ermorden. Natürlich ist eine aktuell beurlaubte Polizistin vor Ort, die eine komplizierte Beziehung zu gleich mehreren Leuten im Hotel hat. Die ermittelt und findet heraus, dass in dem Sanatorium damals unethische medizinische Experimente und möglicherweise auch sadistische Praktiken an den Insassinnen durchgeführt wurden, und das hat irgendwie mit den aktuellen Morden zu tun.

Nur LEIDER, LEIDER, LEIDER wird dieser Zweig kaum weiter verfolgt. Also ja, das wird erwähnt und jemand findet explizite Fotos von damals und die Leichen sind hergerichtet wie die Opfer der Ärzte vor hundert Jahren. Aber so richtig wichtig ist das nicht, denn der EIGENTLICHE Trigger für die Taten ist die Tatsache, dass die Person, die die Morde begeht, vor mehr als zehn Jahren von jemandem vergewaltigt wurde, der auch schon lange tot ist. Und das hat die Person jetzt wegen dieser Fotos irgendwie daran erinnert, dass Frauen ja oft Opfer sind, und deswegen wird jetzt gemetzelt.

Echt jetzt?

Es gibt massig historisch belegte „Vorbilder“ für unethische Behandlung und Experimente in einem medizinischen Kontext, über einige davon habe ich in meiner Diplomarbeit geschrieben. Und wer will, kann tonnenweise Literatur zum Thema finden. Es wäre also ein LEICHTES gewesen, aus diesem Erzählzweig eine richtig gute Motivation für die Täterperson zu schreiben, komplett ohne ihr an die Wäsche zu gehen. Also bin ich eh schon empört, dass die Vergewaltigung da quasi eben schnell reingeschrieben wurde, weil „das macht man halt so“ – und dann geht das eigentlich viel relevantere Thema daneben einfach komplett unter und wird mit „die armen Frauen!“ vom Tisch gewischt.

Das Buch ist übrigens dennoch gut. Wirklich. Lest es unbedingt, wenn es euer Ding ist, und rollt an der entsprechenden Exposition am Ende einfach mit den Augen. Und wenn ihr eigene Thriller oder Krimis schreibt, überlegt euch doch mal, was man Frauen alles Schlimmes tun kann, ohne sie dafür auszuziehen.

Don’t threaten me with a good time!

Auf einer gehäkelten Decke (viele bunte Kreise auf schwarzem Grund) liegt ein schwarzweißer Kater.

Eine Kollegin erzählte mir gestern, sie wolle ja schon seit vielen, vielen Jahren eine Katze haben. Eigentlich schon, seit sie ein Kind sei.

Ihr Mann kennt diesen Wunsch. Allerdings ist seine Meinung dazu – wenn sie eine Katze will, muss sie wohl ausziehen.

Jetzt gibt es viele Dinge, die man bedenken sollte, wenn man sich ein Haustier zulegt. Und tatsächlich gibt es nicht nur Argumente FÜR Katzen (verrückt, oder?).

Aber:

Hömma, mein Gutster. Du kannst nur hoffen, dass deine Frau nicht mit Nachdenken anfängt. Denn was ist wohl gemütlicher? Eine Wohnung mit Mann und Kind, die immer um einen herumwuseln und ständig etwas wollen – oooooder eine Zweizimmerwohnung, in der man nur selbst Chaos verbreitet, und eine Katze?

Ich sag ja gar nicht, dass sie dich verlassen könnte. Aber so eine Fernbeziehung mit zwei Straßen Abstand und einer Partnerperson, die sich verabschiedet und wieder geht, klingt manchmal gar nicht so verkehrt. ^^

(Womit wir wieder bei den Crazy Cat Ladies wären. Crazy Cat Lady ist ein Lebensziel.)

Es ist anstrengend, es ist schmutzig, es macht Angst

Die Rede ist natürlich vom Hot Foot Run (ehemals Strongman Run) in Köln, der am Samstag war – mein dritter Hindernislauf über die 10-Kilometer-Distanz, alle am Fühlinger See in Köln.

Vorher bin ich immer ein nervliches Wrack. Ich habe Höhenangst. Und da soll man klettern. o.o

Außerdem ist es anstrengend, den 10 Kilometer plus 20 Hindernisse – da kommt man ins Schwitzen.

Und man wird schmutzig: Mal geht es in den Schlamm, mal durchs Gras oder in den See, da wird durch Sand gerobbt. Vielleicht holt man sich an einer der Holzkonstruktionen sogar einen Splitter!

Okay, und warum mache ich das?

Zum einen – es macht riesigen Spaß. Letzten Endes ist es ein Abenteuerspielplatz für Erwachsene. Zum anderen mag ich die Herausforderung. Wenn das Leben zu einfach ist, mache ich es mir offenbar gern selbst etwas schwieriger. Und zum dritten fühlt es sich wirklich, wirklich gut an, durchs Ziel zu kommen und etwas geschafft zu haben.

Ach ja, und die Stimmung ist wirklich toll. So viele Leute stehen am Rand und feuern einen an. So viele Leute motivieren einander auf der Strecke, helfen beim Klettern oder robben, schimpfen gemeinsam über die selbstgewählte Anstrengung – eigentlich bin ich kein Mensch für Events mit Menschen, aber gemeinsames freiwilliges Leid scheint mein Ding zu sein. Warum nur?

Anyway, die Anmeldung fürs nächste Jahr habe ich direkt losgeschickt, ehe die Vernunft wieder einsetzt. Vielleicht sind bei den Fotos, die der Mann gemacht hat, ein paar lustige dabei, die teile ich dann natürlich noch alle mit euch.

Soviel Aufriss, und das alles für ein T-Shirt und eine Holzmedaille. (^v^)

Marketing und Ehrlichkeit und so

Eigentlich ist es ja lustig – alle Experten erzählen, gutes Marketing sei Storytelling. Und gerade damit tu ich mich als Autorin schwer. Vielleicht habe ich noch nicht so ganz verstanden, was damit eigentlich gemeint ist, gut möglich.

Was ich aktuell viel sehe: Marketing-„Hacks“ (auch bekannt als „Trick 17“), mit denen auf einfache Art in Sociel Media viel Interaktion generiert werden soll. Beispielsweise schreiben Autor*innen aktuell auf Threads über ihr Buch und tun so, als beschrieben sie eine reale Lebenssituation:

Meine beste Freundin versucht, mit meinen Mann wegzunehmen. Dafür hat sie sogar mein Haus angezündet, während ich drin war. Soll ich ihr sagen, dass er sie gar nicht leiden kann?

Und im ersten Kommentar unter dem Post:

Lies, wie Klarabella Schnabumsepüdel aus der magischen Welt Kraichleaoichn-Oberfröpsel mit dieser Situation umgeht! [LINK]

Weißt du was? Ich hasse so etwas. Und es ist mir völlig egal, ob das gelungenes Storytelling ist oder nicht. Indem so getan wird, als gehe es um einen realen Vorfall und nicht um eine ausgedachte Geschichte, werden Klicks generiert – denn Leute in SoMe interessieren sich natürlich für die echten Leben echter Personen, sonst wären sie ja nicht da. Ob diese Klicks tatsächlich zu Buchverkäufen führen, da bin ich überfragt. Mich nervt es einfach nur. Das ist wie Klingelmännchen in digital.

Und gut, es ist schwierig. Man soll „authentisch“ sein und gleichzeitig das Gefühl vermitteln, das man beim Lesen der beworbenen Bücher verspürt. Aus seinem Leben erzählen, ohne langweilig zu wirken. Sich nicht ständig wiederholen. Bedenken, dass alle Leute angeblich nach den gleichen Mustern funktionieren – und dann diese Muster mit Werbung bedienen, die komplett total ganz anders ist als alle andere Werbung von allen anderen Autor*innen, die genau die gleichen Marketing-Artikel und -Bücher gelesen haben wie man selbst.

Vielleicht hast du schon gemerkt: Marketing beschäftigt mich seit einer Weile, ich schreib da gerade viel drüber. Marketing ist nämlich wichtig, um Bücher zu verkaufen, und niemand versteht, wie Lesende eigentlich wirklich tatsächlich am Ende des Tages Entscheidungen treffen. Wobei mir diese Gedanken nicht helfen: Beim Schreiben.

Beim Schreiben will ich in meiner Geschichte stecken und höchstens überlegen, wie ich meinen Leser*innen das Herz zertrample, ohne sie zu verschrecken. Ich will nicht darüber nachdenken, ob diese Kurzgeschichte meinen Stil gut repräsentiert oder das Buch zum geplanten Cover passt, ich will nicht unbewusst schon auf Teaser und Schnipsel schielen.

Und wenn die Zeit knapp ist, so wie im Moment, will ich mich nicht zwischen Schreiben und Marketing entscheiden müssen, dann tu ich nämlich nichts von allem so richtig und sitze auf einem Haufen halbfertiger Ideenknödel und angebrochener Enthusiasmen.

Was mache ich also stattdessen? Bloggen. Schimpfen, jammern, beobachten, nachdenken, verdrängen. Am Samstag werfe ich mich ein weiteres Mal über einen Hinderniskurs, und danach geht es mit Volldampf im Manuskript weiter. Aber erst einmal ist Kurzgeschichtendeadline. Und wie unsere Wohnung aussieht, wollt ihr gar nicht wissen.

(Ist das ungefähr das Gefühl, das meine Bücher bei dir auslösen? Etwas snarky, ziemlich chaotisch und mit der einen oder anderen überraschenden Wendung, während eigentlich nichts passiert – oder falls doch, dann auf jeden Fall off-screen? Falls ja, mache ich meine Sache vielleicht gar nicht so schlecht.)