Über Montage und das harte Leben von Büchern

Ansicht der geschlossenen Seiten eines Buchs mit bräunlichen und orangefarbenen Flecken. Im Hintergrund unscharf gepunktete Beine und eine Tastatur.
Fachbuch mit einer leichten Linsenssuppennote.

Ich würde zu gern behaupten, dass das das erste meiner Bücher ist, das so aussieht. Es war in meiner Bürotasche, ich fuhr ein wenig schwungvoll um eine Kurve, die Tasche fiel, die Suppe suppte, und das ist das traurige Ergebnis.

Leider passiert mir das öfter. Nicht notwendigerweise mit Linsensuppe – ich bin frei in der Wahl meiner Mittel – aber die meisten Bücher, die ich regelmäßig mit mir schleppe, sehen schon entsprechend mitgenommen aus. Kaffeeflecken, Rillen im Rücken, umgeknickte Ecken, sogar … GASP … Eselsohren.

Natürlich nur meine eigenen Bücher. Bei geliehenen bin ich vorsichtiger.

Trotzdem ist das ein umstrittenes Thema, ich weiß. Aber für mich sind an Büchern nicht die Papierseiten oder der Umschlag das Wichtige, sondern die Geschichten.

(Nach der Apokalypse, wenn man Bücher nicht mehr so einfach bekommt, werde ich meine Ansicht natürlich sofort ändern und die Unversehrtheit jedes einzelnen Buches mit meinem Leben verteidigen.)

Jetzt also: Buch mit Linsensuppe.

Exotisch und doch vertraut

Angeblich gibt es, ausreichend abstrahiert, nur eine begrenzte Zahl an Geschichten, die von der Menschheit erzählt werden. Deswegen ist es umso interessanter, sich ab und zu anzuschauen, wie andere Kulturkreise diese Geschichten erzählen. Beispielsweise Geistergeschichten – die Art, wie verschiedene Kulturen Geister generell betrachten, beeinflusst, wie gruselig/mächtig/hilfreich/… Geister sind. Oder die berüchtigte (SEUFZ) Liebesgeschichte – was sind die kulturellen Hürden, die es zu überwinden gilt? Was sind die Erwartungen der jeweiligen Kultur an eine gute oder womöglich gar ideale Beziehung?

Und je fremder die Kultur einem ist, in der man sich lesend bewegt, desto wichtiger ist die Arbeit der übersetzenden Person. Strebt sie einen verfremdenden Effekt an oder versucht sie, die Geschichte in der Zielsprache möglichst natürlich wirken zu lassen? Werden Details gut erklärt oder angepasst? Haben Symbole (Farben, Tiere, … ) die gleiche Bedeutung wie in der eigenen Kultur?

Oft merkt man gar nicht, was man eigentlich für Erwartungen an die Welt hat, bis man sie aus einem anderen (Kultur-)Blickwinkel betrachtet. Und das geht beim Lesen besonders gut, da man sich in die Position einer erzählenden Figur begibt. Man er-lebt die entsprechende Kultur quasi, wenn auch nur für einige hundert Seiten.

Wichtige Spontanankündigung!

Die wunderbare Stella Delanay und ich dürfen heute Abend (also am Samstag, 17.10.2020) um 18:00 h für das Nornennetz einen Talk halten – alles digital! Unser Thema sind Stereotype in der Phantastik, und es wird garantiert … fantastisch! Natürlich, was hättet ihr denn gedacht?

So offiziell kann das aussehen. Hört uns zu!

Das einzige, was ihr braucht, um uns zu hören, ist ein Discord-Zugang, und der direkte Link zum BuCon-Server auf Discord. Das ist alles eigentlich ganz einfach und ohne Stolperfallen zu bewältigen, ich benutze das auch.

Das komplette BuCon-Programm findet ihr übrigens hier – wenn ihr euch schon registriert, könnt ihr euch ja auch die anderen anhören. Oder ihr guckt, was es auf Twitch so gibt. Außer um 18:00 h. Da existiert Twitch für euch quasi nicht. Kommt zu Discord, und zwar alle!

Nur noch 24 Stunden???

Stell dir vor, du hättest nur noch 24 Stunden zu leben. Was würdest du mit ihnen anstellen?

Schwierig.

Eins weiß ich sicher – Arbeit oder die Steuererklärung stünden nicht auf der Liste.

Wahrscheinlich würde ich mich darum kümmern, dass die Katzen und die Zimmerpflanzen gut versorgt sind.

Dass jemand sich darum kümmert, wie es mit meinen Geschichten weitergeht.

Dass die Leute, die ich mag, wissen, DASS ich sie mag. (Ein paar anderen Leuten würde ich vielleicht auch noch eben sagen, was ich von ihnen halte (abhängig von meinem persönlichen Energie-Haushalt.))

Und dann würde ich möglichst viel Zeit mit meinen Allerliebsten verbringen – versuchen, wenig Zeit mit Schimpfen und Jammern zu verschwenden, und mich stattdessen auf den Augenblick konzentrieren.

Eigentlich sollte man das sowieso viel öfter machen. Man weiß ja für gewöhnlich gar nicht, wann die eigenen finalen 24 Stunden anbrechen.

(Keine Sorge, nach dem aktuellen Stand der Dinge werde ich bei garstiger Gemütsverfassung sehr, sehr alt.)

Soundbox oder Katerhöhle?

Soundbox aus grauen Umzugsdecken, darin stehen ein Notebook, ein Mikrofon und ein weiß-roter, dicker neugieriger Kater.
Greebo inspiziert das Equipment.

In solchen Momenten rächt es sich, dass mein Büro daheim gleichzeitig Greebos Rückzugsort ist. Ohne Kater geht hier nämlich gar nichts. Falls ich also, wie neulich, eine Tonaufnahme starten will, muss ich hoffen, dass er mir nicht mit seiner Neugier und seinen Sperenzien die Aufnahme ruiniert. Glücklicherweise ist er ja eher von der ruhigen Sorte – nach einer kurzen Inspektion hat er sich in einen anderen Karton zurückgezogen und den Abend genossen, während ich aufgenommen habe.

Was ich aufgenommen habe? Ich habe doch neulich von meinem Patreon-Feed erzählt. Langfristig will ich dort die „Magie hinter den sieben Bergen“-Reihe als Hörbücher aufnehmen (und dann sehen wir weiter), und dafür übe ich im Moment Vorlesen. Also gibt es in unregelmäßigen Abständen Kurzgeschichten zu hören, schon für die niedrigste Stufe. Falls ihr euch also diesen Monat gruseln wollt … „Charybdis“ gibt es jetzt auch auf die Ohren.

Die 100 besten Fantasy-Titel …

… sucht Fischer Tor gerade – und nein, wahrscheinlich bin ich nicht dabei. Harte Konkurrenz, ist mir klar. Aber ich habe über Twitter natürlich meine Top 5 kundgetan – und mich dabei auf Autorinnen konzentriert.

Überhaupt achte ich ja seit einiger Zeit verstärkt darauf, welches Geschlecht die Autor*innen von Büchern haben, die ich lese resp. vorgeschlagen bekomme. Früher waren das nämlich zu einem Großteil (bis auf bei Thrillern, merkwürdigerweise) Männer. Und da grob die Hälfte der Menschheit nicht Männer sind, käme es mir merkwürdig vor, wenn dort das komplette schriftstellerische Talent läge. Also lese ich zum Ausgleich verstärkt nicht-cis-männliche Schreibende. Und ich muss auch ehrlich sagen … bei Büchern von cis-Autoren überlege ich aktuell oft länger, ob ich meine Zeit darauf verwenden will – es sei denn, natürlich, ich weiß, dass mir sein Schreibstil gefällt (z.B. Terry Pratchett, Neil Gaiman – und ja, ich habe immer noch nicht alle Bücher von Terry Pratchett gelesen, Schande auf mein Haupt).

Ist das diskriminierend? Ich weiß es nicht. Ja. Nein. Vielleicht.

Ich weiß nur: Ich habe begrenzte Lesezeit. Für alle Bücher auf der Welt wird es nicht reichen – nicht einmal für alle Bücher auf der Welt, die zu meinen präferierten Genres gehören. Also muss ich eine Auswahl treffen. Und wenn ich die Sichtbarkeit von Schreibenden erhöhen will, die nicht als cis-männlich gelesen werden, kann ich da bei mir genau so gut anfangen wie an jedem anderen Ort. Schließlich sollte ich die Bücher kennen, von denen ich euch vorschwärme.

Und tröstet euch – wenn mir ein Buch gut genug gefällt und/oder ich ausreichend enthusiastische Empfehlungen bekomme, dann lese ich nach wie vor auch Bücher von cis-Autoren, die ich vorher nicht auf dem Schirm hatte. Die haben es halt ein wenig schwieriger. Bei mir. Einer kleinen einzelnen Einzelperson. Hoffentlich tut das deren Karriere keinen Abbruch. [/sarkasmus]

Pa-was? Wie bitte?

Patreon.

Habt ihr bestimmt schon von gehört.

So eine Bettelplattform, auf der man Leuten regelmäßig Geld gibt, und dafür machen die dann Kunst oder Unsinn oder so.

Da bin ich jetzt auch.

LINK

In erster Linie soll es dort um das lang angeschobene Hörgeschichten-Projekt gehen. Falls euch das also interessiert, seid ihr herzlich eingeladen, mich zu unterstützen!

Der Film zum Buch

Kinners, ich bin gerade mit Harrow the Ninth von Tamsyn Muir durch. Und ich muss ganz ehrlich sagen – wenn es eine Reihe gibt, die eine Verfilmung verdient, dann diese. Von Gideon the Ninth war ich komplett geflasht – und ehrlich, ohne diesen megastarken Einstieg hätte ich „Harrow“ vielleicht nicht ausgelesen, denn der Anfang ist anstrengend und verwirrend. Aber ich sage euch jetzt schon: Es lohnt sich. Und angesichts all dieser tollen Ideen und Settings und überraschenden Wendungen kann ich nur sagen: Da sollte jemand unbedingt eine Serie draus machen.

Normalerweise bin ich ja nicht so enthusiastisch. Und bei beispielsweise den Büchern von Frances Hardinge (hört sofort mit dem Augenrollen auf!) bin ich nicht sicher, ob eine Verfilmung gut funktionieren würde – viele der tollen Dinge finden in den Charakteren statt, und da guckt man ohne Röntgengerät und MRT ja eher selten hin. Verfilmungen anderer Lieblingsbücher habe ich mir teilweise absichtlich nicht angeschaut, um nicht ausgiebig schimpfen und meine eigenen Augen rollen zu müssen.

Aber an dieser Stelle: Ihr solltet sofort „Harrow the Ninth“ lesen. Also, zuerst natürlich „Gideon the Ninth“. Dann „Harrow“. Und dann solltet ihr allen Leuten so lange mit eurer Begeisterung auf den Zeiger gehen, bis es eine gigantische neue Netflix-Serie gibt – Science Fiction mit Nekromanten und Spukhäusern. Na?

Eigentlich sollte ich dich mögen. WARUM MAG ICH DICH NICHT???

Das frage ich mich oft bei Büchern, von denen ich erwartet hatte, sie zu mögen – vielleicht sogar zu lieben. Sie erfüllen auf den ersten Blick sämtliche Kriterien, die ein gutes Buch für mich ausmachen.

Der Klappentext klingt interessant.

Die erste Leseprobe ist spannend.

Es gibt keine sprachlichen Stolpersteine.

Thema und Setting interessieren mich.

Und trotzdem … springt der Funke einfach nicht über. 

Vielleicht ist es dann nur das falsche Buch zur falschen Zeit. Vielleicht habe ich zufällig erst vor kurzem ein Buch gelesen, das diesem zu ähnlich ist. Vielleicht kenne ich meine aktuellen Buchbedürfnisse nicht so gut, wie ich dachte. Vielleicht hat das Äußere des Buches falsche Erwartungen an das geweckt, was drinnen auf mich warten würde. Vielleicht bin ich wegen der Lobeshymnen aus dem Freundeskreis so gehyped, dass das Buch mich nur noch enttäuschen kann.

Einen exakten Titel nenne ich an dieser Stelle natürlich nicht. Dass ich ein Buch aktuell nicht mag, bedeutet ja nicht, dass es schlecht ist – oder dass ich es nicht doch noch in einem halben Jahr voller Begeisterung verschlinge. Zurück bleibt für den Moment immer nur ein Gefühl der Verwirrung. Was stimmt mit dir nicht, Buch? Und was stimmt mit mir nicht? 

Flauschezombies!!!

Nein, heute geht es nicht darum, ob Zombies in entsprechenden Klimazonen schimmeln würden. (Würden sie bestimmt. Stellt euch mal den Geruch vor!)

Heute geht es um dieses kleine Wunderwerk abwegiger Fantasie, in dem ich auch eine Geschichte unterbringen konnte:

Ihr könnt es beispielsweise hier erwerben – oder überall dort, wo ein Chaospony auftaucht.