Weitere abenteuerliche Details

Ein geöffneter Rucksack, darin erkennt man ein grünes Portemonnaie und diverse Tüten mit Haribo-Süßigkeiten.
Lockstoffe

Es wäre ja blanke Zeitverschwendung, nur zu einer Brücke zu fahren, drüberzugehen und wieder heimzufahren, nicht wahr? Deswegen heute noch ein paar weitere Details zu meinem Wochenend-Abenteuer. Punkt 1: Die Verpflegung. Auch bekannt als „Nervennahrung“ oder „Damit kannst du andere Leute notfalls über den Abgrund locken“.

Auf einem Block aus Beton liegt eine kleine gelbe abgenutzte Stoffente, die Keilform hat. Im Hintergrund erkennt man unscharf mehrere Leute, die über eine Hängebrücke gehen, außerdem einen bewaldeten Hang.
ENTE!!!

Ja, die Brücke habt ihr schon gesehen. Aber die Ente auch? Die hat auf uns aufgepasst. KGE, wie wir sie zuhause nennen, war vor vielen Jahren ein Geschenk an den Mann und ist seitdem auf sehr vielen Urlaubsbildern gewesen.

Ein schattiger Waldpfad, es geht bergauf. Links sieht man mehrere Bäume an einem Hang wachsen, rechts schlängelt sich ein flacher Pfade zwischen weiteren Bäumen hindurch der Sonne entgegen.
Wanderpfade

Wer nicht über die Brücke wieder zurückgehen und dennoch zu seinem Auto zurück wollte, konnte alternativ durch das Tal unter der Brücke wandern. Es war sehr idyllisch, mit schmalen Pfaden, Liegestühlen und einem fröhlichen kleinen Bachlauf. Ein Nachteil: Man muss erst einmal ins Tal hinunter und dann auch wieder HINAUF wandern. Hat gutgetan.

Ein getupfte Rehkitz steht und sieht entspannt in die Kamera.
Bambi?

Weil nach der Brücke des Todes(TM) und der Wanderung noch ein wenig vom Tag übrig war, sind wir noch in den nahen Tier-Erlebnispark Bell gefahren. Das größte Erlebnis war, wenn man mal ein Tier gesehen hat – der Park ist eher klein (toll für Familien mit kleinen Kindern!) und die Tiere waren viel klüger als wir: Sie haben sich in den Schatten gelegt und gedöst. Aber man konnte u.a. durch das Dammwildgehege und zu den Känguruhs hineingehen. Und …

Ein Lemurenmännchen sitzt mit großen Augen auf dem Kiesboden dicht vor der Kamera. Im Hintergrund erkennt man Teile einer sitzenden Person, vorne rechts ein wenig Rucksack.
Ich möchte mit Ihnen über den Lemurengott reden.

… Lemuren! Wir haben eine ganze Weile im Gehege verbracht, auf dem Boden gesessen und die putzigen Biester beobachtet. Einige haben sich streicheln gelassen und waren auch sonst sehr interessiert. Am liebsten hätte ich einen im Rucksack mit hinausgeschmuggelt, aber das wäre natürlich nicht sehr vernünftig gewesen. (Ich habe es NICHT getan. Wir alle wissen, dass ich eine komplizierte Beziehung mit der Vernunft habe, aber hier habe ich mich diszipliniert.)

Der Rückweg hat dann übrigens aufgrund der Verkehrssituation eine Stunde länger gedauert als geplant, aber ich hatte es ganz gemütlich und bin mindestens fünf Minuten vor der von unterwegs aus bestellten Pizza zuhause angekommen.

Abenteuer Hängebrücke

Kennt ihr die Geierley-Brücke? Nein? Dann geht mal eben hierhin und lest, ich warte solange.

Da war ich heute. Nicht allein, nein, meine Freundin Paty von Good Vibes Translations, ihres Zeichens Übersetzerin und Hochzeitsrednerin war auch da. Die Brücke ist nämlich ungefähr auf der Hälfte der Strecke zwischen unseren Wohnorten – und wir haben beide Höhenangst. Rübergegangen sind wir dennoch, wir lassen uns von unseren Gehirnen ja nicht vorschreiben, was wir zu tun oder zu lassen haben!

Das sind 360 Meter Stahlseile, Schrauben, Nieten, anderes Metallgedöns und Holzbohlen, etwa 100 Meter über dem Talboden. Was für eine abwegige Idee.

PS: Das zählt als Strongman-Training, da muss ich ja auch über absurde Dinge drüber!

Die „Tricks of the Trade“ (ein kurzer Rant)

Als schreibende Person liebe ich Schreibratgeber. Manchmal lese ich sie sogar. Und natürlich durchforste ich auch das Internet, wenn ich prokrastiniere, gerne nach Tipps dazu, wie ich besser werden kann.

Immer wieder finde ich dabei Tipps oder Tricks, wie man das „unweglegbare“ Buch schreibt und Leser langfristig an sich bindet … und da ich auch gerne lese, kenne ich viele dieser Tricks auch von der anderen Seite. Und weißt du was? Die meisten von ihnen machen mich madig.

An oberster Stelle steht dabei der „Cliffhanger“, über den immer wieder gern diskutiert wird. In geringer Dosis eingesetzt, hat er durchaus seine Berechtigung, denke ich, aber so Tipps wie „Lasse jedes Kapitel mit einem Cliffhanger enden, damit die Lesenden das Buch nicht beiseite legen können!“ sind einfach nur ätzend. Möglicherweise nicht für alle, aber ICH MUSS MORGEN ARBEITEN. Am Ende eines Kapitels werde ich das Buch weglegen, das Licht ausmachen und schlafen. (Oder noch ein wenig mit dem Kater spielen, damit er bis zum Morgen Ruhe gibt.) Wenn ich also das Gefühl habe, das die Kapitel keine Sinneinheiten sind, sonder sozusagen willkürlich an der ungünstigsten Stelle beendet werden, nervt mich das. Außerdem, finde ich, zeigt es einen Mangel an Selbstvertrauen bei der schreibenden Person. Wenn die Geschichte und der Schreibstil gut sind, lese ich nämlich das Buch gerne weiter, auch wenn die Charaktere (angeblich ein „no-go“) am Ende eines jeden Kapitels schlafen gehen.

Ebenfalls unnötig finde ich es, konstant „den Einsatz zu erhöhen“. Klar, die Spannung sollte im Verlauf der Geschichte steigen, aber häufig sieht es so aus, dass Situationen immer noch absurder und noch unrealistischer werden – ein höherer Einsatz um jeden Preis! Dann ist nicht nur das Kind schwer krank und das Auto kaputt, sondern am Krankenhaus, wenn man endlich ankommt (auf einem dreibeinigen Muli), gibt es Bombenalarm und der leitende Arzt in der Notaufnahme ist der fiese Ex, der das Kind nur sterben lassen würde, um der Protagonistin einen reinzuwürgen, ohne zu wissen, dass er der Vater des Kindes und möglicherweise auch Halbbruder der Protagonistin ist. Klar, Manche Daily Soaps funktionieren so, aber es gibt einen Punkt, an dem so eine Geschichte nur noch lächerlich wirkt. Extra-Punktabzug dafür, wenn „gigantische Probleme“ sich mit einem einzigen Anruf aufklären ließen oder Figuren aus völlig vorgeschobenen Gründen nicht miteinander reden und das Missverständnis beinahe die Menschheit auslöscht. „Meine Güte, jetzt hätte ich beinahe den roten Weltvernichtungsknopf gedrückt, weil ich dachte, du hasst mich, dabei hattest du nur dein Telefon in der anderen Handtasche vergessen und konntest mir deswegen nicht Bescheid sagen, dass du dich fünfzehn Minuten verspätest!“

Ein zweischneidiges Schwert sind die „sympathischen Charaktere“. Klar, ich lese am liebsten über Leute, deren Motivation ich nachvollziehen kann und mit denen ich zur Not auch ein Wochenende in einer einsamen Blockhütte verbringen würde. Aber zwei Standardlösungen, um Charaktere sympathisch zu machen, sind:

  1. Der Charakter ist ein „Underdog“ und/oder Ausgestoßener mit einem furchtbaren Geheimnis.
  2. Der Charakter ist etwas Besonderes und von allen anderen missverstanden (ein Klassiker: Das „nicht wie alle anderen Mädchen“-Trope).

Um diese Dinge so richtig klarzumachen, sind alle anderen herablassend bis gemein zu ihnen. Und da denke ich mir als Leserin: Wieso zum Henker sollte ich meine kostbare Lesezeit in einer Welt verbringen, in der alle furchtbar zueinander sind? Sogar Aschenputtel hatte ihre singenden Mäuse (oder einen guten Dealer)!

Ebenfalls zweischneidig der Rat: „Enthalte Informationen vor“. Ja, bitte, dringend, je nach Geschichte mehr oder weniger – sonst wäre es kein Mystery, sondern ein Aufsatz in chronologischer Reihenfolge. Aber wenn dieser Kniff plump angewandt wird und konstant etwas angedeutet wird, das wahrscheinlich alle Leute bis auf die lesende Person wissen, wird es schnell langweilig und man merkt, dass damit nur eigentlich nicht vorhandene Spannung ausgestopft werden soll.

Ach so, noch ein stilistischer „Tipp“, den ich persönlich hasse: Kurze Sätze.

Sind leichter zu verstehen.

Leute mögen das.

Die kann man schneller lesen.

Aber merkt ihr es? Der Rhythmus des Textes geht dadurch kaputt, und das Lesen macht keinen Spaß mehr. Klar, wer nicht (auch) wegen der Sprache da ist, wird sich da nicht dran stören. Für mich ist schön eingesetzte Sprache wichtig. Dazu gehören nicht nur gut gewählte Wörter und Ausdrücke, sondern auch ein ordentlicher Rhythmus. In Action-Szenen sind kurze Sätze nützlich, um das Atemlose im Moment auszudrücken. Ruhige Momente vertragen längere Sätze und weiche Silben. Meistens kommt es darauf an, die richtige Mischung zu finden.

Der Mann hat einen Ratschlag, den er gern wiederholt: „Don’t learn the tricks of the trade – learn the trade“ (in etwa: Anstatt Hacks auf einem Gebiet zu lernen, arbeite dich lieber richtig in das Gebiet ein.) Und das finde ich gut und richtig – auch beim Schreiben. Klar gibt es Dinge, von denen man sagen kann: Die funktionieren, wenn du deinen Text leichter lesbar/unterhaltsamer/spannender/… machen willst. Aber anstatt sich mit Abkürzungen und Tricks aufzuhalten, sollte man sich lieber darauf konzentrieren, erst einmal eine wirklich, wirklich gute Geschichte zu schreiben.

Jetzt bist du dran: Hab ich mich da in etwas verrannt? Oder habe ich vielleicht sogar etwas vergessen? Welche „Schreib-Hacks“ hasst du, welche sind nützlich – oder überflüssig?

Starke Charakterteams

Beim Lesen fällt mir immer wieder auf, wie sehr ich es mag, wirklich gut geschriebenen Teams zu begegnen. Man bekommt unterschiedliche Ein- und Ansichten präsentiert, kann Dinge aus unterschiedlichen Blickwinkeln erleben und an mehrere Orten gleichzeitig sein.

Und das bezieht sich nicht nur auf romantische Paare, obwohl die, soweit ich das sehe, das häufigste Team in Büchern sind. Ich bin da mit Helena und Falk ja auch nicht ganz unbeleckt, zugegeben. Aber genau so sehr mag ich es, wenn Leute gute Kolleg*innenteams oder Freundschaften schreiben – ach, sogar reine temporäre Zweckgemeinschaften können ein echtes Lesevergnügen sein.

Natürlich gibt es eine Teamgröße, aber der es unübersichtlich wird – so ab sechs, sieben Leuten? Und zwei allein ist natürlich gut zu schreiben und zu steuern, aber manchmal etwas eintönig, wenn man immer dieselbe Dynamik präsentiert bekommt.

Vor kurzem habe ich „Nettle and Bone“ von T. Kingfisher gelesen und war sehr geflasht, wie gut das kleine Team, das sich im Lauf der Geschichte zusammensetzt, miteinander funktioniert. Ich hatte einen guten Eindruck davon, dass es lauter verschiedene Figuren sind, die unterschiedliche Lebenserfahrungen gemacht haben, auf unterschiedliche Weise sprechen und handeln und auf die gleiche Situation stark unterschiedliche reagieren – je nach ihren Erfahrungen und Persönlichkeiten.

Und wisst ihr, wie schwierig das zu schreiben ist? Im Moment schlage ich mich mit einem vergleichsweise großen Cast wirklich eigensinniger (Neben-)Charaktere herum, und ich bin noch nicht sicher, wer gewinnt. Es fühlt sich an, als dürfe man einen Abend lang mit einer gut aufeinander eingespielten Truppe um die Häuser ziehen.

Welches sind deine liebsten Charakterteams?

Spooctacular Spooctacular!

Auf verschiedenen Kanälen denke ich gerade liebevoll an „Lichterspuk“ zurück – Band sieben von „Magie hinter den sieben Bergen“ und eine waschechte Spukgeschichte.

Spukgeschichten scheinen ein wenig aus der Mode gekommen zu sein, und ich bin nicht ganz sicher, woran das liegt. Zugegeben, Gespenster sind (nicht immer!) weniger blutrünstig als Zombies oder außerirdische Hirnfresser, aber das macht sie eigentlich nicht weniger spannend.

Bei „Ghostbusters“ wird der Begriff „Ghost“ im Namen übergeordnet verwendet für alle Arten von übernatürlichen Erscheinungen, die den menschlichen Alltag in Unordnung bringen: Dämonen, Gespenster, Poltergeister, … Ich möchte heute nur über das klassische Gespenst reden, und das dafür kurz und knackig.

Was ist also ein Gespenst?

Eigentlich eine verstorbene Person, die irgendwie nicht mitbekommen hat, dass sie tot ist. Es gibt verschiedene Gründe, aus denen man das Leben nach dem Tod zwischen lebenden Menschen fortsetzt: Unerledigte Aufgaben, unerwiderte/unerfüllte Gefühle, Familienflüche, pure Sturheit, Tradition, … Und es gibt auch verschiedene Methoden, als Gespenst zu existieren. Manche bleiben in der Nähe ihrer Grabstätte, andere spuken in ihrem ehemaligen(?) Zuhause oder an Orten, die ihnen besonders wichtig sind.

Und was tut man als Spuk so, um sich die Zeit zu vertreiben? Herumhängen, sehnsuchtsvoll hinter einem Fenster stehen, Musik spielen, jemandem eine kalte Geisterhand in den Nacken legen, mit den Ketten rasseln – ach, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Mich selbst haben vor allem zwei Geistergeschichten beeindruckt, und von einer weiß ich nicht einmal mehr den Titel – die habe ich in einer Gespenstergeschichtensammlung gelesen, als ich ein Kind war. Es ging um einen rachsüchtigen Mann, der sich noch nach dem Tod auf sehr physische Weise an seinem Bestatter(?) gerächt hat, indem er ihm die Knöchel zerbissen hat. Ja, es war eine etwas komplizierte Geschichte, aber sie ist mir im Gedächtnis geblieben, weil der Geist in dieser Geschichte nicht nur auf sein eigenes Grab, sondern offenbar auf seinen eigenen Sarg beschränkt war.

Das andere Gespenst ist natürlich „Das Gespenst von Canterville“ von Oscar Wilde. Man kann diverse Verfilmungen sehen, aber ich empfehle natürlich, das Original zu lesen. Da lernst du eine Menge darüber, was man alles tun muss, um sich als Gespenst einen guten Ruf zu erhalten.

Außer in „Lichterspuk„, wo ich eine regional bekannte Sage aus der Grafschaft Bentheim aufgreife, habe ich Geister nur am Rand behandelt- zum Beispiel gibt es eine Gespenstererscheinung in einem verlassenen Haus in „Feuerschule“ oder den Auslöser für den Werwolf-Fluch in „Der Werwolf von Mehlem„. Und natürlich dürfen wir „Das Oktoberhaus“ nicht vergessen, da werden schließlich Spukerscheinungen gesammelt. Falls dir also nach einer gruseligen Abkühlung zumute ist, weißt du, wo du sie findest. Und vielleicht schaffe ich es irgendwann doch noch einmal, eine ganz traditionelle Geistergeschichte zu erzählen.

Was ich immer schon einmal lesen wollte (sollte?)…

Bestimmt hast du auch mal eine dieser Listen gesehen: 100 oder so Bücher, die man gelesen haben sollte. Und dann stehen da ein paar Klassiker drauf, ein paar modernere Bestseller und irgendwas, worüber jeder, der sich für eine*n Intellektuelle*n hält, gelegentlich redet – meist in einem sehr verdrehten Kontext (schielt auf „Schöne neue Welt“ und „1984“). Die Auswahl wirkt zufällig, stark beschränkt auf die westliche Welt (Ausnahmen: Isabel Allende und Gabriel Garcia Marquez) und irgendwie freudlos.

Vor unscharfem Hintergrund sieht man einen Stapel verschieden großer Hardcover, von denen nur das untere Ende zu sehen ist.
Foto von Claudia Wolff, gefunden auf Unsplash.

Wenn du eine Leseratte bist, gehst du diese Listen doch immer wieder durch und guckst, was du von den Sachen schon gelesen hast. Bist du ambitioniert, nimmst du dir außerdem vor, deinen „Punktestand“ zu erhöhen und dir das eine oder andere Buch von der Liste doch noch zu Gemüte zu führen – kann nicht sein, dass nur ich das mache.

Und wenn du diesen Kreislauf einige Male durchlaufen hast, fragst du dich irgendwann: WARUM sollte ich all diese Bücher gelesen haben?

Gut, bei einigen ist es klar – sie gehören sozusagen zum Allgemeinwissen und werden so oft referenziert, dass die Lektüre sich lohnt, allein schon, um eine Blamage zu vermeiden („Animal Farm“!).

Andere sind nicht grundlos Klassiker, sie bringen sprachliche und/oder gesellschaftliche und/oder historische Feinheiten mit, die man auch heute noch durchaus genießen kann.

Darüber hinaus fällt mir aber gerade, außer dem Angeber-Kommentar in den sozialen Medien („Hab ich natürlich alle gelesen, wer denn nicht? Alles Banausen hier!“), tatsächlich kein einziger guter Grund ein.

Beispiel: Diese Woche habe ich „What moves the Dead“ von T. Kingfisher gelesen (sehr empfehlenswert, steht wahrscheinlich auf keiner dieser Listen). Im Nachwort erwähnt die Autorin, dass – was gebildeteren Leuten eventuell direkt klar geworden wäre – sie sich auf eine Geschichte von Edgar Allen Poe bezieht, die „jeder“, der eine englische Schule besucht hat, bestimmt gelesen habe. Ich war auf keiner englischen Schule und habe die Geschichte nicht gelesen. Dachte kurz, das könne ich aber doch nachholen. Dann erinnerte ich mich daran, wie sehr der aus heutiger Sicht schwurbelige Stil von Poe mich in der Vergangenheit genervt hat, und habe es bleiben lassen. Möglicherweise entgehen mir dadurch Feinheiten in „What moves the Dead“, aber ich werde damit leben können.

Lesen sollte einem immer etwas geben. Idealerweise macht es Spaß, man lernt etwas dazu, erlebt neue Abenteuer, nimmt andere Perspektiven ein, erfährt etwas über sich selbst und/oder die Welt. Etwas zu lesen, nur damit man es gelesen hat, erscheint mir wenig vernünftig. Schließlich hat niemand von uns einen Zeitscheißer zuhause!

(Ja, ich habe auch schon überlegt, welche Bücher ich auf meine „Diese hundert Bücher solltest du gelesen haben!“-Liste packen würde. Konnte mich bis jetzt zügeln. Falls du Empfehlungen brauchst, kannst du in meine Liste gelesener Bücher schauen – wenn ich ein Buch auslese, ist es meistens schon nicht ganz furchtbar.) Und da stehen auch garantiert mehr als hundert Bücher drauf.

Aber zurück zum Thema: Welches Buch würdest du empfehlen, das ich unbedingt lesen sollte?

Warten und wandern

Aktuell besuchen wir einmal pro Woche einen Verwandten in einem weiter entfernten Krankenhaus. Und weil ja immer noch Corona ist, lassen die natürlich nur eine Person pro Tag als Besucher rein. Der Mann fährt aus gesundheitlichen Gründen nicht gern so eine lange Strecke am Stück, also muss ich ran.

In den letzten Wochen habe ich mir Arbeit und Bücher mitgenommen. In unserem Auto wartet es sich ja ganz bequem.

Die Aussicht.
Die Arbeit (fertig, nach dem Blocken).

Diesmal war das Wetter aber so schön, dass ich stattdessen auf gut Glück in die Landschaft gelaufen bin. Mach ich manchmal. Geht meistens gut.

Ein … Dings? Im Ernst, Leute, wer weiß, was das ist?
Eine Aussicht.
Eine Präzisions-Sonnenuhr.
Eine Sternwarte.

Ich sag doch, meist geht das ganz gut. ^^

Streiten will gelernt – und geübt – sein

Der Mann und ich haben ein Luxusproblem: Wir diskutieren und streiten gern und ausdauernd – aber selten über Beziehungsthemen, und eher z.B. über Politik. Das kann sich dann schon über Stunden hinziehen, wir graben Quellen für unsere Standpunkte aus und vergleichen Statistiken. In manchen Themengebieten bemühen wir Zitate und analysieren die genau darauf, was da denn jetzt steht/gesagt wurde und wie verlässlich die Quelle ist.

Bei Dingen, die uns persönlich betreffen, streiten wir vielleicht zweimal im Jahr. Gut, ab und zu diskutieren wir, aber alles, was sich in weniger als zehn Minuten friedlich ausräumen lässt, qualifiziert für mich nicht als Streit.

Gestern beispielsweise haben wir auf Netflix „Unser Vater Dr. Cline“ geschaut und über die Motive der verschiedenen Beteiligten diskutiert, auch wohl hitziger. (Details zum Fall, wenn du interessiert bist, gibt es beispielsweise hier.) Dadurch zieht sich das Schauvergnügen durchaus in die Länge, weil wir immer wieder pausieren, um zu reden, aber ich finde es wirklich faszinierend, verschiedene Blickwinkel zu vergleichen.

Gerade angesichts der Tatsache, wie unterschiedlich er und ich in den meisten Dingen sind, wundern Familie und Freunde sich öfter mal darüber, wie selten wir streiten. Ich glaube, wir haben beide das Glück, dass

a) jede*r glaubt, er*sie sei eigentlich etwas schlauer als der*die andere und

b) wir sehr geduldig miteinander umgehen.

Egal, ob er mal wieder Tassen und Flaschen auf dem Wohnzimmertisch hat stehenlassen oder ich mein Handarbeitszeug im halben Wohnzimmer ausbreite, nach fünfzehn Jahren haben wir viel Toleranz für die Machen der anderen Person entwickelt. So weiß ich, dass er vor allem früh am Tag Probleme mit der Pünktlichkeit hat, und er erkennt die Anzeichen dafür, dass ich zu müde bin und jeden Augenblick quengelig werden kann (üblicherweise ab spätestens 21 Uhr).

Natürlich gibt es Dinge an der jeweils anderen Person, die uns grandios nerven, und es ist wichtig, auch mal Dampf abzulassen. Aber dafür hat man ja Freund*innen, bei denen man schimpfen kann, oder zur Not das Notizbuch für kleinere Rants. ^^

Einige Leute behaupten, ich sei zu harmoniebedürftig und ein „Pushover“, und vielleicht haben sie damit auch Recht – ich vergeude ungern Energie auf Streit, wenn ich mit weniger Aufwand eine Sache anders richten kann. Andere Leute behaupten ja, Streit halte die Leidenschaft jung. Wie ist das bei dir?

Probier’s mal mit Gemütlichkeit!

Ein schwarzweißer Kater hat es sich auf einem grauen Sofa auf einer rosa gestreiften Häkeltasche gemütlich gemacht und schaut aufmerksam auf die Person hinter der Kamera.
Symbolbild

Das war dringend nötig. So viele Dinge, die ich dringend zu erledigen hätte – so viele Dinge, die ich tun oder vorbereiten will! Stattdessen habe ich den Sonntag auf dem Sofa verbracht, ungesundes Zeug gegessen, endlich(!!!) „Stranger Things“ aufgesehen und ein Häkelprojet beendet, das schon seit Wochen hier liegt. Die Aufgaben laufen ja nicht weg, nicht wahr?

Sacken lassen

Es hilft ja gelegentlich, Dinge „sacken zu lassen“. Also zu warten, bis etwas sich etwas gesetzt/gefestigt/beruhigt hat, und dann zu schauen, was da eigentlich ist. Vor allem im Lernbereich ist das angeblich eine prima Methode.

Wer mich kennt, weiß: Da hab ich keine Geduld für.

Letztes Wochenende habe ich dann allerdings nach Mooooooonaten zum ersten Mal wieder einen kurzen Text eingelesen und dabei gemerkt – huch, ich glaube, ich bin tatsächlich besser geworden. Ob das daran liegt, dass ich das über lange Zeit gelernte etwas ruhen lassen und verinnerlichen konnte? Oder kommt es mir nur so vor, weil der Abstand zu meinen letzten stümperhafteren Aufnahmen größer ist? Bin ich vielleicht gar unkritischer, weil ich mich weniger mit der Materie beschäftigt habe, und in Wahrheit gar nicht besser geworden?

Tja, auch das wird wohl nur die Zeit zeigen. Jetzt bin ich erst einmal froh, dass ich wieder mehr Zeit für solche Aktionen habe, und freue mich darüber, dass ich das Aufnehmen tatsächlich vermisst habe.

(Das Schneiden nicht, fürchte ich – das nervt mich ähnlich hart wie das Überarbeiten meiner geschriebenen Texte. Irgendwie habe ich den Anspruch, dass all meine Wortergüsse doch bitte eigentlich im ersten Anlauf wohl gefälligst mindestens perfekt zu sein hätten, vielen Dank.)