Kurz vor dem sicheren Hafen der Ehe

… nein, nicht ich. Wo denkt ihr hin? Eine gute Freundin hat sich nach ausgiebiger Prüfung entschlossen, dass es jetzt auch nicht mehr drauf ankommt, und heiratet demnächst. Und was kommt davor?

Der Junggesellinnenabschied.

So richtig wild soll es nicht werden, das steht schonmal fest. Wir sind schließlich alle nicht mehr die Jüngsten. Ein bisschen Wellness wäre schön. Oh, und es muss bald stattfinden, denn ihre Hochzeit ist Anfang Mai.

Warum müssen manche Leute immer so furchtbar spontan sein?

Und wisst ihr, wer gar nicht spontan ist?

MENSCHEN ÜBER DREISSIG.

Ich also, herzensgute Person, versuche vergeblich, mehr als zwei Personen mit eigenem Leben und vollem Terminkalender an einem Samstag im April zu versammeln, damit wir es uns mit der Braut noch einmal gemütlich machen können.

Im Moment sieht es aus, als seien wir zu viert (inklusive Braut). Eine weitere gemeinsame Freundin feuert uns aus der Ferne an, die ist selbst schwanger und fühlt sich soviel Aufregung nicht gewachsen.

Als nächstes: Der Zeitplan. Wir können nicht zu früh anfangen, sollten aber auch nicht zu spät aufhören. Nach einigem Schieben sieht es so aus, als könne alle Bespaßung zwischen 15:30 und 21:00 h stattfinden. Mein einziger Trost: Richtig teuer wird es in der kurzen Zeit wahrscheinlich auch nicht.

Eine fünfte Person meldet sich spontan. Das geht nicht mit rechten Dingen zu.

Einige Tage später hasst uns der Wellness-Anbieter nach mehreren spontanen Umentscheidungen wahrscheinlich, und ich fürchte, dass wir einen „Spezialaufguss“ mit Biberurin oder so bekommen. Ich versuche, diverse Sonderwünsche und Planänderungen mit extraviel Lob in den E-Mails zu polstern. Die arme Dame, die das alles organisieren muss, tut mir leid – auch wenn sie inzwischen rote Farbe für die Schrift ihrer E-Mails nutzt und nur noch fett gedruckt kommuniziert.

Nachdem wir der Braut glaubhaft versichert haben, sie müsse eine Rheumadecke kaufen und/oder werde mit Schnee abgerieben und/oder auf der Beueler Seite im Rheinufer vergraben, wird es doch noch ganz gemütlich. Zwischen Wellness und Restaurant finden wir sogar noch Zeit für Cocktails. Und obwohl es an diesem Tag DREIMAL auf mich draufschneit (im April, wohlgemerkt), finde ich es gar nicht so furchtbar. Kein Wunder, ist ja auch hervorragend organisiert. Und wenn man davon absieht, dass wir wahrscheinlich das komplette libanesische Restaurant mit unserem „Penis Talk“ unterhalten haben, waren wir auch wirklich zivilisiert. (Psst, die Braut hat eine rohe Paprikaschote mitgehen lassen!)

Auf jeden Fall ein weiteres gutes Argument dafür, einfach durchzubrennen und niemandem von der Hochzeit zu erzählen, bis das Erstgeborene Abi macht.

 

Neues aus der Tentakelwelt

Wenn man Erscheinungen hat, kann man einiges tun. Zum Arzt gehen, beispielsweise. Oder sich informieren, wie das mit der Seligsprechung denn wohl funktioniert.

Oder man macht es wie ich und listet die eigenen Erscheinungen auf: ERSCHEINUNGEN.

Manchmal bin ich nämlich wie ein Hirngespinst, oder eine Vision. Ich erscheine – auch euch, wenn ihr wollt, dafür müsst ihr nur an den entsprechenden Tagen zu den entsprechenden Veranstaltungen kommen. Und damit ihr euch mit mir nicht langweilt, bringe ich noch etwas mit: Andrea mit Hut. Oder vielleicht auch nur den Hut, ohne Andrea. Die braucht schließlich auch mal Urlaub.

56635030_2205787979750761_2710367467514888192_n.jpg

Den Hut hat Andrea übrigens bei Miranda’s Choice in Auftrag gegeben. Geht hin, kauft Kopfschmuck! (Als nächstes hätte ich gerne eine Tentakelfliege.)

Der Duft des Frühlings

Der Gartenfrühling hat begonnen.

Der Gartenfrühling ist eine besonderes Variante des regulären Frühlings.

Und woran erkennt man, dass der Gartenfrühling begonnen hat?

Nun, wenigstens in einer guten deutschen Siedlung am Benzinduft, der an einem Samstag Vormittag in der Luft liegt, begleitet vom lieblichen Gesang der Laubbläser.

Denn ihr müsst wissen, Dinge wie Besen oder Laubrechen sind Instrumente des Teufels, mit denen er den braven deutschen Gärtner im zwanzigsten Jahrhundert festhalten will, als man noch nicht fossile Brennstoffe verschwendet hat, um die Natur im heimischen Garten sauber und ordentlich aufzuhäufen.

Ich sitze also bei offener Balkontür auf dem Sofa und lese mein Magazin. Einige Etagen unter mir tobt sich der Laubbläser so richtig aus.

Gute deutsche Gartenordnung!

Auf unserem Balkon stehen die leeren Pflanzkästen und -kübel vom letzten Jahr. Der Apfelbaum treibt bereits Blüten. Die leeren Bierkästen könnte ich mal entsorgen. Unter dem Balkondach sammeln sich Spinnweben. Auf dem größten Pflanzkasten steht eine Schale mit Murmeln und Zuckerwasser für die Bienen. Der Kater thront auf der Rückenlehne des Balkonstuhls, den ich natürlich nicht im Herbst in den Keller getragen habe. Er sonnt sich.

Nach einer halben Stunde verstummt der Laubbläser, pünktlich zur Mittagszeit.

Eine milde Brise lässt den Wohnzimmervorhang wallen. Stille breitet sich aus Es riecht wieder nach Frühling.

Ist das Leben nicht schön?

iMprESSionEn

Oder auch: Wie ich mich an möglichst vielen Leuten gerieben und diverse andere Leute angeleckt habe.

Auf den Fotos sind unter anderem zu sehen:

Anja Bagus

J. S. Hartmann

Thorsten Hoß

Babsi

Eleonore Laubenstein

Timo Koch

Katharina Rauh

Katrin Ils

Anne Zandt

Brida Anderson

Andere Leute habe ich getroffen, aber nicht fotografiert, und ein paar Leute habe ich fotografiert, aber mein Telefon macht Faxen und die Fotos kommen dann später. Es war megaanstrengend und supertoll und überhaupt will ich natürlich wieder hin. Und ihr so?

Nicht der Postmessepost

(Ich verspreche, ein kurzer Messebericht mit vielen bunten Bildern kommt noch, aber mir fehlt gerade ein Kabel, und stattdessen habe ich zu viele Gedanken. Hier sind ein paar.)

Das Büro, in dem ich arbeite, ist nicht gerade die Speerspitze der Innovation. Dementsprechend arbeiten hier wenige karriereorientierte junge Giganten, sondern mehr so … normale Leute. Menschen, die nach dem Büro nach Hause gehen und froh sind, dass man ihnen für den Monatslohn nur selten ein Körperteil abschneidet. Nicht mehr die Jüngsten. Menschen, die gelernt haben, Kompromisse einzugehen – wenn man Familie (oder wenigstens Kinder) hat oder die Angehörigen krank und pflegebedürftig sind, wenn die eigene Ausbildung aus dem Heimatland vom Staat nicht anerkannt wird oder man aus diversen Gründen kaum Anspruch auf Unterstützung hat, dann arbeitet man halt, beispielsweise hier, und macht das Beste aus der Situation.

Keine Sorge, das ist kein Jammer-Beitrag. Nur, damit ihr euch die Leute hier vorstellen könnt. Wir kommen morgen her, stempeln ein, arbeiten bis Feierabend, trinken zwischendurch einen Kaffee oder Tee und vergessen alles, was im Büro passiert ist, sobald wir am frühen Abend das Gelände verlassen. Wir sind nicht „die Elite“, nicht „die Großen von Morgen“, keine „Wunderkinder“.

Unter diesen völlig normalen, langweiligen Menschen gibt es allerdings viele, die im fortgeschrittenen Alter noch schnell ihre Kreativität entdecken – und da wird es spannend. Die Dame aus der Buchhaltung, die mit knapp 50 Jahren anfängt, Saxophon zu lernen (denn das allein aufgezogene Kind ist endlich aus dem Haus und sie hat jetzt etwas Zeit für sich). Der Laufbursche, der in seiner Freizeit Schmuckvögel züchtet, seit er  endlich einen kleinen Garten hat. Die Fahrerin, die Abends noch Kleider näht, weil sie es möchte. Diese Liste ließe sich fortsetzen. Einige designen, andere spielen Theater, singen, …

Wenn man da so drüber nachdenkt, wundert einen das vielleicht im ersten Moment. Diese Leute, die nie irgendwas „Künstlerisches“ gemacht haben, entdecken plötzlich ihre schöpferische Ader? Was soll das – Midlife-Crisis? Füllen sie mit der „Kunst“ die Leere, die nach der Nestflucht der Kinder (oder dem Verblassen der eigenen Jugendträume) übrigbleibt?

Nö. Also, ich glaube das nicht. Meiner Meinung nach gibt es ein anderes Problem, das viele Leute trifft: Wenn wir aufwachsen, wird uns weißgemacht, dass „Kunst“ etwas sei, was man machen kann, wenn für alles andere gesorgt ist. Wenn man einen festen Job hat, ein Haus, wenn die Familie versorgt ist, der Autokredit abbezahlt, die Küche sauber – und wenn man DANN noch Energie hat, kann man ja mal so ein bisschen Kunst. Es sei denn, man gehört zu den Genies, denen alles von klein auf in die Wiege gelegt wurde. Die erkennt man am Glorienschein und der Muse auf der Schulter oder so.

Dabei ist Kunst eigentlich überlebenswichtig. Bilder, Skulpturen, Texte und Musik sind die ältesten Ausdrucksformen. Schon immer wollten Menschen ausdrücken, was in ihnen war, und es für die Nachwelt hinterlassen (sogar wenn die Nachwelt davon vielleicht nie etwas mitbekommt). Ich spreche jetzt mal für mich selbst: Wenn ich ein paar Tage nicht geschrieben habe – und ich bin weder ein Genie noch berühmt, die Zeit fürs Schreiben ist von den „wichtigen“ Alltagsdingen gestohlen – werde ich unleidig. Glücklicherweise sind künstlerische Hobbies in meiner Familie weit verbreitet. Auch wenn immer gesagt wurde, ich solle mich erst um einen vernünftigen Job kümmern, ehe ich an meiner Schriftstellerkarriere arbeite, wurde ich nicht aktiv entmutigt. Wir Kinder hatten Zugang zu Büchern, Stiften und Papier und, soweit das Budget es zuließ, zu Musikinstrumenten. Alle meine Schwestern haben immer irgendwas geschaffen, was vorher nicht da war. Trotz Kindern, Häusern, Jobs. Und wir sind, trotz aller Begrenzungen, behaupte ich mal, gerade dadurch glücklichere Menschen.

Also: Für mehr Kunst. Ohne Berücksichtigung von Genie, Talent oder wirtschaftlicher Plausibilität. Für mehr Kunst, weil Kunst wichtig ist. Und vor allem für mehr Kunst, die „nichts bringt“, einfach, weil man es möchte.

Ergibt das außerhalb meines Kopfes überhaupt Sinn? ^^

 

Stille Kunst

Samstag Abend hatten der Mann und ich ein Date, bei dem wir uns endlich mal wieder beide so richtig jung fühlen konnten: In der Bundeskunsthalle wurde „Metropolis“ gezeigt. Zwar nur mit Musik vom Band, aber dafür in ungefähr fast vollständiger Länge. Was ich nämlich vorher auch nicht wusste: Kurz nach der Erstaufführung wurde der Film vehement gekürzt und überarbeitet, und etwa ein Viertel des Materials (wenn ich mich korrekt an die einleitende Ansprache erinnere) galt lange als verschollen. Erst vor wenigen Jahren tauchte in Buenos Aires das fehlende Material (größtenteils) wieder auf, allerdings in schlechterem Zustand. Fachleute hatten dieses Material liebevoll wieder eingefügt und das, was noch fehlte, durch erklärende Texte ergänzt.

Also hatten wir gut 140 Minuten Film – ohne ein einziges gesprochenes Wort. Und ich muss sagen, ich bin beeindruckt, wie gut verständlich die Figuren auch sprachlos waren. Gut, für heutige Verhältnisse waren manche Szenen vielleicht ein bisschen überspielt, aber wir haben uns definitiv nicht gelangweilt. Und wenn man dazu noch bedenkt, mit was für bescheidenen Mitteln die Special Effects erreicht werden mussten, ist „Metropolis“ ein Film, den man duchaus auch heute noch gucken kann und soll.

Übrigens wusste ich vorher gar nicht, dass die Vorlage für „Metropolis“ von einer Autorin stammt, nämlich von Thea von Harbou, welche als eine der bedeutendsten Frauen des frühen deutschen Films gilt. Auch im Bereich der Belletristik war sie überaus produktiv – umso merkwürdiger, dass man den Namen heutzutage so selten hört. Ich werde auf jeden Fall recherchieren.

Smartphones – die Stiefkinder der Kreativität

Manchmal scheint mir, als hätten Autoren seit den Neunzigern nicht viel dazugelernt. Sie setzen Leute in unmöglichen Situationen aus – und das erste, was sie machen: Sie nehmen ihnen auf eine mehr oder weniger dumme Weise das Telefon weg.

Einige ältere Generationen erinnern sich vielleicht noch daran – als ich im Gymnasium war, waren Handys neu und aufregend, SMS waren teuer und längst nicht jeder hatte so ein grandioses Teil.

Inzwischen gilt man als seltsam, wenn man KEIN Handy hat.

Viele Stories sind allerdings ganz leicht zu lösen, wenn die Charaktere ein Telefon haben – glaubt man wenigstens.

Verlaufen? Dein Telefon hat GPS und eine Karten-App.

Jemand bricht in dein Haus ein? Ruf die Polizei.

Du siehst etwas Seltsames? Mach schnell ein Foto davon. Die meisten Smartphone-Kameras sind besser als das, was Hobbyfotografen damals mit sich herumschleppen (und die Fotos dann für teures Geld entwickeln lassen) mussten. Und meine Güte, die Dinger haben ja sogar Videofunktion!

Was macht die findige Autorin also seit den Neunzigern? Sie lässt dem Handy die Batterie auslaufen. Oder ausgerechnet im entscheidenden Moment haben die Charaktere ihre Handys vergessen – im Auto, daheim, im Büro. Oft lassen sie es auch absichtlich liegen, weil sie bestimmten Anrufen aus dem Weg gehen wollen (oder, jüngeren Datums, ein Technik-Sabbatical-Wochenende machen). Ebenfalls beliebt sind kleine Unfälle, bei denen das Telefon dann durch Ungeschicklichkeit gebrauchsunfähig wird. Oder man schickt die Leute eben fix in die Wildnis, wo es kein Netz gibt.

Ich finde das inzwischen ziemlich faul. Smartphones sind inzwischen überall, und sie verschwinden auch nicht eben schnell, weil Autorinnen es sich wünschen. Aufgebrauchtes Datenvolumen kann man aufstocken, in großen Teilen der zivilisierten Welt ist der Empfang flächendeckend und wer Angst um seinen Akku hat, trägt eine Powerbank mit sich. Einmal abgesehen davon, dass man Smartphones fast überall laden kann und die meisten Leute das auch konstant tun.

Und wenn wir einmal ehrlich sind – Smartphones lösen gar nicht alle Probleme. Sogar wenn der Held im entscheidenden Moment die Polizei rufen kann, braucht die trotzdem noch eine Weile, um anzukommen. Falls er überhaupt glaubhaft vermitteln kann, was gerade los ist und wo er sich befindet. Fotos und Videos von merkwürdigen Ereignissen könnten manipuliert sein. Und auch wenn man weiß, wo man sich befindet, kann man trotzdem kilometerweit von Hilfe entfernt sein. Sogar wenn man anderen seinen Standpunkt exakt mitteilen kann.

Ich finde, wir sollten Smartphones stattdessen lieber für unsere Zwecke einsetzen. Sie lösen nicht alle Probleme, sie ruinieren nicht jeden Plot und sie können unser Leben sowohl einfacher als auch gefährlicher machen – je nachdem, wie die Autorin sie einsetzt.

Verlage Gegen Rechts auf der LBM

Ihr Statement:

Dem Rechtsruck entschlossen entgegentreten

Als sich die Kampagne „Verlage gegen rechts“ gründete, war das der längst überfällige Versuch, die Präsenz rechter und rechtsradikaler Verlage auf den Buchmessen institutionell zu skandalisieren. Mit guter Medienresonanz und einer Fülle stark besuchter Veranstaltungen gelang ein Programm, das die Unangemessenheit der lautstarken Auftritte von rechts zeigte und sachliche Diskussion mit eigenen Inhalten dagegenstellte. Trotz dieses Erfolgs lautet unsere Bilanz: Das reicht uns nicht!

In Deutschland wie europa- und weltweit erleben wir zunehmend beängstigende Ressentiments und menschenfeindlichen Rassismus. In dieser Situation ist es uns unbegreiflich, dass sich so viele, die in unserer Buchbranche arbeiten, weiterhin nicht positionieren, geschweige denn engagieren.

Sich gezielt unpolitisch zu geben oder nach rechts unabgegrenzte Programmarbeit zu machen, stärkt diejenigen, die eine tolerante und demokratische Weltanschauung attackieren und unterminieren. Die deutsche Verlagslandschaft hat sich jahrzehntelang kritisch mit dem Nationalsozialismus, seinen Ursachen und Folgen auseinandergesetzt. Umso unerklärlicher, dass die Gefahr neuer faschistischer Tendenzen unterschätzt wird. Während tausende Menschen im Mittelmeer in den Tod getrieben werden und uns täglich „die Fähigkeit des Menschen zur Unmenschlichkeit“ (Rosa Luxemburg) vor Augen geführt wird, kommt das Humane, was Literatur ausmacht, zu kurz.
Verlagsarbeit heißt in unseren Augen, die Welt zwischen zwei Buchdeckel zu bringen, die Perspektiven von Menschen aus allen möglichen Ländern zu beleuchten und gerade die Stimmen der Unterdrückten und der Andersdenkenden vernehmbar zu machen. Abschottung ist in einer Branche, in der jährlich tausende Titel aus anderen Sprachen übersetzt werden, schlechterdings die Antithese.

Während der Kampagne ist uns allzu oft das Wort Meinungsfreiheit entgegengehalten worden, wie auch die Forderung, mit rechten Demagog*innen und Aufhetzer*innen zu reden. Doch was geschieht, wenn rechte Hetzparolen eine Bühne bekommen, können wir nun beobachten. Sie halten ihre Position für den Mainstream. Wir glauben weder an „Angst“ als Grund für Hass, noch an „Heimat“ als Grund für Gewalt und Empathielosigkeit. Wir sagen: Analyse ja, Verständnis nein! Wir fordern offene Grenzen in den Köpfen und zwischen den Staaten und Solidarität mit allen Schwächeren auf dieser Welt. Wir wollen, dass alle hier Lebenden sozial und politisch gleichgestellt werden. Es sind genug Mittel für ein würdiges Leben für alle da, sie sind nur falsch verteilt. Statt Geld in Infrastruktur zu investieren, werden Milliardengeschäfte mit Waffen gemacht. Die deutsche Wirtschaft und Politik wird dadurch selbst zum Fluchtverursacher. Das muss ein Ende haben.

Und es kann nicht sein, dass wir nur reagieren: Wir sollten den Diskurs bestimmen, da wir Argumente haben und nicht, wie die Rechten, nur Ressentiment. Wir wünschen uns eine andere Welt und wir wünschen uns, dass alle Verlage ihre Aufgabe darin sehen, ihrer Rolle als geistige Inspiratoren auf dem Weg dorthin gerecht werden!

Quelle

Ich finde, das ist eine wichtige und teilenswerte Sache. Wenn die Buchmesse entscheidet, dass sie alle Meinungen gelten lassen – auch solche, die Grundrecht und Menschenrechte so eher kreativ auslegen – sollten wir andere auch Flagge zeigen. Ich mag meine Diskussionen lebendig, mein Miteinander respektvoll und die meisten Menschen bitte sicher, lebend und friedlich. Wenn das schon zuviel verlangt ist …

Es spoilert (ein bisschen): Captain Marvel

Disclaimer: Der folgende Text enthält minimalstwinzige Spuren von Sarkasmus und Erdnüssen.

Spoiler Warnung im Titel für den Fall, dass ihr euch „Captain Marvel“ noch ungespoilert anschauen wollt. Falls nicht – oder falls ihr noch zögert – habe ich direkt eine große Warnung für euch.

GUCKT IHN NICHT!

DER FILM ENTHÄLT LAUTER MÄNNERHASSERPROPAGANDA!!!

Ich als schwache Frau mit reduzierter intellektueller Kapazität wäre da ja gar nicht drauf gekommen. Gut, ich war auch ein wenig übermüdet, als wir am Freitag im Kino waren. Vielleicht ist es mir deswegen nicht direkt aufgefallen. Andererseits, mit so einem glasklaren Männerverstand kann ich einfach nicht mithalten. Ist mir ja auch klar. (Leises Weinen.)

Zum Glück gibt es Specialist-Nerd-Seiten, die solche Dinge im Detail erklären – und ich verlinke sie hier auch mal direkt, damit ihr euch alles im Original antun (und ggf. darunter kommentieren, falls denn gewünscht) könnt. Profitiert von der Weisheit von Cosmic Book News!

Falls ihr euch das nicht antun wollt, eine kurze Zusammenfassung. Natürlich nur unter Vorbehalt, ist schließlich von mir.

  1. Der Film ist voller „anti-male imagery“ und „feminist male-bashing elements“ (was auch immer das sein mag).
  2. Angeblich ist Carols Dad in den Rückblenden gemein zu ihr. Meine Theorie war ja, dass sie beim Kartfahren einen Unfall baut und er sagt: Tu das nicht. Blöde Idee. (hatte er ja auch Recht, sie hat einen Unfall gebaut). Und im Ernst, dieses „Ich hab’s dir doch gesagt“ in verschiedenen Variationen ist das Lieblingslied aller Eltern, die ich kenne. Nicht nur von Vätern. Und wahrscheinlich auch nicht nur Töchtern gegenüber.
  3. Carols Baseballteam ist gemein. (Ist mir komplett entgangen, ich hielt das für eine normale Sport-/Wettbewerbssituation. Bin offenbar nicht ausreichend sensibilisiert.)
  4. Der Typ auf dem Motorrad flirtet mit und beleidigt Carol. Eine Situation, wie sie im echten Leben NIEMALSNIENICHT vorkommen würde. (Räusper.)
  5. Und was ist falsch daran, eine erwachsene, ausgebildete Pilotin als „junge Dame“ zu bezeichnen? WAS NUR???
  6. Maria lässt ihre Tochter allein, um die Welt zu retten. Also, um genau zu sein, lässt sie sie nicht allein, sondern bringt sie vorher zu den Großeltern. Wie kann sie nur? Warum macht sie es nicht wie Hawkeye, der aus Rücksicht auf seine Familie von allen gefährlichen Kampfhandlungen Abstand nimmt? Ähm, Moment …
  7. Die Kree scannen Nick Fury und stufen ihn als „wertlos“ ein. Tja, die Kree – die intergalaktische Speerspitze des Feminismus. (Einmal ganz zu schweigen davon, dass Nick Fury den Kree im Nahkampf wirklich nichts entgegenzusetzen hätte.)
  8. Mar-Vell ist, im Gegensatz zu den Original-Comics, ein weiblicher Charakter – angeblich, weil es undenkbar sei, dass Captain Marvel ihre Fähigkeiten von einem Mann kriegt. Wenn ich das richtig verstanden habe – ihr müsst bedenken, ich war müde und intellektuell durch meine Weiblichkeit eingeschränkt – hat sie ihre Fähigkeiten dadurch bekommen, dass dieses Energie-Antriebs-Dingsie explodiert ist. Welches Geschlecht das hat, darauf habe ich nicht geachtet, ganz im Ernst. (Dass die Künstliche Intelligenz der Kree die Form der weiblichen Mar-Vell annimmt, anstatt als Mann aufzutreten, ist in diesem Fuílm nur logisch, wenn man als Prämisse annimmt, dass die KI/AI sich als ein Vorbild resp. eine Autoritätsperson präsentiert.)
  9. Es gab „Girl Songs“, beispielsweise von der Band No Doubt. Die kennt heute eh kaum noch wer, oder? Aber in den 90ern waren die DER SHIT. Habe ich gehört.
  10. Und jetzt, das ALLERALLERSCHLIMMSTE, mit mehrfacher Hervorhebung, um das komplette Drama ausreichend zu würdigen: NICK FURY SPÜLT DIE TELLER!!! Ich kann mein Entsetzen darüber, diesen Helden derart entmannt zu sehen, gar nicht in Worte fassen.

Außerdem hat Brie Larson sich sowieso den Hass des männlichen (und damit einzig relevanten) Publikums zugezogen, weil sie sich nicht auszieht und in einem Interview gesagt hat, sie wünsche sich mehr Diversität bei Filmkritikern. Wie kann sie nur??!

Meine eigene Meinung zum Film ist natürlich längst nicht so relevant wie diese glasklare Analyse der fiesen Männerhasser-Feministinnen-Agenda von Disney: Ich fand den Film unterhaltsam, er ist nicht mein Lieblings-Avenger-Film, und die Figur Captain Marvel ist für mich eher uninteressant, weil sie keine sichtbaren Schwächen (i.e. kein „Kryptonit“) hat. Im Ernst, wenn es so eine starke Figur im Marvel-Universum gibt, hätten die anderen Avengers-Filme eigentlich aus 5 Minuten Aufräumen und anschließendem gemeinsamem Besuch im Chinarestaurant bestehen müssen. Beide Twists (die guten Skrull und dieses Patch bei ihr im Nacken) waren für mich zu offensichtlich, aber ich mochte die Diversität im Film – gute und böse Männer und Frauen, komplexe Charaktere.

Aber wenn der arme Nick Fury Teller spülen muss, kann an dem Film nichts Gutes dran sein. Schaut ihn also lieber nicht.

Warum ich eigentlich nicht rezensiere – jetzt aber doch wieder ein bisschen

Eigentlich ist es ja schlechter Stil, sich über die Konkurrenz zu äußern. Man kommt sehr schnell in den Verdacht, wahlweise Vetternwirtschaft zu treiben oder sich in Rufmord zu versuchen. Was der Hauptgrund dafür ist, dass ich eigentlich keine Rezensionen mehr schreibe – weder hier noch auf den einschlägigen Verkaufsplattformen. (Ein anderer ist der, dass mancher Kollege so eine Rezension schon in den falschen Hals bekommen und sich noch jahrelang später aufmerksamkeitseffektiv darüber aufgeregt hat. Niemand hat Zeit für sowas.)

Allerdings bin ich ja auch Leserin.

Und ich weiß, wie wichtig Rezensionen für Autorinnen sind – gerade für so kleine unbedeutende wie mich, die keinen gigantischen Verlag oder wenigstens ein ausgewachsenes Werbebudget haben. Und vor allem bei neuen Büchern sind Rezensionen unglaublich wichtig. Wer ein halbes Jahr ohne Rezension auf der Homepage herumtreibt, hat fast keine Chance, von einem zufällig auf das Produkt gefallenen Käufer erhört zu werden.

Deswegen betteln wir Autorinnen oft fast schon unverschämt um Rezensionen.

Und deswegen möchte ich auch wieder regelmäßiger selbst Rezensionen schreiben. Wahrscheinlich nicht hier. (Wer wissen möchte, was ich gelesen habe, kann das hier sehen, und wenn ich ein Buch auslese, bedeutet das schon, dass es nicht ganz schlimm gewesen sein kann.) Aber anonym. Auf den Verkaufsplattformen. Und – das muss ich mir jetzt eben auferlegen – nur wenn ich etwas Nettes über das Buch sagen kann. Keine Verrisse, auch wenn es mir noch so schwer fällt.

(Wusstet ihr noch nicht? Ich bin eine garstige, ständig meckernde, nörgelnde alte Frau, und ich habe dabei sehr viel Spaß.)

Das wollte ich eigentlich nur mal so in den Raum gestellt haben. Und jetzt geht los und bewertet meine Bücher!