Streiten will gelernt – und geübt – sein

Der Mann und ich haben ein Luxusproblem: Wir diskutieren und streiten gern und ausdauernd – aber selten über Beziehungsthemen, und eher z.B. über Politik. Das kann sich dann schon über Stunden hinziehen, wir graben Quellen für unsere Standpunkte aus und vergleichen Statistiken. In manchen Themengebieten bemühen wir Zitate und analysieren die genau darauf, was da denn jetzt steht/gesagt wurde und wie verlässlich die Quelle ist.

Bei Dingen, die uns persönlich betreffen, streiten wir vielleicht zweimal im Jahr. Gut, ab und zu diskutieren wir, aber alles, was sich in weniger als zehn Minuten friedlich ausräumen lässt, qualifiziert für mich nicht als Streit.

Gestern beispielsweise haben wir auf Netflix „Unser Vater Dr. Cline“ geschaut und über die Motive der verschiedenen Beteiligten diskutiert, auch wohl hitziger. (Details zum Fall, wenn du interessiert bist, gibt es beispielsweise hier.) Dadurch zieht sich das Schauvergnügen durchaus in die Länge, weil wir immer wieder pausieren, um zu reden, aber ich finde es wirklich faszinierend, verschiedene Blickwinkel zu vergleichen.

Gerade angesichts der Tatsache, wie unterschiedlich er und ich in den meisten Dingen sind, wundern Familie und Freunde sich öfter mal darüber, wie selten wir streiten. Ich glaube, wir haben beide das Glück, dass

a) jede*r glaubt, er*sie sei eigentlich etwas schlauer als der*die andere und

b) wir sehr geduldig miteinander umgehen.

Egal, ob er mal wieder Tassen und Flaschen auf dem Wohnzimmertisch hat stehenlassen oder ich mein Handarbeitszeug im halben Wohnzimmer ausbreite, nach fünfzehn Jahren haben wir viel Toleranz für die Machen der anderen Person entwickelt. So weiß ich, dass er vor allem früh am Tag Probleme mit der Pünktlichkeit hat, und er erkennt die Anzeichen dafür, dass ich zu müde bin und jeden Augenblick quengelig werden kann (üblicherweise ab spätestens 21 Uhr).

Natürlich gibt es Dinge an der jeweils anderen Person, die uns grandios nerven, und es ist wichtig, auch mal Dampf abzulassen. Aber dafür hat man ja Freund*innen, bei denen man schimpfen kann, oder zur Not das Notizbuch für kleinere Rants. ^^

Einige Leute behaupten, ich sei zu harmoniebedürftig und ein „Pushover“, und vielleicht haben sie damit auch Recht – ich vergeude ungern Energie auf Streit, wenn ich mit weniger Aufwand eine Sache anders richten kann. Andere Leute behaupten ja, Streit halte die Leidenschaft jung. Wie ist das bei dir?

Probier’s mal mit Gemütlichkeit!

Ein schwarzweißer Kater hat es sich auf einem grauen Sofa auf einer rosa gestreiften Häkeltasche gemütlich gemacht und schaut aufmerksam auf die Person hinter der Kamera.
Symbolbild

Das war dringend nötig. So viele Dinge, die ich dringend zu erledigen hätte – so viele Dinge, die ich tun oder vorbereiten will! Stattdessen habe ich den Sonntag auf dem Sofa verbracht, ungesundes Zeug gegessen, endlich(!!!) „Stranger Things“ aufgesehen und ein Häkelprojet beendet, das schon seit Wochen hier liegt. Die Aufgaben laufen ja nicht weg, nicht wahr?

Sacken lassen

Es hilft ja gelegentlich, Dinge „sacken zu lassen“. Also zu warten, bis etwas sich etwas gesetzt/gefestigt/beruhigt hat, und dann zu schauen, was da eigentlich ist. Vor allem im Lernbereich ist das angeblich eine prima Methode.

Wer mich kennt, weiß: Da hab ich keine Geduld für.

Letztes Wochenende habe ich dann allerdings nach Mooooooonaten zum ersten Mal wieder einen kurzen Text eingelesen und dabei gemerkt – huch, ich glaube, ich bin tatsächlich besser geworden. Ob das daran liegt, dass ich das über lange Zeit gelernte etwas ruhen lassen und verinnerlichen konnte? Oder kommt es mir nur so vor, weil der Abstand zu meinen letzten stümperhafteren Aufnahmen größer ist? Bin ich vielleicht gar unkritischer, weil ich mich weniger mit der Materie beschäftigt habe, und in Wahrheit gar nicht besser geworden?

Tja, auch das wird wohl nur die Zeit zeigen. Jetzt bin ich erst einmal froh, dass ich wieder mehr Zeit für solche Aktionen habe, und freue mich darüber, dass ich das Aufnehmen tatsächlich vermisst habe.

(Das Schneiden nicht, fürchte ich – das nervt mich ähnlich hart wie das Überarbeiten meiner geschriebenen Texte. Irgendwie habe ich den Anspruch, dass all meine Wortergüsse doch bitte eigentlich im ersten Anlauf wohl gefälligst mindestens perfekt zu sein hätten, vielen Dank.)

Kommt Kunst vielleicht doch von „können“?

Eigentlich finde ich diese Herleitung unpassend, denn Kunstempfinden ist viel zu subjektiv, als das man bestimmen könnte: „Die Person macht Kunst, die kann das!“

Aber in den letzten Tagen dachte ich mir – vielleicht steckt da doch ein Fünkchen Wahrheit drin. Nicht „können“ im Sinn von „in der Lage sein, etwas auf einem professionellen Niveau zu tun“, sondern eher im Sinne von „die Möglichkeit haben/kriegen, etwas zu tun“. Und ich bin da natürlich nicht durch blankes Nachdenken drauf gekommen, denn: Man „lässt“ mich einfach nicht schreiben.

Der Mangel an Blogposts hat es vielleicht schon angedeutet, hier steppt der Bär, und es fallen etliche zusätzliche Arbeiten an. Jetzt ist mein Alltag eigentlich mit spannenden Dingen vollgepackt, und das Schreiben ist fast das spannendste. Es ist aber auch eines der ersten Dinge, die wegfallen, wenn es dringende Aufgaben zu erledigen gibt. Und ich habe jetzt mehrfach erlebt, dass andere Leute mir zusätzliche Aufgaben aufbürden, weil: „Diandra hat ja Zeit, die macht ja nichts neben der Arbeit.“

Äh, hallo????

„Nichts“???

Ich möchte widersprechen.

Die Mitarbeit in der PAN-Stipendiums-Jury ist nicht „nichts“.

Das Sprechtraining für meine eigenen Hörbücher ist nicht „nichts“.

Und die Geschichten, die ich dringend auf euch loslassen muss, sind erst recht nicht „nichts“.

Aber klar, das fällt dann notgedrungen aus, denn andere Leute brauchen Zeit, um für ihren Urlaub zu packen oder weil sie soviel arbeiten. Wenn ich dann ablehne, weil ich noch einen Haufen Leseproben zu lesen habe, der nächste Online-Kurs ansteht oder ich endlich mal wieder meinen anvisierten Wordcount pro Tag schaffen will, gibt es lange Gesichter. „Äh, ja, ähm, dann müssen wir wohl gucken, wie wir das machen.“

Gut, mir ist klar – so richtig hart materialistisch lebenswichtig ist Kunst nicht. Meine nicht, und die anderer Leute auch nicht. Es ist nicht so, als könne ich ein Heilmittel für Krebs erschreiben oder mittels liebevoll aufeinander abgestimmter Sätze den Krieg in der Ukraine beenden. Dennoch möchte ich kurz eine Welt beschwören, in der sämtliche Kunst mangels Zeit fürs Kunstschaffen ausfällt: Keine Musik. Kein Design. Keine mediale Unterhaltung – also natürlich keine Bücher, aber auch keine Serien, Filme, Dokus, keine Computerspiele, Brettspiele. Kein Bastelhobby, keine gemütlichen Einrichtungsgegenstände. Keine witzigen oder verstörenden Werbefilmchen auf YouTube. Überhaupt – kein YouTube.

Braucht man schließlich alles nicht.

Die Kunstschaffenden können dann stattdessen abgestellt werden, um Flugreisende abzufertigen oder so.

Macht doch etwas Sinnvolles mit eurer Zeit.

Sonst macht ihr schließlich „nichts“.

(Merkt man, dass ich ein wenig angefressen bin? ^^ )

Kerzen mit Logo – eine Anleitung

Allmählich kehrt die Freizeit wieder ein, und ich habe mich an einem weiteren aufregenden Bastelprojekt versucht: Kerzen mit Autorinnenlogo. Schließlich kann ich nicht immer nur mit Lesezeichen locken, nicht wahr? Und weil es auf die ersten Bilder sehr viel WOW und sehr viele „Wie hast du das gemacht?“ gab, möchte ich heute mit dir eine Anleitung teilen. Das Tolle ist nämlich: Du brauchst gar kein Autor*innenlogo, um schicke Kerzen zu gestalten. Eine beliebige Schablone in der passenden Größe reicht – und die kann man heute wirklich leicht online gestalten und herstellen lassen.

Pinkfarbene Kerze mit quadratischer Grundfläche, liegend auf einem vollgekritzelten Schreibtisch.

Die allerersten Versuche fanden mit regulären Stumpenkerzen statt und waren etwas durchwachsen. Es ist nämlich gar nicht so einfach, eine Plastikschablone mit feinen Details ordentlich auf einer runden Oberfläche anzubringen. Ich hab mir das Hirn zermatert: Kann man die Schablone vielleicht in warmem Wasser biegen? Oder die Oberfläche der Kerze leicht anschmelzen und die Schablone quasi festkleben? Es hat länger gedauert, als ich zugeben möchte, ehe ich auf des Rätsels Lösung kam: Eckige Kerzen. So wie die da im Bild. Farbe egal, Größe passend zur Schablone.

Schablone aus klarem Plastik: Ein D und ein L, verschlungen, im D reckt sich ein Drache in die Höhe.

Die Schablone habt ihr schonmal gesehen, die benutze ich für alles mögliche. Zur Erinnerung: Das Logo ist nicht selbstgemacht, das war die begabte Giusy von Magical Cover. Und nachdem ich das Logo einmal hatte, war es ein Leichtes, online einen Dienst zu finden, der für günstiges Geld Cappuccino-Streuschablonen nach Vorlage herstellt. (Den Link reiche ich nach, aber wenn du „Cappucino-Schablone“ in die Suchmaschine eingibst, kriegst du viele Anbieter gezeigt.) Für den Anfang habe ich mir zehn gegönnt, da sind einige zum Malen, Bekleckern und bestimmt auch zum Kaputtmachen bei, und ich kann zwei für Lebensmittelfarbe aufbewahren. (Ja, da gibt es auch noch Pläne.)

Großaufnahme Flüssigwachsstift, Aufschrift: Candle Wachs Pen Candle Wachs Pen Stype Cire Gera Pen Silber-Glitter Silver-Glitter".

Was braucht man, um mit einer Schablone auf eine Kerze zu malen? Genau, einen Stift. Einen Flüssigwachsstift, um genau zu sein. Die gibt es in vielen Farben zu kaufen. Für diese Kerze habe ich mich für Silber-Glitzer entschieden. Hättest du doch auch.

Pinkfarbene Kerze mit quadratischer Grundfläche, liegend. Auf der Kerze liegt die Schablone mit den verschlungenen Buchstaben D und L und dem Drachen, an der Oberkante ausgerichtet.

Man lege also die Schablone ordentlich auf die Kerze …

Schablone mit verschlungenem D und L, inklusive Drachen, auf  Kerze in Großaufnahme. Einige der lleren Flächen sind mit weißer gelartiger Flüssigkeit ausgefüllt.

… und male die Leerflächen grob mit dem Flüssigwachs aus. Die Schablone musst du dabei gut fixieren, aber mach dir keine Sorgen, wenn du nicht alle Details erwischst oder das Wachs ungleichmäßig aufgetragen ist. Nach dem Ausmalen nimmst du nämlich …

Kopf eines Teigschabers aus rosa Silikon auf einigen vollgekritzelten Blättern Papier.

… so ein Teigschabe-Dingsie (die Farbe ist Zufall, ich schwör!) und ziehst eine gerade Kante vorsichtig über die Schablone, um das Wachs zu verstreichen. Dabei kommt es auch in die Ecken, die du mit dem Stift möglicherweise nicht erreicht hast, und erhält eine glatte Oberfläche.

Drei Kerzen (orangefarben, pink, lila) mit Autorinnenlogo aus verschlungenem D und L mit Drachen im D, liegend, im Bücherregal. Man erkennt einige Buchtitel wie "Schwarzrheindorf Kirchenführer" oder "Kulturführer Drachenfels".

Nachdem du die Schablone vorsichtig(!) abgehoben hast, sieht das also so aus und muss etwa acht Stunden trocknen. Bei uns zuhause geht das am besten in einem Bücherregal auf einem der oberen Bretter, an die die Kater nicht herankommen. Klar behaupte ich andauernd, Katzenhaare seien Bioglitter, aber ich versuche dennoch, sie nicht sofort auf allem zu haben. Und weil es eigentlich sehr schnell geht, wenn man alles beisammen hat, habe ich direkt mehrere Kerzen gemacht.

Pinkfarbene Kerze auf grünem Hintergrund. In Silber-Glitter erkennt man das Autorinnenlogo: Ein D und ein L, ineinander verschlungen, und im D einen Drachen.

Und so sieht die fertige, getrocknete Kerze aus. Wer kann, kann mit den Flüssigwachsstiften übrigens auch freihand zeichnen oder schreiben, aber dafür fehlt mir das ruhige Händchen. Auf jeden Fall sieht die Kerze doch durchaus akzeptabel aus, oder? Beinahe schon professionell. Man würde nie denken, dass ich einen Pyjama anhatte, als ich sie gemacht habe.

Bestimmt machen solche Kerzen sich auch gut als Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenk. Wenn du online ein wenig stöberst (oder ultratalentiert bist und deine eigenen Muster herstellen kannst), findest du bestimmt die passende Schablone für jede Gelegenheit. Viel Vergnügen beim Nachbasteln, und ich freue mich, wenn du mir Bilder von deinen Kunstwerken schickst!

Fragen natürlich immer in die Kommentare, möglicherweise kann ich sie tatsächlich beantworten.

Jugendsünden und was man aus ihnen lernt.

NICHTS.

Screenshot Anmeldebestätigung Strongmanrun Köln 2022, Aufschrift: "#RUNJECK
Köln, 10. September 2022
YEAH - DU BIST DABEI!!!"
Als ob ich nie gejammert hätte.

Erinnert ihr euch noch? Das ist vier Jahre her, ich war ein gutes Stück jünger (und leichter!) und hatte riesigen Schiss vor der ganzen Sache. Heute morgen kam dann der nächste Newsletter mit einer Übersicht über einige der kommenden Hindernisse, und ich erwischte mich beim Gedanken: „Hey, das sieht nach Spaß aus.“

Nachdem ich mich selbst ausgelacht hatte, rechnete ich nach: Noch drei Monate. Ich kann aktuell keine 10 Kilometer am Stück rennen und bin erst seit wenigen Wochen wieder im Fitnessstudio angemeldet.

Ach, was soll’s?

Also habe ich mich angemeldet und fühle mich jetzt ein wenig albern.

Wer von euch kommt mich anfeuern?

Das Schwiegersohnlächeln

Vor einigen Tagen bog ich vorschriftsmäßig mit Blinken im Schrittempo an der dafür vorgesehenen Stelle auf den Parkplatz unseres lokalen Supermarktes ein.

Ein junger Mann, die Nase fest am Smartphone-Bildschirm, lief mir einfach in die Spur, ohne zu gucken.

Er bemerkte mein (bremsendes) Auto, sah auf und knipste ein 300-Watt-Schwiegersohn-Lächeln an.

In dem Moment erkannte ich den jungen Mann.

Er ist der Spitzenkandidat einer konservativen Partei für die anstehende Landtagswahl. Dieses Lächeln sieht man hier aktuell auf gigantischen Plakatwänden.

Und um ehrlich zu sein: Leute, die auf Kommando so lächeln können, sind mir ein wenig unheimlich. Echtes Lächeln ist immer ein wenig „goofy“, mit Falten und Zähnen und einem etwas dusseligen Gesichtsausdruck. Das Schwiegersohnlächeln muss man üben. Wahrscheinlich kann man Personal-Schwiegersohnlächeln-Trainer bestellen. Wer so lächelt, verfolgt einen Zweck und will bitte unbedingt sympathisch rüberkommen.

Wie so ein Staubsaugerverkäufer.

Wie dem auch sei, er ging beiseite, ich habe ihn nicht überfahren und ihn später im Vorbeigehen am Wahlwerbestand seiner Partei vor dem Supermarkt gesehen. Da war das Smartphone natürlich verschwunden, das Lächeln festgetackert und mindestens drei ältere Damen sehr eingenommen von der ehrlichen, warmherzigen Art des jungen Mannes, der doch bestimmt auch sehr kompetent sei.

Möglicherweise ist er das sogar.

Möglicherweise hat er diesen Eindruck aber auch nur trainiert, wie das Schwiegersohnlächeln.

Yoga? Bitte nicht!

Ich hab’s versucht. Wirklich. So viele Leute schwärmen mir konstant davon vor. Leute, die ich für ihre Gelassenheit und Gesundheit bewundere, machen Yoga.

Yoga hat so viele wunderbare Vorteile – muss ich nicht aufzählen, kann man nachlesen.

Wichtig für mich ist nur: Ich hasse Yoga. Jede Sekunde, die ich damit verbringe. Kurse habe ich versucht, Videos, anleitende Apps. Ein Jahr habe ich mir selbst gegeben, um herauszufinden, ob Yoga etwas für mich ist.

Ist es definitiv nicht.

Was soll das noch gleich bringen?

Man verbiegt sich auf möglichst anmutig aussehende Weise und versucht, weder umzufallen noch zu pupsen. Das kann ich in der Bar auch haben – und da gibt es dazu noch Cocktails.

Ich bin nicht bewegungsfaul, mitnichten. Ich gehe gerne wandern, laufen, und Fahrrad-Sebastian (inklusive der Ente Krummbürzel) bekommt regelmäßigen Auslauf. Im Sommer schwimme ich öfter mal im Freibad – und ich hänge nicht nur im Wasser herum, ich mache Bahnen. Langsame Bahnen, aber Bahnen. Sogar für das Fitnessstudio haben wir uns jetzt in der Corona-Auslaufphase mal wieder angemeldet.

Und ehe jemand fragt: Krafttraining finde ich auch nicht so ultraspaßig. Aber da sehe ich relevante Vorteile – vor allem für meinen Rücken, der seit knapp zwanzig Jahren versucht, in Rente zu gehen. Manche Körperteil sind da offenbar schneller als andere. Rückenübungen kann ich nachvollziehen. Und als ich regelmäßig im Studio war, konnte ich bei Umzügen etc. richtig nützlich mit anpacken. Stellt euch also ruhig vor, wie ich die ganze Zeit beim Training „leise“ fluche und schimpfe … aber ich gehe immer wieder hin.

Bei Yoga will ich das nicht, weder aus Vernunft noch aus Begeisterung.

Seltsam, bei Pilates war es damals das gleiche. Ein Jahr bin ich artig fast jeden Sonntag Morgen in den Kurs gedackelt, und im Dezember habe ich es immer noch gehasst.

Irgendwie glaube ich nicht, dass Sport, zu dem man sich immer wieder hart zwingen muss, einen echten gesundheitlichen Vorteil bringt. Dann lieber Bewegung finden, die Spaß macht und sich leicht in den Alltag integrieren lässt.

Und wenn du mich also irgendwann mal in einer merkwürdigen Pose in der Gegend herumbiegen siehst, heb mich bitte auf – das war ein Unfall, denn Yoga mache ich freiwillig nicht.

Fehlerfreikultur? Nicht mit mir!

Das Wochenende war lang, anstrengend und emotional herausfordernd. Wir hatten gleich mehrere mittelprächtige Familienkatastrophen. Entspannend war das nicht, wenn ich ehrlich bin. Als dann am Dienstag morgen im Büro eine Kollegin aus einer anderen Abteilung sich dienstlich in unsere Vorgänge eingemischt hat, hab ich sie angeranzt, und mal so richtig nicht-schön.

Kurze Zeit später bin ich bei ihr vorbeigegangen, um mich zu entschuldigen.

Warum erzähl ich euch das? Damit ihr mir auf die Schulter klopft und mir versichert, wir seien alle nur menschlich?

Nicht unbedingt. (Ihr dürft klopfen, wenn ihr wollt.)

Nee, ich will auf etwas anderes hinaus: Normalerweise habe ich sehr, sehr hohe Ansprüche an ethisch korrektes Verhalten und setze das auch bei anderen voraus. Mir ist diffus bewusst, wie man sich generell Mitmenschen und Kolleg*innen im Besonderen gegenüber verhalten sollte.

Trotzdem gibt es Situationen, in denen ich meinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht werde. Und ich habe auch andere schlechte Eigenschaften und Charakterfehler. Beispielsweise kann ich wunderbar gehässig sein, habe wenig Geduld und ziehe vor, dass mein Umfeld ohne große Diskussion einfach das tut, was ich bestimme. Manchmal muss ich über rassistische, sexistische oder ableistische Witze lachen, obwohl mir natürlich klar ist, dass sie thematisch problematisch sind.

Mit anderen Worten: Entgegen allem, was ihr bis jetzt dachtet, und zur allgemeinen Verwunderung bin ich nicht unfehlbar.

Das gilt wahrscheinlich für die meisten Menschen.

Und deswegen ärgert es mich sehr, wenn – gerade (aber nicht nur) in den „sozialen“ Medien – Diskussionen mit einem Totalitätsanspruch und einem ethischen Absolutismus geführt werden, der keinen Raum für Fehler und Lernen lässt.

Jemand versteht nicht, was es mit trans Personen auf sich hat? Beschimpft ihn*sie!

Jemand stellt Fragen zum Thema Ableismus? Was für eine schlechte Person!

Eine blonde Person trägt Dreadlocks? Schimpf und Schande über ihre Kuh!

Und schaut mal dort, jemand hat nicht korrekt gegendert oder die Bildbeschreibung an einem Tweet vergessen!

Es mag in der Natur des Menschen liegen, aus aufrechter Empörung heraus Mobs zu bilden und „die gute Sache“ zu verteidigen. Für einige ist diese gute Sache der Katholizismus. Für andere vegane Ernährung oder die autofreie Innenstadt. Ich will da auch gar nicht werten. Aber diese aktuelle „Diskussions“-Kultur führt dazu, dass kaum jemand Fehler eingestehen mag – und folglich auch niemand aus diesen Fehlern lernen kann. In manchen Kreisen gelten so hohe Ansprüche, dass nicht einmal das Liebeskind von Jesus und dem Dalai Lama ihnen gerecht werden könnte, wenn es bei Wonderwoman in die Schule gegangen wäre.

Und mal im Ernst: Das ist doch Blödsinn.

Ich bin nicht perfekt (siehe oben).

Ihr seid nicht perfekt – nehme ich an.

Wir alle wollen und brauchen Chancen, uns zu irren und Quatsch zu reden. Wir müssen uns gelegentlich irren dürfen, kontroverse Positionen einnehmen und auch mal zurückblicken und feststellen, dass wir früher Unsinn gedacht haben.

Stattdessen wird gestritten, angeschuldigt, nach Dreck gewühlt und laut geschrien.

Im Ernst? Ich bin zu alt, für so etwas habe ich keine Zeit.

Und Disclaimer, weil ich vermute, dass irgendwer auch das hier falsch verstehen wird: Anderen Leuten die Menschenwürde oder gar die Existenz abzusprechen gehört nicht unter den Mantel der Meinungsfreiheit.

Ich bin retro!

In den letzten Tagen durfte/musste ich einen Mietwagen fahren. Es war das letzte Fahrzeug, das die Vermietung vorrätig hatte. Ich hatte also Glück. Der Mann bestätigte mir auch, was für ein Glück ich hatte, denn mein Mietwagen war eine luxuriös ausgestattete Spitzenlimousine mit allem nur erdenklichem Schnickschnack: Natürlich Automatikgetriebe. Tempomat. Sitzheizung. Sicherheitsabstandswarnung. Ambience Light. Blinklichtern an den Außenspiegeln, wenn sich etwas neben dem Fahrzeug aufhält. Einer Armaturenbrett mit mehr Bildschirmfläche, als der Mann üblicherweise mit sich herumträgt. Eine „Sie fahren zu schnell“-Nörgel.

Der Mann war sehr traurig, dass er aus Zeitgründen nicht einmal eine kleine Spritztour machen konnte.

Für mich hingegen … ich kann die meisten Dinge fahren, wenn sie einen Motor haben, und man merkte dem Fahrzeug schon an, dass es solide und durchdacht gebaut war. Allerdings war mir langweilig.

Langweilig?

Ja, die Frau klingt verrückt. Sagt mein Vater auch immer.

Ich fahre wahnsinnig gerne. Und ich habe gemerkt, wieviel Spaß es mir macht, diese ganzen kleinen „Handgriffe“ – schalten, Schulterblick, … – selbst zu erledigen. Mit einem derart ausgestatteten Auto ist ordentliches Fahren ja keine Kunst mehr, da kann das jeder.

Beim Nachdenken habe ich gemerkt, dass ich bei vielen Dingen so bin. Klar kann man fertiges Brot kaufen. Waschlappen muss man nicht häkeln, man kann sie fertig kaufen. Und wer zum Henker flickt heute noch seine Sachen?

Ich mag es, nützliche Dinge zu können – egal, was alles Maschinen schon übernehmen. Der Mann meint, Künstliche Intelligenzen könnten bereits überzeugende Romankapitel schreiben. Kein Grund für mich, damit aufzuhören! Möglicherweise ist das so eine retro Hipsteridee, alle möglichen Dinge selbst können zu wollen … und es verschafft einem eine gigantische Befriedigung.

Eine Sache fand ich allerdings doch ganz praktisch: Die Rückfahrkamera. Vor allem beim Einparken, das kann ich nämlich(noch) nicht so gut. ^^