Haushalts-Überraschungen der guten und der weniger guten Art

Foto eines Edelstahl-Ausgusses, rund, mit feinem Sieb.
Foto von Daniel Dan, gefunden auf Unsplash.

„Echt? Du hast den Geschirrspüler eingeräumt und angestellt?? WAS STIMMT MIT DIR NICHT???“

Mit dieser morgendlichen Begrüßung hat der Mann garantiert nicht gerechnet. Aber treten wir einen Schritt zurück.

Eigentlich müsste jeder Tag 28 Stunden haben. Deswegen entstopfe ich den Abfluss in der Küche, der „sich zusetzen“ als Hobby hat (16 Jahre alte Plastikrohre halten offenbar auch nicht ewig, diese Enttäuschung!), seit Wochen … was sage ich, seit Monaten! … immer so halbherzig mit dem Pömpel. Dann läuft das Wasser ab. Dann läuft es langsamer ab, und dann steht es wieder, bis ich mit dem Pömpel ankomme.

Weder die üblichen Hausmittel noch der von Stiftung Warentest hochgelobte gelförmige Rohrreiniger eines bekannten Discounters haben geholfen. Und das Pömpeln macht auch nicht so richtig Spaß. Aber meine Tage sind voll, die Energie ist begrenzt und meist läuft es ja. Irgendwie. Wenigstens ein bisschen.

Hat der Tag nicht genügend Stunden, hilft nur eins: Früher aufstehen. Fiele mir eigentlich im Traum nicht ein, nur konnte ich heute morgen sowieso nicht mehr schlafen. Schon vor sechs saß ich senkrecht im Bett. (Gut, das ist gelogen, aber ich hatte sehr wach einen flauschigen Katerhintern im Gesicht.) Und ich dachte mir: „Zweieinhalb Stunden, ehe du aus dem Haus musst – die perfekte Gelegenheit, den Abfluss auseinanderzureißen und festzustellen, was mit dem nicht stimmt.“

Hüpfe aus dem Bett, ziehe ranzige Schlonzklamotten an, binde mir die Haare zurück, betrete die Küche – und der Geschirrspüler läuft.

Der läuft um die Zeit sonst nie.

Ich stell den Abends einmal an und räume ihn morgens aus. Wenn wir viele große Teile haben, stell ich den am Morgen ein zweites Mal an und räum ihn nach der Arbeit wieder aus. Ich habe ein System. Und meist genügend sauberes Geschirr. Es ist ein gutes System.

Wo wir davon reden – das saubere Geschirr vom Abend davor stapelte sich auf der Anrichte, wo es nicht hingehört. Wir wohnen hier erst seit 13 Jahren. Ich kann nicht erwarten, dass der Mann jetzt schon weiß, wo was in der Küche steht.

Derjenige welche saß übrigens auf dem Sofa. Und guckte angemessen verwirrt, als ich ihm zur liebevollen morgendlichen Begrüßung die eingangs zitierten Sätze vorhielt. „Da stand noch soviel Geschirr – ich dachte, du freust dich!“

Er kann ja nichts dafür. Niemand, wirklich NIEMAND konnte damit rechnen, dass ich morgens dem Haushalt direkt Gewalt antun will. So blieb mir nichts anderes übrig, als mir einen Tee zu machen und ein wenig zu lesen. So schade.

Der Abfluss in der Küche muss von dem ganzen Drama übrigens irgendwie mitbekommen haben. Der lief heute morgen so gut wie schon lange nicht mehr.

Eine typische Bahnhofsbegegnung

Eine fahl beleuchtete Unterführung. Auf dem Boden liegt Dreck, an der Wand sind Graffiti geschmiert.
Foto von Krisztian Matyas auf Unsplash

Ab und zu habe ich in der Innenstadt in Bahnhofsnähe zu tun. Muss ich eigentlich nicht weiter beschreiben, du warst schon einmal an einem deutschen Stadt-Bahnhof. Leute, Läden, Dreck, die Ecken riechen nach Pipi. Ist nicht schön und lässt sich leider nicht immer vermeiden.

Wie ich so durch die Unterführung ging, die unter den fünf Gleisen durchführt – Bonn ist nicht direkt eine Großstadt – hörte ich in der Nähe jemanden gröhlen: „Ausländer raus! Wählt die AfD! Nieder mit dem ***-Pack! Deutsche Kultur!“

Kurz darauf sah ich den Urheber dieser … Äußerung: Ein etwas ungepflegt wirkender Typ etwa Mitte 50, der gerade, laut schimpfend, die Bierdose in der Hand, gegen eine Absperrung in der Unterführung pinkelte. (Ich schwöre, das klingt nach Klischee, ist aber genau so passiert. Hat auch nur wenige Augenblicke gedauert, ich musste nicht einmal langsamer werden.)

Der Mann in meiner Wohnung sagt immer, ich werde eines Tages sterben, weil ich im falschen Moment den Mund aufmache. So auch an dem Abend. „Gehört zur deutschen Kultur, betrunken in die Öffentlichkeit zu pinkeln und Leuten auf den Sack zu gehen?“ Ich hab ja Stimmtraining, also musste ich gar nicht dicht rangehen, damit er (und die anderen Passant*innen) mich sehr gut verstehen.

Der Typ guckt sich um, sieht mich, verzieht das Gesicht. „Du hast mir gar nix zu sagen! Bist du überhaupt Deutsche?“

„Deutsch genug.“ Der muss ja nicht wissen, dass meine Mutter aus den Niederlanden eingewandert ist. Und ich seh definitif aus wie die rosigste Kartoffel der Welt.

Natürlich schimpft der Typ weiter. „Ich bin bestimmt viel deutscher wie du!“ Man erinnere sich daran, er steht da immer noch mit offener Hose. Wahrscheinlich hat er inzwischen nasse Füße.

Kinners, ich kann so nicht arbeiten. „Das heißt deutscher ALS.“

Und dann musste ich leider weiter, Termin und so. Bei einigen Umstehenden hab ich Amüsement wahrgenommen, der Typ mit der offenen Hose (und dem Benehmen wie eine offene Hose) hat wahrscheinlich nichts dazugelernt und der Mann in meiner Wohnung hat mich später einmal mehr ermahnt, mich nicht leichtfertig in Schwierigkeiten zu bringen.

Nix darf man.

Erleuchtung, ein Drama in Akten

Kork-Pinnwand. Darauf ein gelber Zettel, angepinnt mit einem roten Pin, auf den jemand mit schwarzem Filzstift eine leuchtende Glühbirne gezeichnet hat.
Foto von AbsolutVision, gefunden auf Unsplash.

Ich kann alles schaffen. Manchmal muss ich allerdings erst pathetisch sein.

Schon eine Weile wusste ich, dass eines von drei Bremslichtern an unserem Auto den Geist aufgegeben hatte. Und ich konnte mich nicht so recht überwinden, das Leuchtmittel auszuwechseln. Ehrlich gesagt – ich gebe dem Autohersteller die Schuld. Wir haben den Wagen nämlich schon seit mehr als zwölf Jahren, und hintenrum war noch nie ein Licht kaputt. Frontscheinwerfer, da habe ich schon eine Menge Leuchtmittel ausgetauscht. Hinten? Alles paletti. Seh ich ja nie!

Neulich wollte ich mich dann aufraffen. Und bat den Mann, erst einmal genau zu bestimmen, welches der Bremslichter defekt sei, denn ich kann ja schlecht bremsen und zum Gucken aussteigen.

Seine etwas bedröppelte Antwort: „Die unteren sind beide defekt, da leuchtet nix.“

Ja, Mist. Wird also wirklich Zeit. Denn WENN ich einmal bremse, soll die Welt das auch mitbekommen. Sonst knautscht das so unschön.

Gut. Ich also erst einmal umständlich die passenden Leuchtmittel herausgesucht und bestellt. Die kamen nicht. Oder sie kamen dann doch, lagen aber vor der Kellertür, wo ich nie hingucke. Zum Glück lagen sie wenigstens trocken und waren auch noch nicht geklaut, als ich sie am Sonntag Abend dann doch fand, eher so aus Zufall.

Dann – wie komm ich wohl an die Bremslichter ran? Geguckt, keine Klappe oder so gefunden. Das Internet konsultiert: Ah, da sind Schrauben, die schraubt man auf. Werkzeug brauch ich also auch. Zum Glück habe ich direkt mehrere Werkzeugkoffer, die ich regelmäßig verlege.

Gestern war es dann endlich so weit. Morgens auf dem Weg zur Arbeit Werkzeugkoffer und Leuchtmittel eingesteckt und im Kofferraum verstaut, damit ich das nach der Arbeit im Hellen direkt erledigen kann. Wenn ich nämlich zwischendurch erst hochgehe, dann sind da die Katzen und das Sofa, das wird kompliziert.

Zuhause auf dem Parkplatz nachmittags noch in Büro-Klamotten (nicht nach oben gehen, du erinnerst dich) – Stiefel, langer Rock, selbstgehäkelte Bandana auf dem Kopf – also das Werkzeug ausgepackt und die Schrauben rausgedreht. Aber die Scheinwerfer wollten sich nicht direkt bewegen. Ich also geflucht und probiert und gedrückt und geschoben und mehr geflucht. Die Nachbarn kennen jetzt ein paar neue Ausdrücke! Mit ein wenig Hebelwirkung kamen die Teile schlussendlich wirklich los, und der Rest ging genau so einfach wie bei den Frontscheinwerfern – Fassung aufdrehen, Leuchtmittel rauspulen, neues Leuchtmittel reinfriemeln und den ganzen Käse in rückwärts.

Bei der Gelegenheit habe ich auch direkt die eine Kennzeichenleuchte neu bestückt, die war nämlich auch ausgefallen. Nach zwölf Jahren schon, kannst du dir das vorstellen??? Das ging ganz einfach mit so Klemmfix-Laschen-Dingsies, dafür war das Leuchtmittel winzig.

Anschließend war mir das Drama ein wenig peinlich. Man gebe mir einen Schraubendreher und eine ausreichende Menge Kraftausdrücke, dann bin ich unaufhaltbar! Muss nur erst fertigjammern.

Noch eine Ankündigung: Sinnflut in Ingelheim/Rhein am 07.02.2026

Das neue Jahr lässt sich doch nicht ganz so entspannt an, wie ich eigentlich geplant hatte. Auftritt Projekt Sinnflut in Wasems Kulturscheune: Lesungen aus „Aqua Obscura“ (mit moi!), Musik und Live-Painting, außerdem gibt es Wein und Snacks – ich finde, das klingt nach Riesenspaß!

Buchcover "Aqua Obscura - In der Tiefe lauert die Dunkelheit - Carpathia Verlag". Den Hintergrund bildet ein unheimlicher Meeresboden mit Quallen, Luftblasen, Korallen und einem antiken Steuerrad. Von oben fällt ein Lichtstrahl ins Wasser.

Wer die „Aqua Obscura“-Anthologie in den Händen gehalten hat, weiß, dass das ein ganz besonderes kleines Kunstwerk ist – die Illustrationen! Die Geschichten! Der Glitzer auf dem Cover! Am 07.02.2026 lesen die Herausgeber*innen aus der Anthologie, und ich darf auch etwas beisteuern … meinen „Rheinpirat“ natürlich.

Wusstet ihr, dass ich zu jeder lustigen Idee erst einmal „ja“ sage? Das ist der Beweis. Ich bin schon total gespannt, wie das so wird und wen ich da alles treffe.

(Erinnert mich daran, noch schnell eine Geschichte für die zweite Anthologie einzureichen – diesmal geht es um Feuer.)

Ankündigung: Lesung in Aachen am 01.03.2026

Den Hintergrund bildet ein dunkles, gemütliches, altmodisches Zimmer mit zwei Sesseln, einem Kamin, einer Lampe, Büchern und Kleinkram. An der Wand hängt ein stilisierter Oktopus. Im Vordergrund sieht man von oben links nach unten rechts drei Buchcover: "Zuflucht in Schattenfall" (Diandra Linnemann - Winterfarben, Magiefunken, eine Frau, ein Drache, eine Katze, Berge), "Der Auftrag der Zauberer (Manuel Otto Bendrin - Flammen vor einem buchartigen Rahmen, aus dem eine Figur herausschwebt), "Der Glückskrämer und die Suche nach dem Unglück" (Susann Loevenich - eine verspielt und gleichzeitig mysteriös wirkende Ladenfront mit einem goldenen Schwein vor dem Schaufenster). Beschriftung: "Fantasy Leseabend in der Grotesque Absinth-Bar Aachen".
(c) Manuel Otto Bendrin

Die Details: Die regionalen AutorInnen Susann Loevenich, Manuel Otto Bendrin und Diandra Linnemann laden zu einem gemütlichen Fantasy-Leseabend im 20er Jahre Ambiente der Grotesque Absinth-Bar Aachen ein.

Hört Auszüge aus den Romanen
„Der Glücksrämer und die Suche nach dem Unglück“ (Modernes Märchen / Cozy Fantasy) von Susann Loevenich, in der Glück eine käufliche Ware ist – wobei der Unterschied zwischen Glück und Unglück am Ende doch reine Definitionssache ist.
„Der Auftrag der Zauberer“ (Sword&Sorcery) von Manuel Otto Bendrin, in der die Protagonisten auf dem Weg der Weltrettung zuerst sich selbst aus dem Lügennetz ihrer Kindheit befreien müssen.
„Zuflucht in Schattenfall“ (Cozy Fantasy) von Diandra Linnemann, in der Rosalind auf der Flucht vor ihrem Schicksal diesem erst in die Hände zu laufen scheint.

Für Bewirtung sorgt das freundliche Personal der Grotesque-Absinthbar.

Wann: So, 01.03.2026, 18:00 Uhr bis 20:00 Uhr; Einlass: ab 17:00 Uhr

Wo: Grotesque Absinth-Bar, Rennbahn 1, Aachen

Tickets kosten 10,00 Euro und können hier erworben werden: EVENTFROG-LINK.

Ich war noch nie in dieser Bar – hmm, ich war noch nie in Aachen, fällt mir dazu ein – und bin sehr gespannt, wie dieser Abend sich gestaltet. Falls du in der Nähe bist, komm vorbei und sag hallo!

Vorschlag für 2026: Lerne Smalltalk!

Das höre ich immer wieder von Leuten, mit denen ich mich unterhalte: „Ich hasse Smalltalk!“ Entweder er ist zu schwierig oder überflüssig oder man weiß einfach nie, worüber man reden soll, und sollten wir uns nicht alle grundsätzlich viel tiefsinner unterhalten?

Erstens: Ja, Smalltalk IST schwierig. Aber für überflüssig halte ich ihn nicht. Denn eigentlich geht es beim Smalltalk darum, eine Unterhaltung zu führen, die für keine der beteiligten Parteien unangenehm ist. Man verwendet ihn, um soziale Nähe und eine Verbindung herzustellen – oft in Vorbereitung auf größere, „wichtige“ Gespräche. Dazu gehört etwa die Frage nach der Anfahrt beim Vorstellungsgespräch.

Zweitens: Smalltalk kann man tatsächlich lernen. Natürlich kann man ganz klein beim Wetter anfangen, das ist gar nicht wild. Oder man überlegt sich eine ergebnisoffene Frage, deren Antwort keine große Konsequenz hat, um Leute in ein Gespräch einzubeziehen.

Natürlich ist beim Smalltalk die Antwort genau so wichtig wie die Eröffnung – auch die Antwort sollte niemanden verstimmen. Wenn jemand das Wetter kommentiert, ist die Antwort: „Ja, Regen ist kacke, aber nicht einmal im Gewitter würde ich mit so einem hässlichen Hut, wie Sie ihn tragen, auf die Straße gehen!“ … nicht besonders diplomatisch.

Smalltalk ist das Äquivalent zum Beschnuppern bei Hunden, da pinkelt man einander üblicherweise auch nicht direkt auf die Nase.

Für den Anfang kann man sich drei oder sieben unverfängliche Fragen zurechtlegen, auf die die meisten Personen eine Antwort parat haben könnten, etwa:

  • Was war Ihr absurdestes Erlebnis im Supermarkt?
  • Wenn Sie jetzt den Koffer packen und verreisen MÜSSTEN, wohin würde die Reise gehen?
  • Womit würden Sie in einer Notsituation einen sterilen Tupfer ersetzen? (Gestern erst so verwendet. Ich bin schamlos.)

Komplimente sind auch ein guter Einstieg. Als Faustregel: Am besten etwas kommentieren, bei dem man erkennt, dass die andere Person sich damit große Mühe gegeben hat (Outfit, Frisur, Balkondekoration, …) oder eine Errungenschaft (neues Buch, Besteigung des Mount Everest, perfektes Einparken in die kleinste Lücke der Welt).

Oder man geht, das ist für Fortgeschrittene, auf die aktuelle Situation ein – von mir aus mit Bemerkungen wie: „Beim Smalltalk stelle ich mich immer ungeschickt an und sage ewas total Peinliches. Geht es Ihnen auch so?“ Und von da aus improvisiert man eben. Übrigens bin ich wirklich ungeschickt und sage beim Smalltalk oft etwas Peinliches. Aber das ist nicht schlimm, damit nehme ich direkt die erste Hürde und mache den anderen das Gespräch einfacher. Und oft ergeben sich aus harmlsoen oder absurden Einstiegen die interessantesten Gespräche, wenn man sich am Gegenüber kalibriert hat.

Wie stehst du zu Smalltalk? Yay, nay, hey?

Das Küchenwunder! (Ein weiterer KI-Rant)

Im Hintergrund eine angeschnittene Schokoladentorte mit vielen bunten Zuckerstreuseln und bunten Buttercreme-Rosetten. Im Vordergrund ein einzelnes Stück Torte, leicht verunfallt und zermatscht.
Foto von Joshua Hoehne, gefunden auf Unsplash.

Erinnerst du dich an meinen KI-Keks-Rant? Das Problem wird immer schlimmer. Inzwischen kann man Pinterest wirklich gar nicht mehr für Rezepte verwenden, denn mindestens 70 % sind sichtbar (oder lesbar) KI-generiert. Alles für den Profit! Aus einen Sorbet-Rezept beispielsweise: „Mischen Sie Orangen-, Ananas- und Grapefruitsaft in einer großen Schüssel mit dem Zucker, bis er sich aufgelöst hat. […] Schichten Sie die unterschiedlichen Geschmacksrichtungen.“

Im Ernst, wenn ich DAS kann, kann ich mir auch Eis zaubern.

Der Mann übrigens, der wirklich ein KI-Fan ist, ist inzwischen von den Slopmaschinen genau so enttäuscht wie ich. Natürlich zeig ich ihm auch jeden dusseligen Ranz, den ich finde. Manchmal verraten die Beiträge sich durch Zutaten, die wie mit Photoshop aufgeklebt aussehen. Manchmal werden zwei komplett unterschiedliche Ergebnisse präsentiert (und nein, niemand backt für einen Blogbeitrag zwei komplett unterschiedliche Kuchen aus dem gleichen Rezept – vor allem nicht einen Blechkuchen und eine Torte). Manchmal sind es Kleinigkeiten im Text, die die Herkunft verraten.

Eine perfide Version sind übrigens „Kochblogs“, die massenweise automatisch Rezepte anderer Blogs übersetzen lassen, dazu Bilder generieren und das dann als eigene Kreation online stellen. Zum einen verrät sich das oft in der Wortwahl („Heißwürstchen-Drehstangen“, anyone??), zum anderen an den Mengenangaben („eine Unze Mehl“) oder verwirrenden Anweisungen. Das wird irgendwann schwieriger zu erkennen, wenn die Übersetzungs-KIs besser werden, aber aktuell … ein Wörterbuch in der Hand (oder im Server) reicht eben nicht für eine gute Übersetzung.

Wie erkennt man solche Dreckschleudern denn nun? Ein Hinweis ist es, wenn ein Blog recht neu ist und schon 1.347 Beiträge hat. Ein anderer ist ein fehlendes Impressum, oder eine sichtbar KI-generierte „Person“ hinter dem Blog. Außerdem haben KI-Texte oft so eine weiche Wohlfühl-Note, ohne dabei tatsächlich etwas auszusagen. Letzten Endes werden diese Schwächen allerdings mit der Zeit verschwinden, und uns bleibt nur noch die Möglichkeit, uns an vertraute Quellen zu halten: Kochblogs mit Renommé (außer, sie erliegen der Faszination KI), persönliche Rezept-Empfehlungen und natürlich Kochbücher von Leuten, die einen Ruf zu verlieren haben, möglichst aus renommierten Verlagen, um nicht an gedruckten KI-Slop zu geraten.

Und wo wir gerade dabei sind: Meine Blog-Empfehlungen sind Skinnytaste (englisch), Jessica Gavin (englisch) und der Magische Kessel (deutsch).

Ich denke übrigens, das wird einer der Nebeneffekte der KI-„Revolution“ sein: Leute bleiben häufiger aus dem Internet weg und suchen sich ihre Informationen wieder offline. Oder wenigstens wäre das die positive Variante. (Ich bin Optimistin!)

Hast du ein Lieblings-Kochbuch (oder ein Lieblings-Kochblog), das ich mir unbedingt anschauen muss?

PS: Meine Bücher sind und bleiben KI-frei. Ich denke mir meinen Unsinn immer noch selbst aus!

Bücher!!!

Als wir zusammenkamen, vor einer kleinen Ewigkeit, wollte der Mann mir keine Bücher schenken. Zwar las er selbst gern, doch irgendwie, fand er, waren Bücher langweilige Geschenke.

Es hat gedauert, aber inzwischen ist er überzeugt, dass ich mich über Bücher wirklich freue. Aus dem einen „Anstandsbuch“ pro Jahr sind mehr geworden – sehr zum Leidwesen unserer Regale, die unter diesen Schätzen ächzen.

Das ist die (nicht-exklusive) Ausbeute dieses Jahr. Er hat sich von meinen Wunschzetteln inspirieren lassen und ich bin schon sehr gespannt. Klar, Bücher sind weder teuer noch exotisch, aber wo sonst kriegt man so viele Ideen und Denkanstöße auf so kleinem Raum?

Falls du wissen willst, was (und wieviel) ich so lese im Jahr: Hier gibt es eine Aufstellung seit 2017, ohne Bewertungen. Dass ich ein Buch fertiggelesen habe, ist schon eine Auszeichnung für sich. (Am stärksten im Gedächtnis geblieben ist mir übrigens „Die Wand“ von Marlen Haushofer. Ein großartiges Buch!)

Kennst du eines oder mehrere meiner neuen Schätzchen? Und welches Buch hat dich zuletzt so richtig beeindruckt?

Das Vogel-Orakel

Vor einem grauen Himmel fliegt ein Vogelschwarm wild durcheinander. Man erkennt nur ihre Silhouetten.
Foto von JJ Shev, gefunden auf Unsplash.

Falls du dich für so etwas interessierst – versuch im kommenden Jahr doch mal das Vogel-Orakel. Es ist ganz einfach: Am ersten Tag des neuen Jahres achtest du darauf, welcher Vogel dir als erstes begegnet. Das ist dann dein Vogel für das kommende Jahr.

Versuch, so viel wie möglich über deinen Vogel zu lernen. Welche Rolle spielt er in der Mythologie? Hat er einen festen Platz in Legenden? Wie lebt er? Welche besonderen Fähigkeiten hat er? Wie ist es um seinen Lebensraum bestellt? Und was von all diesen Dingen könnte dir im kommenden Jahr ein Wegweiser sein?

Ich besorge mir zusätzlich gern eine kleine Erinnerung an meinen Jahresvogel – ein Schmuckstück oder eine gelungene Zeichnung. Wer kann, macht sich so etwas natürlich selbst, aber es gibt auch viele tolle Künstler*innen, die man unterstützen kann – und spätestens eine Postkarte kostet nicht die Welt. Das Erinnerungsstück nehme ich mit ins Jahr oder stelle/hänge ich dort auf, wo ich es regelmäßig sehen kann.

Natürlich freut (nicht nur) dein Vogel sich, wenn du dich revanchierst. Falls du kannst, stell ein Vogelhäuschen auf oder sammle Müll aus der Natur. Sorge dafür, dass es ausreichend Körner und Insekten zum Futtern gibt. Spende an eine Organisation, die sich für den Erhalt seines Lebensraumes einsetzt. Und wenn du ihm dann im Verlauf des Jahres immer mal wieder begegnest, freu dich daran und denke dir: „Egal, wie schwierig alles gerade ist – immerhin habe ich einen Vogel, und den kann mir niemand nehmen.“

Ein Blick in die Zukunft

Zwei helle Taschenkalender liegen aufeinander. Der neue liegt oben. Er ist weiß mit einem komplexen Muster aus Kreisen, Linien und Blüten mit Glanz-Effekten. Oben links klebt ein Sticker mit einen Katzendämon unter einer Mondsichel, die Pfote auf einigen Totenschädeln.

In einem ruhigen Moment Ende Dezember zücke ich den Kalender für das kommende Jahr und fange an, Termine einzutragen. Buchmessen, Arzttermine, Konzerte – oft schon lange im Voraus geplant. Seit Jahren verwende ich dafür Taschenkalender aus dem Korsch Verlag.

Blich auf den unteren Rand des alten Kalenders. Der feste Umschlag ist nur leicht abgestoßen, die Oberfläche glatt und nicht beschädigt.

Das ist der Kalender für 2025. Obwohl er konstant in meiner Tasche herumfliegt, ist er stabil und sieht immer noch gut aus. Also: Eine Kaufempfehlung!

Vergleich zwischen dem leeren Kalender (oben) und dem alten Kalender (unten). Der alte Kalender enthält viele durchgestrichene Einträge. Am oberen Kalender erkennt man die Aufteilung der Seiten: Die linke Seite enthält ein Feld je Wochentag, die rechte Seite ist leer.

Ich weiß, dass jede*r ein eigenes System hat – sie sieht meins aus. Rechts Aufgaben für die Woche und Dinge, an die ich denken muss, links konkrete Termine und Erledigungen. Und man sieht, auch nach einem Jahr hält die Bindung immer noch.

Rückseite des neuen Kalenders mit einem Aufkleber, der eine Fuchs zeigt. Der Fuchs hält ein Protestschild: KEKSE STATT NAZIS.

Natürlich ist die Rückseite auch schon dekoriert.

Für mich ist ein Papierkalender überlebenswichtig. Was hier nicht drin steht, passiert nicht. Und ein neuer Kalender enthält so viele Möglichkeiten! So viele leere Seiten! Soviel Zeit!

(Ich weiß, das füllt sich alles schnell. ^^)

Dinge, die noch nicht im Kalender stehen: Veröffentlichungspläne, Stipendien und Deadlines. Die plane und recherchier ich in den kommenden Tagen. Inzwischen ist das eine liebgewonnene Tradition, genau wie die Tarotkarten und der Spaziergang zum Winteranfang.

Hast du Traditionen für zwischen den Jahren?